Bayern Angeklagte gestehen Betrug mit elektronischen SIM-Karten

Die Justitia steht neben Akten und einem Holzhammer. Foto: Volker Hartmann/dpa/Archivbild Foto: dpa

Würzburg (dpa/lby) - Ein wegen Computerbetrugs angeklagtes Ehepaar hat vor dem Landgericht Würzburg gestanden, bundesweit unter fremden Namen hochwertige Waren im Internet bestellt zu haben. Zudem hat der 33 Jahre alte Ehemann nach Darstellung der Anklage mit Hilfe von elektronischen SIM-Karten (eSIM) auf fremde Bankkonten zugegriffen und versucht, Geld abzuzweigen. Die Ermittler konnten nach eigenen Angaben durch das Stoppen der unrechtmäßigen Überweisungen den Verlust von mehr als 200 000 Euro verhindern.

Bundesweit sind Dutzende Opfer bekannt, die ihren Schaden teilweise von den Banken ersetzt bekamen. "Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich ziemlich hoch", sagte ein Ermittler am Montag zum Auftakt des Prozesses. Viele Geschädigte meldeten sich nicht, auch die Banken schalteten bei solchen Delikten nicht immer die Polizei ein.

Der Hauptverdächtige will nach Angaben seiner Verteidiger nur 5000 bis 10 000 Euro mit den Geschäften verdient haben. Der 33-Jährige soll mindestens einen Komplizen gehabt haben, der aber bisher nicht identifiziert werden konnte.

Nach Darstellung des Anklägers von der Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) hat sich der 33-Jährige seit Mitte 2019 die Login-Daten seiner Opfer für die Kundenprofile bei Telefonanbietern besorgt. Mithilfe der eSIM-Karten soll er dann deren Handynummern übernommen haben. Der Angeklagte oder der Komplize loggten sich demnach online in die Bankkonten der Betroffenen ein - mit deren Passwörtern, die sie sich zuvor im Darknet verschafft haben sollen. In diesem Teil des Internets können sich Nutzer weitgehend anonym bewegen.

Da der 33-Jährige laut Anklage zuvor die Handynummern der Opfer übernommen hatte, kam der per SMS für eine Überweisung verschickte TAN-Code direkt bei ihm an. So hätten er und sein Mittäter frei über die Konten verfügt, sagte Staatsanwalt Stephan Schäl. Der Verdächtige räumte die Taten ein.

Zusammen mit seiner gleichaltrigen Frau soll der Hauptverdächtige zudem teure Uhren, Tierbedarf und Kleidung bestellt haben - Schaden mindestens 23 000 Euro.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Paar auch vor, mit dem Bruder der Frau Drogen im Darknet geordert und weiterverkauft zu haben. Der mitangeklagte 35-Jährige räumte die Vorwürfe ein. Er und seine Schwester haben nach eigenen Worten auch immer wieder selbst Amphetamine genommen.

Am Freitag soll der Prozess fortgesetzt werden. Womöglich wird dann auch das Urteil gesprochen.

 

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