"Deutschland guckt auf uns" Flicks Power-Premiere leitet Neustart ein

Der neue Bundestrainer Hansi Flick bringt mit seiner Art einen neuen Spirit in die Nationalmannschaft. Foto: Tom Weller/dpa

Nichts und niemand konnte Hansi Flick die Vorfreude auf seine Power-Premiere verderben. Der Ausfall seiner beiden Leitwölfe Manuel Neuer und Thomas Müller, die dreistündige Anreise mit dem Bus, die noch offene Kapitäns-Frage, die ihm "unter der Dusche" gekommen war - Flick reagierte auf all das mit einem entspannten Lächeln.

Der neue Bundestrainer versprühte vor seinem Debüt im WM-Qualifikationsspiel am Donnerstag (20.45 Uhr/RTL) in St. Gallen gegen den krassen Außenseiter Liechtenstein jene Aufbruchstimmung, die laut Neuer "in die deutschen Wohnzimmer überschwappen" soll. "Es geht darum, von Anfang an eine Begeisterung zu entwickeln", sagte Flick - er selbst geht mit Feuereifer voran: "Ich freue mich auf mein erstes Länderspiel und darüber, für diese Nation verantwortlich zu sein."

Siege zum Beginn des Neustarts sind Pflicht

Dem Neustart nach 15 Jahren der am Ende bleiernen Ära Joachim Löw komme viel Bedeutung zu, betonte auch der neue Mittelfeld-Chef Joshua Kimmich: "Deutschland guckt auf uns." Daher wolle man "nicht lange fackeln" und "viele Tore schießen", denn: "Die Tabelle sieht nicht so prickelnd aus." In der Gruppe J ist Deutschland nur Dritter. Siege gegen Liechtenstein, Nummer 198 der Weltrangliste, gegen Armenien (5. September) und Island (8. September) sind Pflicht.

Doch das allein reicht nicht. Man wolle "die Herzen wieder gewinnen", sagte DFB-Direktor Oliver Bierhoff - dazu gehört auch der Verzicht auf einen Flug von Stuttgart nach St. Gallen. Das "Flug-Gate" im Vorjahr beim Nations-League-Spiel in Basel gegen die Schweiz hat die DFB-Auswahl viele Sympathien gekostet.

Flick sorgt für Stimmungswandel im DFB-Team

Der Schlüssel für einen Stimmungsumschwung ist aber Flick. Mit neuer Taktik, neuen Ideen, neuem Trainerteam und neuem Geist hat der frühere Erfolgscoach von Bayern München eine zarte Euphorie geweckt. "Was ich gesehen habe, macht unglaublich Freude", sagte Bierhoff: "Das ist ein Neuanfang, wir starten bei Null. Man merkt, dass alle Spieler Lust haben."

Auch wenn das - anders als unter Löw - wie am Dienstag zwei Trainingseinheiten am Tag bedeutet. "Das brauchen wir, das hilft uns, das macht auch Spaß", sagte Ilkay Gündogan, der Flick in den ersten Tagen als "menschlich überragend" wahrgenommen hat: "Er weiß, wie er mit den Spielern sprechen muss."

Experiment der Dreier-Abwehrkette wird beendet

Flicks Ansprache ist fordernd, motivierend - und sie scheint zu fruchten. Die Mannschaft werde "richtig Gas geben und neuen Schwung entfachen", versprach Marco Reus. Neuer, der wegen seiner Probleme am Sprunggelenk kein einziges Training absolvierte und im Tor durch Bernd Leno ersetzt wird, sprach sogar davon, in Katar "möglichst Weltmeister" werden zu wollen.

Liechtenstein wird noch kein Prüfstein sein, auch wenn Flick vom Gegner "beeindruckt" ist. Der Bundestrainer wird das gescheiterte Löw-Experiment mit der Dreier-Abwehrkette beenden und auf das 4-2-3-1-System umstellen, mit dem er schon beim FC Bayern große Erfolge gefeiert hatte. Für Müller, der wegen einer Adduktoren-Verletzung das Team-Quartier bereits verlassen hat, dürfte Gündogan offensiv wie bei Manchester City agieren.

Kimmich rückt von rechts wieder auf die "Sechs" und übernimmt nach dem Rücktritt von Toni Kroos noch mehr Chef-Aufgaben - sowie von Neuer wohl die Kapitänsbinde. "Er muss auf dem Feld der Leader sein", forderte Flick. Er selbst wird es an der Seitenlinie vorleben. - Die deutsche Aufstellung: Leno - Baku, Rüdiger, Süle, Gosens - Kimmich, Goretzka - Gnabry, Gündogan, Sane - Havertz. - Trainer: Flick

 

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