Deutschland Nach Missbrauchs-Gutachten: Merz vermutet Gerichtsverfahren

Berlin - Der künftige CDU-Chef Friedrich Merz rechnet nach dem jüngsten Gutachten zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche als Konsequenz auch mit Gerichtsverfahren. Auf die Frage, ob Kardinäle zurücktreten müssten, sagte Merz am Samstagabend in der ZDF-Sendung "Was nun": "Das muss zunächst in den Kirchen entschieden werden. Aber ich gehe davon aus, dass das auch in Zukunft Gegenstand von Verfahren der ordentlichen Gerichte sein wird." Zu den neuen Erkenntnissen sagte der Katholik Merz: "Dies ist etwas, was mich persönlich sehr berührt, sehr betrifft, sehr beschwert."

Die Frage bezog sich auf eine im Erzbistum München und Freising vorgestellte Studie einer Anwaltskanzlei, wonach dort Fälle von sexuellem Missbrauch in der Diözese über Jahrzehnte nicht angemessen behandelt wurden. Den ehemaligen Erzbischöfen Friedrich Wetter und Joseph Ratzinger, dem heute emeritierten Papst Benedikt XVI., wurde konkret und persönlich Fehlverhalten in mehreren Fällen vorgeworfen. Auch dem aktuellen Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, wird formales Fehlverhalten in zwei Fällen vorgeworfen. Von mindestens 497 Opfern und 235 mutmaßlichen Tätern sprechen die Gutachter, sie gehen aber von einem deutlich größeren Dunkelfeld aus.

© dpa-infocom, dpa:220122-99-810429/3

 

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