Eine solche Attacke wie in Österreich könnte auch Deutschland treffen, sagt Guido Steinberg im Interview. Deutschland muss mehr tun, um seine Bevölkerung zu schützen, fordert der promovierte Islamwissenschaftler und Mitarbeiter der Stiftung Wissenschaft und Politik. Der 52-Jährige gilt auf dem Gebiet als einer der führenden Nahost- und Terrorismus-Experten.

Herr Steinberg, Dresden, Paris, Nizza und jetzt Wien. Seit Ende September hat es mehrere tödliche Attacken mit islamistischem Hintergrund gegeben. Steht Europa am Beginn einer neuen Terrorwelle?

Guido Steinberg: Es gibt Hinweise dafür. Dass alle diese Anschläge beinahe gleichzeitig geschahen, weist darauf hin, dass im dschihadistischen Spektrum eine große Unruhe herrscht. Doch ob es wirklich weitere Anschläge geben wird, kann im Moment niemand sagen.

Warum tritt diese Häufung gerade jetzt auf?

Steinberg: Es gibt zwei Erklärungsansätze: Einer davon ist der Karikaturenstreit, der im September neu entfacht wurde. Der andere ist, dass nach dem Attentat auf den Lehrer bei Paris weitere Dschihadisten zeigen wollen, dass es hier nicht um Einzeltäter geht, sondern dass eine größere Bewegung existiert. Eine Organisation im Hintergrund scheint jedoch nicht aktiv zu sein.