Debatte im Netz Das Radl hängt am Kreuz

Ein Foto auf dem ein Fahrrad am Kreuz hängend zu sehen ist, wird derzeit bei Facebook diskutiert. Foto: Jessica Binsch/dpa

Da hängt es das Radl. Am Kreuz, am Sattelberg bei Stamsried entstand davon ein Bild und fand seinen Weg ins Internet. Ein Nutzer der Grantlgruppe "Wos mir an Cham stinkt", entdeckte dieses Bild und macht es nun publik.

Eine Respektlosigkeit gegenüber dem Glauben sei dies, gar eine Aktion, die an Gotteslästerung grenze, schimpft der Unbekannte. Ihm stinkt auch, dass hier die Arbeit der Menschen, die das Kreuz aufgestellt haben, nicht gewürdigt würde.

Alle Kommentare unter dem Beitrag mahnen zur Gelassenheit. "Ruhig, dem Kreuz ist nix passiert", schreibt einer. "Ich finde das Bild gut. Es hat weder was mit Gotteslästerung noch mit Respektlosigkeit zu tun", textet ein anderer. Ein weiterer sieht es so: Ich denke auch nicht, dass hier in irgendeiner Weise "Gotteslästerung" der Hintergedanke war. Eher der Stolz, den Berg bezwungen zu haben und zwar ohne E! (Anm. d. Redaktion: Elektromotor)".

Relativ entspannt ist Bernd Rosner, evangelischer Pfarrer in Furth im Wald. Er sieht in diesem Fall einen misslungenen und provokativen Ausdruck der Freude. Eine Gotteslästerung ist es für ihn Rosner nicht, zumal am Kreuz kein Christuskorpus hängt. Das reflexartige Fluchen manches Zeitgenossen oder die Vergötterung manch weltlicher Güter ist in seinem Empfinden da der Gotteslästerung näher.

Und auch wenn ein Kommentator unter den Beitrag schreibt, "Gotteslästerung? Im Jahr 2021? Willkommen im Mittelalter", sei angemerkt, dass sich das Strafgesetzbuch durchaus noch damit beschäftigt.

So steht in Paragraf 166, Absatz 1: "Wer öffentlich oder durch Verbreiten eines Inhalts den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft." Im folgenden Paragrafen heißt es im Absatz 2: Wer an einem Ort, der dem Gottesdienst einer solchen Religionsgesellschaft gewidmet sei, beschimpfenden Unfug verübe, werde mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Dass allerdings in den vergangenen 20 Jahren am Amtsgericht Cham ein Fall von Gotteslästerung verhandelt worden wäre, ist dort nicht bekannt.

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