Deutschland Internationale Handwerksmesse in München eröffnet

Ein Mann hält bei einem Presserundgang auf der Internationalen Handwerksmesse einen aus Holz geschnittenen Schlüsselanhänger mit dem Logo der IHM in der Hand. Foto: Lino Mirgeler

In München öffneten sich am Mittwochvormittag die Tore der Internationalen Handwerksmesse.

Bei der größten Leistungsschau der Branche in Deutschland präsentieren rund 1.000 Aussteller bis zum 13. März ihre Neuheiten. Die knapp eine Million Handwerksbetriebe in Deutschland machen derzeit gute Geschäfte. Doch fehlt der Nachwuchs - im Ausbildungsjahr 2016/2017 blieb etwa jede zehnte Lehrstelle unbesetzt. Verärgert sind viele Handwerker über die Debatte um Dieselfahrverbote.

Da die allermeisten Handwerker Diesel fahren, fürchten sie schlechtere Geschäfte und bürokratische Hürden, wenn es in den Innenstädten flächendeckende Fahrverbote geben sollte. Am Freitag wird das ein Thema beim alljährlichen Spitzengespräch der vier größten deutschen Wirtschaftsverbände mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) sieht die Verhinderung von Diesel-Fahrverboten in Deutschlands Innenstädten als vordringliche Aufgabe. "Ich hoffe erstmal, dass es überhaupt keine Diesel-Fahrverbote gibt", sagte sie am Mittwoch in München zum Auftakt der Messe. Die neue Bundesregierung werde sich zuerst um dieses Thema kümmern müssen. "Es muss auf jeden Fall eine Lösung geben, die jenseits der Tatsache liegt, dass die Menschen, insbesondere die Unternehmer, die Handwerker, der Mittelstand, ihre Autos verlieren. Das kann irgendwie nicht sein."

Da die allermeisten Handwerker Diesel fahren, fürchtet der Zentralverband des deutschen Handwerks gravierende Auswirkungen von Fahrverboten auf die Branche - von finanziellen Verlusten bis zu gelähmten Baustellen. Der Verband fordert von den Autoherstellern, die Kosten für eine Nachrüstung der Motoren zu übernehmen. Zypries gab mit ihrer Aussage dem designierten Nachfolger Peter Altmaier (CDU) eine Aufgabe vor. Altmaier soll das Wirtschaftsressort in der neuen Bundesregierung übernehmen.

Neben der Dieseldebatte waren vor allem die Lehrlingszahlen ein Thema auf der Messe. Nach jahrelangem Lehrlingsschwund steigen die Ausbildungszahlen im Handwerk dank junger Flüchtlinge. Nach den bisher vorliegenden Zahlen ist der leichte Anstieg der Lehrverträge im vergangenen Jahr darauf zurückzuführen, dass viele Asylbewerber eine Ausbildung begonnen haben. Nach Einschätzung des Zentralverbands des Deutschen Handwerks erschweren jedoch nach wie vor bürokratische Hürden die Anstellung von Flüchtlingen. "Für die Betriebe ist nur wichtig, dass sie Rechtssicherheit haben. Das ist bis heute nicht in allen Fällen gewährleistet", sagte Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH).

Eine bundesweite Übersicht über die Ausbildungszahlen des vergangenen Jahres gibt es noch nicht. Doch die bisher vorliegenden Daten aus großen Ländern wie Nordrhein-Westfalen und Bayern deuten darauf hin, dass die Flüchtlinge zwar nicht die Lösung für den Nachwuchsmangel sind, zumindest aber wieder etwas mehr Lehrstellen besetzt werden können.

In Nordrhein-Westfalen etwa stellten die Handwerker im vergangenen Jahr 29.282 Lehrlinge ein, 803 mehr als im Vorjahr, wie Andreas Oehme, Geschäftsführer des Westdeutschen Handwerkskammertags, mitteilte. Unter diesen Auszubildenden waren 1.527 Flüchtlinge, dreimal so viele wie im Vorjahr. Ohne Flüchtlinge hätte es in NRW also ein Minus gegeben. In Bayern war 2017 schon jeder zehnte neue Handwerks-Lehrling ein Flüchtling: 2705 von 26 459.

Bundesweit liegen bisher lediglich die Zahlen zum Stichtag 30. September 2017 vor, auch diese deuten in die gleiche Richtung: Das Bundesinstitut für Berufsbildung zählte über alle Branchen - Handwerk, Industrie, Handel und freie Berufe - 2600 Bewerber mehr als im Vorjahr, obwohl die Zahl der Schulabgänger nach wie vor sinkt. Auch das lag an der gestiegenen Zahl von Flüchtlingen.

Dennoch können sehr viele Lehrstellen nicht besetzt werden. Laut Bundesinstitut waren zum 30. September knapp 49.000 Lehrstellen frei, so viele wie seit 1994 nicht mehr. Die Handwerker leiden besonders stark. So war in Bayern zum 30. September 2017 nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit sogar fast jede fünfte Lehrstelle im Handwerk unbesetzt. "Es hilft weder unserer Gesellschaft noch unserer Wirtschaft, wenn alle Jugendlichen meinen, studieren zu müssen", sagte Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) bei der Eröffnung der Handwerksmesse. Die neue Bundesregierung werde eine gezielte Fachkräftestrategie entwickeln.

Ausbildungsbetriebe würden gern mehr Flüchtlinge einstellen, auch wenn es häufig an den Deutschkenntnissen fehlt oder sonstige Probleme auftauchen. Eigentlich gilt für junge Flüchtlinge die so genannte 3+2-Regelung: Wer eine Ausbildung beginnt, darf nach seiner dreijährigen Lehre auch dann noch zwei Jahre im Land bleiben und arbeiten, wenn der Asylantrag abgelehnt wird. Doch Kammern und Betriebe klagen, dass das keineswegs überall einheitlich umgesetzt wird. In Bayern etwa macht es die CSU-Staatsregierung jungen Afghanen schwer, eine Lehre anzutreten. "Die Politik fährt keine klare Linie", kritisiert der bayerische Handwerkspräsident Franz Xaver Peteranderl.

Das findet auch der Bayerische Industrie- und Handelskammertag: "Die Integration der Flüchtlinge ist nach wie vor eine riesige Kraftanstrengung für die Betriebe", sagt der bildungspolitische Sprecher Hubert Schöffmann. Der BIHK fordert daher eine Stichtagsregelung, um den Flüchtlingen, die 2015 und 2016 gekommen sind, eine Ausbildung zu ermöglichen.

Doch handelt es sich keineswegs um ein bayerisches Sonderproblem. "Dann heißt das, der (Asylbewerber) hat aber nur einen eingeschränkten Duldungstitel und dann muss der wieder weg", beschreibt ZDH-Generalsekretär Schwannecke die Haltung in manchen Behörden. "Das verstehen viele Unternehmer auch nicht und sagen: Jetzt will ich helfen und ist nix. Dann lasse ich das Ganze."

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