Den Blick frei in die Natur Innsbruck: das Urbane mit dem Alpinen vernetzt

Stararchitektin Zaha Hadid gestaltete die Bahnhöfe der Hungerburgbahn. Foto: Nikolaus Sieber

Tirols Landeshauptstadt ist von Bergen umringt. Wer hier lebt, ist in Minutenschnelle beim Skifahren, Wandern, Klettern oder Mountainbiken. "Innsbruck ist eine alpin-urbane Mischung aus Berg und Tal, Natur und Stadt - eigentlich die Hauptstadt der Alpen", schwärmt bodenständig gelassen Esther Wilhelm vom Tourismusverband. "Es gibt keinen zweiten Alpenort in dieser Größenordnung, wo die Berge so nah am Stadtgeschehen liegen", ergänzt sie.

Die Stadt am Inn trägt wie kein anderer Ort den Fluss im Namen. Und Innsbruck ist die Brücke über den Inn, die "Bruck" als Kern der Stadtentstehung am Ufer des reißenden Gebirgsflusses. An der Kreuzung von West nach Ost im Verlauf des Inntals mit der Nordsüd-Achse über die Alpen reifte der Ort schnell zu einem Warenumschlagplatz. Hohe Zölle trugen zur Entwicklung der Stadt bei. "Die Straße geradeaus bis zum Goldenen Dachl, dort links abbiegen, um den Inn zu überqueren - da sind im Laufe der Zeit 66 deutsche Könige zwischen Aachen und Rom vorbeigezogen", beginnt Elisabeth Grassmayr die Stadtführung und leitet zugleich den Abstecher in die Geschichte ihrer Heimatstadt ein.

Moderne Akzente setzte Stararchitektin Zaha Hadid

Innsbruck ist historisch gewachsen, heute am Puls der Zeit. Imposante und prunkvolle historische Gebäude im Stadtkern, moderne Akzente wie die Sprungschanze am Bergisel auf der Südseite und die zart geschwungenen Stationen im modernen Design der Hungerburgbahn hoch zur Nordkette - beide entworfen von der viel zu früh verstorbenen, weltbekannten Architektin Zaha Hadid - stehen für reizvolle Erlebnishöhepunkte vom Zentrum aus in die Bergwelt rundum.

Eine Zeitreise mit Kaiser-Ausblick

Sehenswürdigkeiten der Altstadt wie das "Goldene Dachl", die Kaiserliche Hofburg oder die Hofkirche halten die Geschichte lebendig. Sie sind Zeugen der Stadtgeschichte, das Goldene Dachl schon seit 500 Jahren. Mit seinen über zweieinhalbtausend feuervergoldeten Kupferschindeln schmückt es den Prunk-Erker Kaiser Maximilians I.

Was der Kaiser schon damals voller Stolz genoss, das kann man in etwa heute noch nachempfinden, wenn man auf das Treiben der Stadt hinabblickt aus dem mittlerweile zum Museum herangewachsenen Besuchermagnet. Dann schaut man auf die Maria-Theresien-Straße mit der Annasäule und prachtvollen Barockbauten. Ohne Autoverkehr wandelte sich die Straße zur Flaniermeile. Verweilen und Schauen oder Bummeln und Kaufen, und auch Sightseeing ist hier vielseitig. Neben den historisch-typischen Arkadengängen, den sogenannten Lauben, widerspiegeln als Gegenpol das Kaufhaus Tyrol und die Rathauspassage selbst in der Altstadt den Schritt der Architektur in die Moderne.

Eine Hochzeit und ein Todesfall

Ihre eigene(n) Geschichte(n) erzählt die Kaiserliche Hofburg. Neben der Hofburg in Wien ist diese in Innsbruck als Residenz der Habsburger entstanden. Hier fanden unter anderem auch rauschende Feste statt, und im Jahre 1765 dramatische Ereignisse gleich im Doppelpack. So entschied Maria Theresia, die Hochzeit ihres Sohnes Leopold hier abhalten zu lassen, welche nach einer vierzehntägigen Feier durch den Tod ihres Gemahls Franz I. ein jähes Ende fand. Die aus diesem Anlass erstellte Triumphpforte, ein aus den Steinen des mittelalterlichen Stadttors in römischen Stil erbauter Triumphbogen, erhielt daraufhin nur auf der Südseite fröhliche Bilder, auf der Nordseite sind sie traurig.

