Die Gewerbeansiedlung in der Marktgemeinde Ein boomender Wirtschaftsstandort

Das Software-Unternehmen Adito baute kürzlich in der Konrad-Zuse-Straße sein neues Firmengebäude. Foto: Peter Köppen

Die Anwerbung der Firma Pöschl und anderer Gewerbeunternehmen würden sich oftmals mit den Amtszeiten der Bürgermeister überschneiden, betonte Georg Kammerer als Nachfolger. So könne er nicht mehr genau sagen, wo er als Stellvertreter oder als Bürgermeister beteiligt war. "Auf jeden Fall war Pöschl ein guter Fischzug, der viel Gewerbesteuer einspielte", sagte Kammerer. Neben vielen anderen Firmen lag in seiner Zeit vor allen Dingen die Übernahme des alten Milchhofs durch das Recycling-Unternehmen Wittmann, das seinen Hauptsitz in Geisenhausen hat und mittlerweile stark expandiert hat. Auch unter Robert Maier kamen viele mittlere und kleinere Unternehmen nach Geisenhausen und siedelten sich im Gewerbegebiet an. So seien damals die Einzelhandelsgeschäfte Lidl und Edeka gegen den Widerstand der Geschäftswelt entstanden. Gerne erinnert sich Maier an die Entstehung des Ärztehauses und die Sanierung des Gasthauses Seisenberger. "Die Vorgeschichte war schwierig und es gab mit dem ehemaligen Supermarkt Probleme", so begann er seinen Bericht. Als Bürgerhaus sei das Gebäude aus Sicht der Gemeinde ungeeignet gewesen. Dann aber hätten die Dres. Enders das Gelände gekauft, das neue Ärztehaus mit Apotheke errichtet und den historischen Zehentstadel vorbildlich renoviert: "ein Glücksfall für die Gemeinde".

Die Marktgemeinde liegt bei der Pro-Kopf-Steuereinnahme auf Platz zwei im Landkreis, das betonte im Gespräch mit der Vilsbiburger Zeitung Bürgermeister Josef Reff. Einen wesentlichen Anteil neben der Einkommensteuerbeteiligung hat dabei die Gewerbeansiedlung mit den vielen mittleren und großen Arbeitgebern. Diese Entwicklung spielte sich vor allem in den vergangenen hundert Jahren ab.

Geisenhausen ist eine prosperierende Marktgemeinde mit "sehr guten Steuereinnahmen" - so drückte sich der amtierende Bürgermeister aus. Auch jetzt gebe es immer wieder Anfragen von Firmen und Unternehmen, die Gewerbegrund in der Marktgemeinde suchen. Doch sind die Bürgermeister und der Gemeinderat mittlerweile wählerisch: Sie lassen nicht jede Firma zu. "Wir wollen keine reinen Dienstleistungsanbieter mit wenigen Arbeitsplätzen", so Reff. Ziel sei es, möglichst den Hauptsitz eines Unternehmens zu bekommen. Außerdem seien die Entscheidungskriterien die Zahl der Arbeitsplätze und die Höhe der zu erwartenden Steuereinnahmen. Noch hat die Marktgemeinde Gewerbegrund zu verkaufen. Sollten weitere Grundstücke notwendig werden, könne man die Zubringerstraße zur B 299 in Richtung Landshut überschreiten und dort ein weiteres Gewerbegebiet eröffnen.

Um diesen wertvollen Baugrund ausschließlich dem Gewerbe zur Verfügung zu stellen, lässt der Gemeinderat mittlerweile keine Betriebsleiterwohnungen mehr zu. "Der Spagat zwischen den Forderungen der Bewerber und den Interessen der Gemeinde ist schwierig", sagte dazu Reff. Wichtig sei für ihn in den letzten Jahren gewesen, die Firma Adito mit ihrem neuen Unternehmenssitz in der Konrad-Zuse-Straße vor Ort zu halten. Das Softwareunternehmen biete schließlich etwa 110 Arbeitsplätze für hochqualifizierte Mitarbeiter, dazu rund 150 die Firma Delta in der Bahnhofstraße. Der größte Arbeitgeber Geisenhausens ist die Tabakfabrik Pöschl mit über 440 Stellen vor Ort.

Ein landwirtschaftlich geprägtes Kuhdorf war Geisenhausen schon lange nicht mehr. Die Manufaktur von Lederstiefeln und Bekleidung hatte sich in der Vergangenheit zur industriellen Produktion gemausert. In beinahe jeder Familie arbeitete ein Mitglied entweder "beim Zeiler" oder "beim Dräxlmeier". Die Marktgemeinde hatte dann das Glück, dass es nach dem sukzessiven Abbau der Schuh- und Textilproduktion den tüchtigen Bürgermeistern geglückt war, neue Unternehmen anzuziehen. Im Gespräch mit der Vilsbiburger Zeitung berichtete dazu neben dem amtierenden Bürgermeister Josef Reff dessen Vorgänger Robert Maier (Amtszeit 2002-2014). Auch Altbürgermeister und Ehrenbürger Herwart Radspieler (1978-1996) und sein Nachfolger Georg Kammerer gaben bereitwillig Auskunft. Tabak-Pöschl nach Geisenhausen "Eines Tages hat es bei mir im Büro geklopft", erinnert sich Radspieler, als sich Dr. Ernst Pöschl, Chef der Landshuter Tabakwaren-Fabrik, bei ihm vorstellte. Er suche ein Grundstück für sein Unternehmen, da die Stadt Landshut kein adäquaten Erweiterungsmöglichkeiten bieten konnte. Der ehemalige Milchhof in der Vilsbiburger Straße erschien Pöschl als zu klein und nicht geeignet. Da wurde dem Bürgermeister ein Grundstück mit 20 Tagwerk angeboten. Schon tags darauf besichtigte er mit Dr. Pöschl und einem Planer der Firma Delta das Gelände, wo heute die Firma steht. Der Landshuter Unternehmer sei begeistert gewesen, und Radspieler sagte: "Da habe ich ein paar Nächte nicht mehr gut geschlafen." Der Handel kam schließlich zustande, die Gemeinde erschloss das neue Gewerbegebiet Kreuzfeld und legte für die Tabakwarenfabrik die gewünschte Erdgasleitung. "Eigentlich war Pöschl mit Rottenburg fast handelseinig", doch sei Geisenhausen verkehrsgünstiger gelegen und habe den Zuschlag erhalten. So konnte Radspieler den größten Coup seiner Bürgermeisterzeit für sich verbuchen.

Rampoldsdorfer Feld als Gewerbegebiet

Maier merkte noch an, dass die Gemeinde schon im Jahr 2009 das jetzige Gewerbegebiet "Rampoldsdorfer Feld" aufgekauft habe. Die Mehrheit im Gemeinderat habe sich aber plötzlich für ein Wohngebiet entschieden. Erst in der neuen Wahlperiode sei ein Umdenken möglich geworden und die ursprüngliche Verwendung als Gewerbegebiet wieder in Kraft getreten. Heute haben mehrere Firmen dort ihren Sitz, unter anderem das große Softwareunternehmen Adito.

 

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