"Das tut natürlich schon weh!" Passauer Kinos schwer von Corona-Krise getroffen

Die Kinos in Passau stemmen sich gegen die Corona-Krise. Foto: Corinna Kindler/NIEDERBAYERN TV

Ob Konzertveranstalter, Kunstschaffende oder Filmemacher, die Kulturbranche hat sehr unter den notwendigen Coronamaßnahmen zu leiden. Selbst dort, wo Kulturstätten noch offen bleiben dürfen, fehlen Umsätze. 

"Kultur unterscheidet uns Menschen vom Tier", sagt Juli Vesper im Interview. Sie betreibt mit ihrem Mann zusammen die vier Passauer Kinos ProLi, Cineplex, Metropolis und das Scharfrichterkino. Als Mutter von zwei Kindern ist sie auf die Zuschauer angewiesen. Doch seitdem die Regelungen in der Dreiflüssestadt auf 2G Plus gesetzt wurden, bleiben diese aus: "Wir haben 90 Prozent Umsatzrückgang."

Maskenpflicht, eine maximale Belegung der Säle von 25 Prozent und 1,5 Meter Mindestabstand sind schwierig zu bewerkstelligen. "Um die 25 Prozent bei den Abstandsvorgaben zu erreichen, müssten wir auch die erste Reihe und Randplätze belegen", gibt sie zu bedenken. Dort wolle aber kaum jemand sitzen. Früher habe man an einem guten Tag 2.000 Zuschauer begrüßen dürfen, in den letzten Tagen seien es rund 60 gewesen. Bei den Betriebskosten eines Kinos sei das auf Dauer unmöglich zu halten.

"Das tut natürlich schon weh!"

Nahezu zwei Jahre Corona haben in vielen Unternehmen Spuren hinterlassen. Einstige Rücklagen sind verbraucht. "Es gab Hilfen", erzählt Juli Vesper. "Gerade die Investitionshilfen waren sinnvoll." So haben die Betreiber in drei der vier Kinos moderne Lüftungsanlagen installieren lassen. Einzig im Scharfrichterkino gibt es diese nicht, daher bleibt es auch derzeit geschlossen. Auch das Metropolis wird vorübergehend seine Pforten schließen, da es derzeit nicht wirtschaftlich betrieben werden kann. 

Den Angestellten geht es ähnlich. "Wir haben MItarbeiter, die seit 30 Jahren im Kino arbeiten. Die sind schon so lange bei uns, die haben meinen Mann schon als Babysitter betreut", erzählt Juli Vesper. "Wir hatten außer Heiligabend jeden Tag im Jahr geöffnet. Und nun sitzen diese Menschen zu Hause." Sie macht eine kleine Pause. "Wir haben so tolle Leute hier. Doch das Kurzarbeitergeld reicht nicht zum Leben. Wir haben schon Mitarbeiter deswegen verloren." Eine weitere Pause. "Das tut natürlich schon weh!"

Schwer vermittelbare Unterschiede

Manche Maßnahmen sind für die Kinobetreiberin schwer zu verstehen. Ein Beispiel: "Das ProLi ist ja ein Mischbetrieb", erzählt Vesper. "Im Gastrobereich dürfen die Menschen mit 2G sitzen, feiern, sich unterhalten. Ohne Abstand. Aber durch die Tür ins Kino dürfen sie dann nur im 2G Plus Modus gehen."

Beim Feiern schätze sie jedoch die Infektionsgefahr insgesamt höher ein als in einem Kino, wo man ruhig sitzt und sich etwas ansieht. Eine Diskrepanz, die man nur schwer verstehen und vermitteln könne. Vor allem, da in den derzeit geöffneten Kinos der Familie moderne Lüftungsanlagen und Virenfilter zum Einsatz kommen. Eine Hygieneleistung, die in vielen Gastronomien der Dreiflüssestadt nicht vorhanden ist. Aber Kulturstätten sind nun einmal geschlossen, Gastronomiebetriebe nicht. 

"Ich würde mir wünschen, dass Hygienekonzepte einzeln geprüft werden. Dann könnte man klar sehen, dass die Ansteckungsgefahr in unseren Kinos nur minimal ist", so Juli Vesper. "Wir brauchen jedenfalls wieder schnelle und unbürokratische Hilfen, um zu überleben." 

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