Der Traum vom "Workaway" Warum Corinna Kindler Tiere auf Hawaii pflegt

Corinna Kindler arbeitet im Rahmen eines "Workaways" auf Hawaii. Foto: Hannah Mizuno

Es ist der Traum von vielen: nach Schulabschluss oder Ausbildung durch die Welt reisen. „Workaways“ bieten die Möglichkeit, tief in die Lebensart eines anderen Kulturkreises einzutauchen. Wir haben uns mit einer jungen Frau aus Mühldorf unterhalten, die genau das macht. Und zwar auf Hawaii.

Corinna Kindler steht am Morgen früh auf, um die Tiere auf dem Gnadenhof zu versorgen. Sie schläft unter Dach in einer Hütte, Wände gibt es nicht. Vom Südseeklima trennt sie nur ein Fliegengitter. Bad und Küche sind im Freien. Erst füttert sie zwei Hähne, die mit ihr zusammen in dieser Unterkunft leben, dann geht sie mit einer Gans in den Pool, bei der sich ein Bein nicht richtig entwickelt hat. Später folgen Stallarbeiten und weitere Aufgaben. Corinna Kindler macht hier keinen Erholungsurlaub, nein, sie macht Erfahrungen, die sie als Mensch weiterbringen. Und tut ganz nebenbei Gutes für Ihre Umwelt.

Sie arbeitet im „Aloha Animal Sanctuary“ auf Hawaii. „Ich wollte tatsächlich schon immer mal nach Hawaii, die Insel beziehungsweise die Inselgruppen haben mich schon immer fasziniert und ich wollte das hier alles selbst mal erleben“, erzählt sie im Interview. „Außerdem hatte ich jetzt mit Mitte 20 das dringende Bedürfnis, was Neues zu sehen, zu erleben, alleine etwas zu schaffen und gleichzeitig auch mitanzupacken, wo Hilfe benötigt wird."

Das Konzept, im Ausland gegen Kost und Logis zu arbeiten, gibt es in vielen Varianten. Mit Fokussierung auf Biohöfe zum Beispiel spricht man von „Woofing“. Durch die völlige Veränderung des Alltags und die Einflüsse eines anderen Landes lernt man als Mensch dazu.

Körperlich eine Herausforderung

Corinna Kindler, genannt Coco, leistet Einiges. „Ich bin jetzt gute drei Monate erstmal hier auf der Insel O‘ahu und arbeite hier fünf Tage die Woche gute fünf Stunden auf dem Gnadenhof.“ Anstrengungen, die die ausgebildete Journalistin in dieser Form nicht gewöhnt ist. Doch die positiven Aspekte überwiegen.

„Besonders gut gefällt mir, dass man durch die Arbeit mit vielen verschiedenen Menschen in Kontakt kommt und man so leicht neue Freundschaft schließen kann. Darüber hinaus ist es natürlich auch schön zu sehen, wie sich hier auf dem Gnadenhof über 100 Ehrenamtlich gefunden haben, die hier tagtäglich mitanpacken, und den teilweise geschundenen Tieren ein schönes Leben bieten.“

Doch natürlich muss man auch realistisch sein. „Schwierig ist jedoch die extreme körperliche Arbeit, die ich zuvor nicht gewohnt war. Außerdem lebe ich in einer sehr einfachen Unterkunft mitten in der Natur, mit Außenküche und -dusche. Das war für mich auch erstmal eine Umstellung“, wie sie weiter berichtet.

Den Horizont erweitern

Sie hat bereits geplant, was sie als Nächstes macht: „Danach geht‘s für mich zur karibischen Seite Costa Ricas, dort werde ich drei Wochen in einem Hotel arbeiten.“

Alexander von Humboldt wird oft mit einem interessanten Satz zitiert: "Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben." Reisen bildet also. Mit einem Workaway erweitert man nämlich den eigenen Horizont. Und das veränderte Umfeld hilft ganz nebenbei, sich selbst besser kennenzulernen.

Coco möchte die Zeit zum Beispiel dazu nutzen, herauszufinden, wie es danach für sie weitergehen soll. Als Journalisten hatte sie vor Antritt ihres Workaways ein Volontariat bei Niederbayern TV Passau abgeschlossen. „Danach werde ich mich erstmal auf die Jobsuche begeben, aber hier hab ich noch nichts konkretes im Auge. Vielleicht inspiriert mich ja mein Auslandsaufenthalt zum einen oder anderen Jobwunsch“, erzählt sie.

Konkrete Umsetzung

Coco hat ihren Auslandsaufenthalt mit Hilfe des Internetportals Workaway.info organsiert. Hier erhielt sie Hilfestellung und konnte mit dem „Aloha Animal Sanctuary“ in Kontakt kommen. „Man sollte sich auf jeden Fall darüber im Klaren sein, welche Arbeit man im Ausland machen möchte und sich gut mit den „Arbeitgebern“ absprechen, um alles Wichtige zu klären“, rät sie.

Je nach Wunschort gibt es weitere Dinge zu beachten: „Genauso sollte man sich auch darüber informieren, welche Einreisebestimmungen im Ankunftsland gelten, und ob Visa benötigt werden. Grundsätzlich würde ich sagen: Nicht lange überlegen, sondern einfach machen!“ Eine Haltung, die bei solch einem Lebensprojekt bestimmt weiterhilft.

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