Deutsches Tourenwagen-Masters DTM-Zukunft nach dem Ausstieg von Audi ungewiss

Audi wird sich aus dem Deutschen Tourenwagen-Masters verabschieden: Rene Rast vom Audi Sport Team Rosberg im Audi RS 5. Foto: Uwe Anspach/dpa/dpa

Der Ausstieg von Audi schockt die DTM. Der Hersteller sieht seine Zukunft im Motorsport in der Formel E, das hat für die traditionelle Rennserie womöglich schlimme Folgen. Die Aussichten sind düster.

Berlin - Audi steigt überraschend nach der Saison 2020 aus der DTM aus. Das beschloss der Vorstand des Autobauers auch vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Herausforderungen infolge der Coronavirus-Pandemie und teilte die Entscheidung am 27. April mit.

Audi richte das eigene Motorsport-Programm ganz neu aus und werde den Fokus künftig auf die vollelektrische Rennserie Formel E legen, hieß es in einer Mitteilung. Damit droht dem Deutschen Tourenwagen-Masters womöglich sogar das Aus. Neben Audi ist für diese Saison schon nur noch BMW als zweiter Hersteller bei der Rennserie dabei.

"Heute ist ein schwieriger Tag für den Motorsport in Deutschland und Europa. Ich bedaure die Entscheidung von Audi, sich 2021 aus der DTM zurückzuziehen, außerordentlich", sagte Gerhard Berger, der Chef der DTM-Dachorganisation ITR. Die Zukunft der DTM werde sehr stark davon abhängen, wie Partner und Sponsoren auf diese Entscheidung reagierten. Der für Ende April im belgischen Zolder geplante Saisonauftakt war zuletzt wegen der anhaltenden Corona-Krise auf den 11. und 12. Juli auf den Norisring vertagt worden.

BMW zeigte sich von der Audi-Ankündigung in einer ersten Reaktion überrascht. "Wir haben gemeinsam mit der Dachorganisation ITR immer leidenschaftlich für die Zukunft und die Weiterentwicklung der DTM gekämpft. Wir werden die Situation und mögliche Konsequenzen jetzt aus allen Blickwinkeln bewerten", hieß es in einer Mitteilung.

Der frühere Formel-1-Pilot Berger kritisierte die Kurzfristigkeit der Entscheidung. "Hier hätten wir uns - gerade in Corona-Zeiten - ein Vorgehen im Sinne unserer gemeinsamen Gesellschaft gewünscht", sagte der 60 Jahre alte Österreicher: "Nun ist die Situation zusätzlich verschärft. Wir möchten so schnell wie möglich Planungssicherheit für die Teams, die hunderttausende Fans, die Sponsoren und alle Mitarbeiter schaffen, deren Arbeitsplätze an der DTM hängen."

Audi fokussiert sich hingegen auf die Formel E. "Audi hat die DTM geprägt und die DTM hat Audi geprägt. Das demonstriert, welche Power im Motorsport liegt - technologisch und emotional", sagte Markus Duesmann, Vorsitzender des Vorstandes der Audi AG. Nun solle jedoch der Wandel zum Anbieter "sportlicher, nachhaltiger Elektromobilität" vorangetrieben werden, sagte Duesmann. Die Formel E biete "dafür eine sehr attraktive Plattform. Ergänzend prüfen wir für die Zukunft weitere progressive Motorsport-Formate".

Audi blickt auf eine überaus erfolgreiche DTM-Vergangenheit zurück und hinterlässt im Deutschen Tourenwagen-Masters eine enorme Lücke. Mit 23 Meistertiteln, darunter elf Fahrertiteln, und 114 Siegen hat Audi die DTM von 1990 bis 1992 und ab 2000 geprägt. Mit drei von drei möglichen Meistertiteln und mehreren Rekorden war 2019 die bisher erfolgreichste DTM-Saison der Unternehmensgeschichte.

 

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