"Das brennt sich ins Herz" Frankfurts magische Nacht im Camp Nou

Frankfurts Cheftrainer Oliver Glasner (M.) rutscht nach dem sensationellen Sieg beim FC Barcelona durch das Spalier seiner Eintracht-Spieler. Foto: Arne Dedert/dpa

Kurz vor Mitternacht erreichte die wilde Halbfinal-Party der Frankfurter Europacup-Helden ihren Höhepunkt. Inmitten des altehrwürdigen Camp Nou hisste Matchwinner Filip Kostic voller Stolz sein Trikot, rund 30.000 Eintracht-Anhänger feierten den Sensationssieg im "Jahrhundertspiel" gegen den großen FC Barcelona, als hätten sie bereits die Europa League gewonnen - und "Diver" Oliver Glasner rutschte auf dem Bauch euphorisiert durch das Spalier seiner Spieler über den Rasen.

"Die Hose ist jetzt kaputt, aber egal", sagte der sonst so besonnene Glasner inmitten des Frankfurter Freudentaumels. Dieses 3:2 (2:0) gegen den Weltklub aus Spanien in einer magischen Fußballnacht, "das brennt sich ins Herz, das hält ein Leben lang", betonte der Trainer von Eintracht Frankfurt. "Diesen Abend, diese Gefühle, diese Stimmung werde ich sicherlich mitnehmen, bis ich irgendwann mal eine Etage höher bin."

"Ich dachte, ich bin in Frankfurt"

Es waren Aussagen, mit denen der Eintracht-Coach etlichen Frankfurtern aus dem Herzen sprach. Jenen, denen all das vollkommen surreal vorkam. "Es gibt nicht so viele Worte, die beschreiben würden, was man fühlt", betonte Nationaltorhüter Kevin Trapp. Es sei ein Abend "voller Stolz und purer Freude", die Mannschaft habe den "Plan in Perfektion umgesetzt". Und die Fans? "Ich bin raus zum Warmmachen und dachte, ich bin in Frankfurt."

Was folgte, war eine Lehrstunde für den fünfmaligen Champions-League-Sieger - auf den Rängen und auf dem Rasen. Die enorme Wucht aus dem Zusammenspiel von Mannschaft und Fans erwischte Barcelona knallhart.

Barcelona sorgt nur für kurzes Zittern

Kostic per Doppelpack und Rafael Borre mit einem Traumtor krönten die herausragende Leistung. Daran änderte auch das kurze Zittern in der Nachspielzeit nichts, als Sergio Busquets und Memphis Depay verkürzten.

Zehntausende Eintracht-Anhänger in weißen Shirts hatten Barcelona über den ganzen Tag in einen Ausnahmezustand versetzt. Die sagenhafte Stimmung setzte sich im Camp Nou fort, ehe SGE-Präsident Peter Fischer höchstpersönlich die lange Nacht nach einem denkwürdigen Erfolg einläutete: "Heute feiern wir die größte Party, die diese Stadt jemals gesehen hat."

Frust bei Barca ist groß

Bei Barca dagegen entlud sich der Frust vor allem darüber, dass Tausende Eintracht-Fans auch außerhalb des Gästeblocks im katalanischen Fußball-Tempel Tickets erhalten hatten. Die Eintracht habe sich "wie zu Hause gefühlt", sagte Trainer Xavi. Auch Präsident Joan Laporta zeigte sich "besorgt, denn das, was passiert ist, war eine Schande, die sich nicht wiederholen darf".

Wie vor drei Jahren stehen die Hessen im Halbfinale, am 28. April geht es für die Eintracht zunächst zu West Ham United. Im Hinspiel fehlen werden die gesperrten Evan Ndicka und Kristijan Jakic. Und dennoch wollen die Frankfurter diesmal anders als 2019 auch den letzten Schritt bis zum Endspiel in Sevilla gehen.

In England wird die nächste "Adler-Invasion" erwartet

"Ich bin mir ganz sicher, dass sich die Flüge nach London gerade schlagartig verteuert haben", sagte SGE-Vorstand Axel Hellmann, der das "Europacup-Gen" der Hessen hervorhob. Nun gebe es viele Wege auf die Insel, "ich erwarte da eine Adler-Invasion - und dann geht es stramm darum, ins Finale einzuziehen".

Und als Glasner noch vom "emotionalen Lohn" schwärmte, "den du mit keinem Geld der Welt kaufen kannst", da blickte Sebastian Rode bereits voraus. Auf einen möglichen Titelgewinn? "Träumen darf man."

 
 
 

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