Deutschlands bester Jungbrauer "Franken hat die beste Bierkultur"

Sebastian Dippold (20) in seinem Element. 2016 begann er seine Ausbildung zum Brauer in der Brauerei Wagner im mittelfränkischen Merkendorf. Zwei Jahre später hat er nicht nur seine Ausbildung bereits erfolgreich abgeschlossen, sondern ist nun auch noch offiziell "Deutschlands bester Jungbrauer". Foto: Dippold

Sebastian Dippold (20) aus Mittelfranken ist seit Montag Deutschlands bester Jungbrauer. Damit konnte er den Titel wieder nach Bayern zurückholen. Weshalb er sich mit Abitur für eine Ausbildung im Handwerk entschied, das erzählt Dippold im Interview mit idowa.

Herr Dippold, herzlichen Glückwunsch zum Titelgewinn „Deutschlands bester Jungbrauer“ in Potsdam. Nicht nur ihr Ausbildungsbetrieb, die Brauerei Wagner in Merkendorf, dürfte nun stolz wie Oskar sein oder?

Sebastian Dippold: Vielen Dank. Ja, mein Chef und meine Kollegen sind unglaublich stolz auf mich. Aber auch für mich ist dadurch eine Art Traum in Erfüllung gegangen.

In den Vorjahren ging der Titel jeweils an Jungbrauer aus Berlin und Brandenburg. Sie haben die Auszeichnung nun wieder nach Bayern zurückgeholt. Gibt es hier das beste Bier?

Dippold: Nicht nur nach Bayern, sondern nach Franken. Denn Franken hat die beste Bierkultur Deutschlands, hier gehört der Titel hin. (lacht)

"Brauer war schon immer mein Traumberuf"

Sie haben Abitur gemacht, aber sind einen anderen Weg gegangen als viele andere Abiturienten. Anstatt Studium haben Sie sich für eine Ausbildung in einem Handwerksberuf entschieden. Warum?

Dippold: Brauer war eigentlich immer schon mein Traumberuf. Von daher lag die Entscheidung auf der Hand. Hier im Ort haben mir dann zum Glück einige Leute geholfen, diesen Traumberuf auch tatsächlich ergreifen zu können.

Wann haben Sie mit Ihrer Ausbildung begonnen und wann haben Sie die Lehre abgeschlossen?

Dippold: Mit der Lehre habe ich 2016 begonnen. Normalerweise dauert die Ausbildung drei Jahre. Dank Lehrzeitverkürzung wurde ich allerdings schon 2018 fertig.

Jetzt also der nächste Höhepunkt in ihrer noch jungen Karriere mit dem Titelgewinn in Potsdam. Wie wird man eigentlich „Deutschlands bester Jungbrauer“?

Dippold: Zuerst misst man sich auf Regierungsbezirk-Ebene mit anderen Jungbrauern. Gewinnt man dort, dann geht es weiter beim Landesentscheid. Der dortige Sieger qualifiziert sich schließlich für den Bundesentscheid.

Stipendium nach dem Landesentscheid

Ein langer Weg also. Nach welchen Kriterien wird beim Bundesentscheid ausgewählt, worauf kommt es an?

Dippold: Es ist eine Mischung aus Theorie und Praxis. In der Theorie muss man zum Beispiel einige mathematische Aufgaben lösen. Im praktischen Teil werden kleine Arbeiten, beispielsweise eine Probe vom Tank ziehen, bewertet. Sauberkeit ist in der Praxis sowieso die absolute Grundvoraussetzung, aber eben auch das nötige Know-How.

Wurde Ihr Titelgewinn in irgendeiner Form prämiert?

Dippold: Beim Bundesentscheid nicht. Aber nachdem ich den Landesentscheid in Bayern gewonnen hatte, habe ich ein Stipendium erhalten.

Gerade einmal zwei Jahre in dem Beruf tätig und schon so erfolgreich. Welches Ziel haben Sie sich als nächstes gesetzt?

Dippold: Nächstes Jahr möchte ich die Meister-Schule machen und dort meinen Brauerei- und Mälzermeister machen.

Eine Spezialität ihres Arbeitgebers ist der frisch gezwickelte Dunkle Bock, den Sie dieses Jahr brauen durften. Was bedeutet „frisch gezwickelt“?

Dippold: Der Zwickel ist der Probierhahn am Lagertank. Zwickeln heißt nichts anderes, als das lagernde Bier zu probieren und geschmacklich einzuordnen. Gezwickelte Biere sind immer unfiltriert. Bei einem unfiltrierten Bier sind noch weitere Geschmacksstoffe im Bier enthalten – im Gegensatz zu filtrierten Bieren.

Wie ist die Lage aktuell in der Brauerei-Branche und wohin geht der Trend Ihrer Meinung nach?

Dippold: Im Moment ist meiner Meinung nach der Craftbeer-Trend auf dem absoluten Höhepunkt, wird aber demnächst wieder abflauen. Auch der Absatz von Großbrauereien in Deutschland geht zurück. Ich würde mir wünschen, dass das Brauereiensterben insbesondere im ländlichen Raum aufhört und es wieder mehr kleinere Betriebe gibt.

 

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