Datenschutz Was Messenger und Soziale Netzwerke mit unseren Daten treiben

Ein Meer aus Einsen und Nullen. Für Unternehmen wie Facebook und Google sind sie ein wahrer Geldsegen. Foto: Ole Spata/dpa

Nutzerdaten sind die wichtigste Währung im Netz. Umso wichtiger ist, zu wissen, was die Netzwerke und Messenger, denen man sie anvertraut, damit machen. Unsere Übersicht.

Facebook (mit Messenger)

Status: Größtes Soziales Netzwerk, beliebteste Plattform der Babyboomer und Generation X

Inhaber: Facebook

Nutzerdaten: Das Netzwerk sammelt und analysiert Daten, die es dann dazu nutzt, personalisierte Werbung auszuspielen und die Sichtbarkeit der Beiträge zu gestalten. Die Analysedaten teilt das Unternehmen mit Kunden, jedoch nicht die personenbezogenen Daten.

Prognose: Obwohl das Ende von Facebook gerne regelmäßig beschworen wird, das Netzwerk wird wohl noch relevant bleiben – vor allem, da dem Konzern dahinter auch WhatsApp und Instagram gehören.

 

WhatsApp

Status: Die Messenger-App, die so gut wie jeder nutzt

Inhaber: Facebook

Nutzerdaten: WhatsApp gehört Facebook, deshalb gelten in etwa die gleichen Nutzerbedingungen. Durch die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung hat WhatsApp aber keinen direkten Zugriff auf Chats, Bilder, Sprachnachrichten oder ähnliches. Profilbilder oder Standortdaten wertet das Unternehmen allerdings aus. Die Frage ist, wie WhatsApp und Facebook die Daten teilen. Offiziell tun sie das in Deutschland nicht. Analysten glauben aber, dass sich das bald ändert.

Prognose: Auch wenn durch die jüngsten Schlagzeilen viele auf Konkurrenzmessenger ausweichen, gilt für WhatsApp das gleiche wie für Facebook.

 

Instagram

Status: Das beliebteste Soziale Netzwerk der Millennials

Inhaber: Facebook

Nutzerdaten: Da Instagram Facebook gehört, gelten hier ähnliche Regeln. Ganz wie bei WhatsApp gibt es auch bei Instagram immer wieder Fragen, ob Facebook die Daten der Anwendungen miteinander verknüpft.

Prognose: Trotz Kritik: Instagram bleibt – zumindest so lange, bis ein anderes Netzwerk ihm den Rang abläuft.

 

Signal

Status: Die aktuell beliebteste Messenger-Alternative zu WhatsApp.

Inhaber: Signal Messenger LLC

Nutzerdaten: Besser geht es kaum: Chats sind von Haus aus verschlüsselt, persönliche Daten werden nicht gesammelt oder weiterverkauft. Muss Signal auch nicht, denn die App wird von einer Stiftung verwaltet, die nicht darauf aus ist, Profit zu machen. Zudem ist der Quellcode der App offen, jeder kann ihn einsehen.

Prognose: WhatsApp und Facebook sind zu populär, damit Signal wirklich groß herauskommt. Nutzer, denen die Sicherheit ihrer Daten wichtig ist, gibt es aber genug – und die finden in Signal ihre Alternative.

 

Telegram

Status: Bis vor Kurzem eine beliebte Alternative zu WhatsApp, jetzt Anlaufstelle für Verschwörer.

Inhaber: Telegram Messenger LLP

Nutzerdaten:Datenschutztechnisch ist Telegram eine echte Katastrophe. Alle Chats und Inhalte werden zentral auf den Servern des Unternehmens gespeichert und können dort abgerufen werden. Was Telegram damit macht, ist unklar. „Geheime“ Chats gibt es zwar, diese müssen aber extra angewählt werden. Für Gruppen kann man sie nicht anschalten.

Prognose: Noch vor ein paar Jahren war Telegram die beste Alternative zu WhatsApp. Seit jedoch Verschwörungstheoretiker und Extremisten den Messenger für sich entdeckt haben, hat die Beliebtheit stark nachgelassen. Das wird so bleiben, sollte das Unternehmen sich nicht klar positionieren.

Fragen und Antworten


Wie erfahre ich, welche Daten von mir gesammelt werden?
Laut Datenschutzgrundverordnung hat jeder Bürger das Recht darauf, zu erfahren, welche persönlichen Daten ein Unternehmen gespeichert
hat und wie sie verwendet werden. Wie diese Informationen angefordert werden können, ist allerdings von Dienst zu Dienst unterschiedlich.


