Das sagen Schulleiter aus der Region Jogginghosen-Verbot an der Schule "völlig unnütz"

Immer wieder verhängen Schulleitungen in Deutschland ein Jogginghosen-Verbot für Schüler. In Niederbayern und der Oberpfalz dagegen scheint man das deutlich entspannter zu sehen. (Symbolbild) Foto: Jan-Philipp Strobel/dpa

Alvira Ramazanova hat genug gesehen. Sie ist Rektorin am privaten Oskar-Kämmer-Gymnasium in Hannover und sagt Schülern in Jogginghosen den Kampf an. Nicht die erste Schule in Deutschland, die gegen den Schlabber-Look vorgeht. Auch in Nordrhein-Westfalen gibt es ähnliche Fälle. Doch wie verhält es sich in Ostbayern?

In einer E-Mail informierte Ramazanova die Eltern über die neue Regelung. Demnach seien Jogginghosen oder auch Leggings „keine angemessene Kleidung für den Unterricht“. Bei Verstößen müssten die Kinder und Jugendlichen künftig mit Strafen rechnen. Zwar wohl keine Verweise, aber dafür die Reinigung des Pausenhofs oder ähnliche Maßnahmen. Die Regelung ist nicht unumstritten. Oliver Wolfskehl, Leiter der Sekundarstufe 2 an der Integrierten Gesamtschule Linden in Niedersachsen spricht gar von einem „Eingriff in die freiheitliche Selbstbestimmung der Schüler“. Es würden „pädagogisch falsche Signale“ gesetzt.

Doch Schule ist natürlich nicht gleich Schule, wie Hans-Peter Meidinger erklärt. Er ist Direktor am Robert-Koch-Gymnasium in Deggendorf. „An einem privaten Gymnasium besteht ein Schulvertrag mit den Eltern. Dadurch hat man natürlich seitens der Schulleitung viel mehr Möglichkeiten für solche Vorschriften“, erklärt Meidinger. Er selbst habe zu dem Thema eine „eher liberale Haltung“, verweist aber auf eine gewisse Grundordentlichkeit. Übrigens nicht nur bei Schülern. Denn was für Schüler gilt, sollte man auch bei Lehrern voraussetzen können. Meidinger: „Es gibt schon eine Kleiderordnung bei uns. Die Kleidung sollte halt nicht zu freizügig oder auch unhygienisch sein. In solchen Fällen würden wir eingreifen.“ Derlei Fälle könne er aber in seinen 17 Jahren als Direktor an einer Hand abzählen. Er schätze die Kleidungsvielfalt in den Klassenzimmern.

"Klingt, als hätten wir keine größeren Probleme"

Mehr Probleme würden laut Meidinger bestimmte Aufschriften auf T-Shirts bereiten. „Wenn da irgendwelche politischen oder auch pornografischen Botschaften drauf sind, müssen wir natürlich eingreifen“, sagt der Schulleiter. Das bedeutet im Klartext, dass der jeweilige Schüler dann erstmal zum Umziehen nach Hause geschickt wird. Von einer streng einheitlichen Schulkleidung hält der Direktor dagegen nichts. Meidinger: „Das Thema Schuluniform bereitet mir Bauchschmerzen.“ Der Deggendorfer Schulleiter kann sich noch gut an seine Schulzeit erinnern. Damals wurde noch penibel auf gewisse Kleidungsformen geachtet. „Das war in den 70er Jahren. Zu dieser Zeit waren Hosen noch bei Mädchen verboten und sie mussten einen Rock drüberziehen“, berichtet Meidinger. Er begrüßt es, dass man von derlei strengen Verordnungen längst weggekommen ist.

Ähnlich sieht das Johann Pongratz, Rektor der Johann-Brunner-Mittelschule in Cham: „Ein Jogginghosen-Verbot klingt, als hätten wir an den Schulen keine größeren Probleme. Ich finde das eine unnütze Sache.“ Handys und auf dem Schulgelände Rauchen, das seien nach wie vor die Hauptprobleme. Pongratz: „Bei einem Jogginghosen-Problem würden die Eltern unserer Schüler nur ungläubig mit dem Kopf schütteln – zurecht.“ Seiner Meinung nach falle dieser Kleidungsstil absolut nicht negativ auf. Im Gegenteil. „Die Jogginghosen von heute sind doch bei Jungs zum Teil sehr modisch“, so Pongratz. Einen extra Themen-Tag äquivalent zum Trachten-Tag an der Johannes-Brunner-Mittelschule würde er dafür aber nicht einführen. Das ginge dann doch zu weit. 

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