Die Schwarzmander-Kirche: des Kaisers leere Gruft

Ebenso prominenter Zeuge der Vergangenheit ist auch die Hofkirche. In der vom Innsbrucker Volksmund genannten "Schwarzmanderkirche" stehen 28 schwarze Männer Wache. Die lebensgroßen Bronzefiguren bewachen aber nicht die Kirche, sondern das Grabmal Kaiser Maximilians I. in ihrem Inneren. Kurios dabei: Acht der "schwarzen Männer" sind Damen, und der Sarkophag des Kaisers ist leer. Der ist in der Wiener Neustadt begraben. Die Kirchenmauern und Fundamente dort waren allerdings nicht stabil genug für die Last seiner gefertigten Begleiter, deren Errichtung er vor seinem Tode minutiös geplant hatte.

Der "Mythos Tirol" im Rundgemälde

Die Kirche beherbergt aber auch legendäre Lokalhelden wie den Freiheitskämpfer Andreas Hofer. Dieser führte 1809 tausende tapfere Tiroler am Bergisel gegen die Übermacht der napoleonischen Truppen. Und wurde dafür in Mantua hingerichtet. Doch in Innsbruck verehrt man ihn weiterhin als Helden. Den "Mythos Tirol" gibt das Museum "Tirol Panorama" beeindruckend mit dem Riesenrundgemälde von 1896 wieder, als Tirol noch nicht aufgeteilt war. Das Rundgemälde zeigt die Schlacht vom 13. August 1809 am Bergisel, genau dort, wo heute das Museum steht.

Innsbruck war bereits zweimal Olympiastadt

1964 und 1976 fanden in Innsbruck die ersten und zweiten Olympischen Winterspiele statt. Die majestätisch herausragende Sprungschanze am geschichtsträchtigen Bergisel besticht gar als Kunstwerk und ragt als modernes Wahrzeichen der Stadt über diese hinweg. Die architektonisch imponierende Silhouette sieht jeder, der in Richtung Brenner unterwegs ist, noch bevor er die berühmte Europabrücke erreicht, die das Wipptal kühn überspannt.

"Da muss man rauf, allein schon wegen der guten Sicht auf die Stadt und auf die Bergketten ringsum" sagt Grassmayr und steigt schon in den Aufzug ein. Im Winter finden die Wettkämpfe statt. Doch auch im Sommer wird für das Skispringen trainiert. Die Absprungmatte, die aus Kunststoff ist, wird vor dem Sprung befeuchtet und - allez hop! - geht es ins hundert Meter tiefer gelegene Stadion. "Und jedes Mal fliegen sie in Richtung Friedhof, der gleich unterhalb der Schanze liegt", sagt die Stadtführerin und zeigt auf den der Basilika Wilten angegliederten Friedhof.

Ältester Familienbetrieb: Glockengießerei Grassmayr

Ist man schon mal im Stadtteil Wilten, so befindet sich nur paar Straßen weiter die Glockengießerei Grassmayr. Der älteste Familienbetrieb Österreichs ist seit 1599 in der gleichen Familie. "Das macht vierzehn Generationen", erzählt stolz Elisabeth. Auch dass die zwei Söhne die Traditionsgeschichte weiterschreiben und die Tochter durch das handwerksnahe Glockenmuseum führt. "Jede Glocke ist ein Musikinstrument, das abgestimmt wird", sagt die Seniorin. "Der Gast darf in die Produktion hineinschauen, man darf Töne hören, sehen und fühlen." Und wenn es der Kunde nicht anders wünscht, "haben unsere Glocken Engelsköpfe - und die sollen Segen in alle Richtungen bringen."

Weitere Informationen

Allgemeine Informationen erteilt der Innsbruck Tourismus unter www.innsbruck.info. Infos zur Skisprungstätte unter www.bergisel.info und die zur Glockengießerei unter www.grassmayr.at

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading

Videos