Interview: Diagnose Brustkrebs Wenn Musik zum Rettungsanker wird

Bei Katja Siedenkamp-Dittrich (li.) aus Neuwied wurde 2012 Brustkrebs diagnostiziert. Seit sieben Jahren kämpft sie nun gegen die Krankheit an und setzt mit Charity-Konzerten ein Zeichen gegen den Krebs. Foto: Privat

Katja Siedenkamp-Dittrich (47) aus Neuwied (Rheinland-Pfalz) hat eine lange Leidensstrecke hinter sich. Im Jahr 2012 wurde bei ihr Brustkrebs diagnostiziert. Ein Tag, der für sie plötzlich alles verändert hat. Und doch ließ sie sich von dieser Diagnose nicht aus der Bahn werfen. Das Wort „aufgeben“ existiert in ihrem Sprachschatz nicht. Im Gegenteil: über den eigenen Kampf gegen den Krebs hinaus, veranstaltet die passionierte Sängerin seit einigen Jahren die Charity-Konzerte „Bite the cancer“. Was ihr immer noch täglich Kraft gibt, das verrät sie im Interview mit idowa.

Frau Siedenkamp-Dittrich, können Sie sich noch erinnern, was damals in Ihnen vorging, als Sie die Diagnose Brustkrebs erhalten haben?

Katja Siedenkamp-Dittrich: Mein erster Gedanke war: „Das kann nicht sein! Ich war doch immer regelmäßig bei der ärztlichen Kontrolle.“ Dann dachte ich mir: „Ok, sie nehmen den Knoten heraus und ich werde wieder gesund.“ Leider ist das bis heute nicht der Fall.

Wie viele Operationen haben Sie seither hinter sich?

Siedenkamp-Dittrich: Da der Krebs in Wirbelsäule und aktuell auch noch im Bauchfell metastasiert ist, musste ich mich bislang 15 Operationen unterziehen.

Woher nimmt man die Kraft, sich immer wieder neu aufzuraffen und nicht aufzugeben?

Siedenkamp-Dittrich: Eine gute Frage. Ich habe das Glück, einen liebevollen Partner und fürsorglichen Freundeskreis zu haben. Außerdem bin ich wohl auch der Typ Kämpfernatur.

Negative Diagnosen und Prognosen

Sie gehen auf Facebook und durch Ihre Charity-Konzerte „Bite the cancer“ sehr offen mit Ihrer Erkrankung um. Fällt Ihnen das schwer?

Siedenkamp-Dittrich: Zugegebenermaßen hin und wieder schon. Vor allem dann, wenn wieder neue negative Diagnosen und Prognosen hinzukommen.

Wie entstand die Idee zu „Bite the cancer“?

Siedenkamp-Dittrich: Ich arbeite seit 15 Jahren als Sängerin, Gesangspädagogin und Vocal Coach, hauptsächlich im Genre Rock und Metal. Mittlerweile kann ich diesen Beruf allerdings nur noch geringfügig ausüben. Bei einem der zahlreichen Schülerkonzerte für unsere Musikschulgruppe kam mir eines Tages die Idee einer Charity-Veranstaltung.

Wann fand das erste „Bite the cancer“-Charity Konzert statt?

Siedenkamp-Dittrich: Das war 2014 in einer renommierten Live-Musik-Gastronomie, zugunsten der Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz. Dabei handelt es sich um einen Verein, der Psychoonkologen beschäftigt. Seitdem boten viele meiner Mitmusiker und Kollegen Unterstützung an. 2016, 2017 und 2018 sammelten wir für die Psychoonkologie des Brustzentrums im Marienhaus Klinikum St. Elisabeth in Neuwied.

Wie viele Spenden konnten bislang durch „Bite the cancer“ gesammelt werden?

Siedenkamp-Dittrich: Insgesamt 5.250 Euro.

Wofür werden diese Spenden verwendet?

Siedenkamp-Dittrich: Von den letzten Spenden konnten zum Beispiel im Rahmen der Veranstaltungen „Onkocafé“ die dort betreuten Brustkrebs-Patientinnen zu einem gemeinsamen Wellness-Wochenende fahren und auch einen „Gesundheits-Kochkurs“ absolvieren.

"Es kann leider jeden von uns treffen"

Wann findet die nächste „Bite the cancer“-Veranstaltung statt?

Siedenkamp-Dittrich: „Bite the cancer 5“ wird am 27. April 2019 wieder in Neuwied stattfinden. Wie auch schon bei den letzten drei Veranstaltungen in den Räumlichkeiten eines hier ansässigen Motorradclubs. Die Jungs dieses Clubs stellen mir nun bereits zum vierten Mal ihre Location und Unterstützung ehrenamtlich und unentgeltlich zur Verfügung. Ohne sie wäre all das gar nicht möglich.

Was macht Ihnen trotz des harten Kampfes gegen den Krebs Mut für die Zukunft?

Siedenkamp-Dittrich: Die Hoffnung auf Heilung und meine Musik.

Welchen Rat würden Sie anderen Frauen geben, die an Brustkrebs erkrankt sind?

Siedenkamp-Dittrich: Niemals aufgeben!

Finden Sie, Krebs ist in der heutigen Gesellschaft immer noch zu sehr „Tabu-Thema“ und was würden Sie sich von der Gesellschaft im Umgang mit dieser Krankheit wünschen?

Siedenkamp-Dittrich: Ich werde immer wieder von verwunderten und fassungslosen Bekannten mit Aussagen wie „Ich dachte, du hättest den Krebs längst besiegt“ oder „Bauchfell? Ich dachte, du hättest Brustkrebs?“ oder „Strahlentherapie, Chemotherapie, ist das nicht dasselbe?“ konfrontiert. Das zeigt schon, dass es noch mehr Aufklärung braucht. Diese Aufklärung würde ich mir insbesondere in Form von Eigeninitiative wünschen, denn es kann leider jeden von uns treffen.

 

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