Kann ich mich gegen die Sammlerei wehren?
Theoretisch ja, denn das Sammeln von Daten ist nur mit expliziter Einwilligung des Nutzers möglich. Deshalb lassen sich Anbieter diese
Einwilligung meist schon geben, wenn man die Nutzungsbestimmungen akzeptiert, die bei der Registrierung bei einem Netzwerk angezeigt
werden. Ohne diese Zustimmung kann man das Netzwerk nicht benutzen.


Heißt das, dass jetzt jeder Zugriff auf meine Daten hat?
Wenn es um die Zugriffsmöglichkeiten anderer Nutzer geht, erlauben die meisten Netzwerke sehr weitreichende Einstellungsmöglichkeiten.
Bei Facebook zum Beispiel ist es möglich, genau zu bestimmen, wer Posts sehen darf und wer nicht.
Die große Ausnahme ist hier natürlich immer der Anbieter.


Was nutzen den Unternehmen meine Daten?
Durch die Auswertung erkennt das Unternehmen, welche Inhalte gut laufen und welche Interessen die Nutzer haben. Das nützt,
um Werbung zu personalisieren oder Inhalte besser platzieren zu können. Dabei ist es meist nicht wichtig, was ein bestimmter Nutzer
bevorzugt – erst durch die schiere Masse an Nutzern werden Daten interessant.   


TikTok

Status: Das beliebteste Soziale Netzwerk der Generation Z

Inhaber: ByteDance

Nutzerdaten: Auch bei TikTok sammelt das Unternehmen Nutzerdaten, um diese weiterzuverwerten. Außerdem behält sich TikTok vor, das auf die Plattform geladene Material zu Werbezwecken nutzen zu dürfen. Ein Streitpunkt, den mehrere Regierungen ins Visier nehmen, ist der Schutz von Kindern. Da viele Nutzer junge Teenager sind, soll das Unternehmen dazu gebracht werden, diese besonders zu schützen.

Prognose: TikTok ist das Netzwerk der Stunde. Allerdings versucht nicht nur die Europäische Union, das Netzwerk zu regulieren. Ob sich Gesetzgeber und TikTok hier einigen, dürfte den weiteren Erfolg des Netzwerks stark beeinflussen.


Snapchat

Status: Vorreiter für viele Funktionen, die jetzt von Instagram und TikTok gewinnbringender genutzt werden.

Inhaber: Snap

Nutzerdaten: Neben der üblichen Verwendung von Nutzerdaten für Werbung beschäftigt Datenschützer immer wieder die Frage, was mit den Videos passiert, die auf den Snapchat-Servern gespeichert sind. Diese werden nämlich wohl nicht automatisch gelöscht, sondern erst einmal behalten und archiviert.

Prognose: Ob Snapchat je wieder so populär wird wie in seiner Anfangszeit, darf bezweifelt werden. Ganz verschwinden wird das Netzwerk aber nicht.

 

Twitter

Status: Nachrichtendienst, beliebt bei Politikern und Medienleuten

Inhaber: Twitter

Nutzerdaten: Mit der Registrierung gibt der Nutzer Twitter die Erlaubnis, personenbezogene Daten zu speichern und zu verarbeiten. Diese verwendet das Unternehmen für personalisierte Werbung. Tweets sind nach deutschem Recht „veröffentlichte Meinungen“, können also von jedem kopiert und weiterverbreitet werden – ohne dass es die Privatsphäre des Urhebers angreift. Aktuell arbeitet Twitter an einer neuen Nutzerdatenverordnung, die Nutzern mehr Rechte
geben soll.

Prognose: Donald Trump hat zu einem Wachstumsschub verholfen. Die Frage ist, ob der bleibt – jetzt, wo das Netzwerk ihn gesperrt hat.

 

YouTube

Status: Halb Soziales Netzwerk, halb Videoplattform führt an YouTube kein Weg vorbei, wenn man es mit dem Videomachen ernst nimmt.

Inhaber: Google

Nutzerdaten: Um YouTube zu benutzen, benötigt man ein Konto bei Google. Damit erlaubt man dem Konzern, die anfallenden Daten zu speichern und weiterzuverarbeiten.

Prognose: Wenn YouTube etwas in absehbarer Zeit den Garaus macht, dann ist es weniger der Datenschutz, sondern die Urheberrechtsgesetzesänderung, die dieses Jahr kommen soll. Aber auch das ist eher unwahrscheinlich.
 

 

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