Darts-Wunderkind Für David Nachreiner ist die Erde eine Scheibe

Wie an der Schnur gezogen wirft David seine Darts ins Ziel. Foto: Felix Hüsch

Vor einem guten Jahr hat David Nachreiner mit dem Dartspielen begonnen - und schon heute gilt der Junge mit dem Kunstnamen „German Eagle“ als das größte deutsche Talent nach WM-Teilnehmer Max Hopp. Der Grund: David ist zehn Jahre alt.

Er dreht seinen rechten Fuß um 90 Grad nach links. Den Linken stellt er parallel daneben, wobei nur die Fußspitze den Boden berührt. So steht David Nachreiner vor der roten Linie, die der Laser des Dartautomaten im Dartclub Diamond 09 in Cham auf den Boden wirft. Er nimmt Maß, führt den Dartpfeil an die rechte Wange, beschleunigt aus dem Unterarm und lässt los. Der Pfeil findet das gewünschte Ziel und bleibt in dem acht Millimeter breiten, roten Feld, der Triple 20, stecken. Die anderen beiden Würfe verfehlen das Feld nur knapp. Aber immerhin: 85 Punkte mit drei Würfen sind nicht schlecht. Hundertprozentig zufrieden sieht der U14-Europameister im E-Dart von 2016 aber nicht aus. Er steigt auf die Bierkiste, die ihm als Tritthilfe dient, holt die Pfeile aus dem Board, geht zurück an die Markierung und wirft weiter – immer und immer wieder.

Der Zehnjährige aus Waffenbrunn will so oft wie möglich die maximale Punktzahl von 180 schaffen. „Sieben 180er an einem Tag sind zurzeit mein Rekord“, erzählt David, der den Dartsport 2015 für sich entdeckt hat und gerade wieder viele Stunden der Darts WM in London vor dem Bildschirm verfolgt hat. In seinem Alter schon so zielsicher zu sein, das hat nicht nur mit Talent zu tun. Vier- bis fünfmal die Woche trainiert David im Dartclub, meist unter den Augen von Vater Markus und Vorstand Michael Lankes. In den Ferien findet man ihn sogar täglich an den Boards im Chamer Parkhotel.

Schlechte Noten bedeuten Dartverbot

2016 standen 38 Turniere auf dem Programm. Da kann der Alltag ganz schön stressig werden und die Schule darunter leiden – könnte man meinen. David aber schreibt an der Maristen Realschule in Cham ausnahmslos gute Noten. „Wenn es in der Schule nicht läuft, dann gibt es auch kein Darts. Bisher musste ich aber deshalb noch nie auf mein Hobby verzichten.“

Nur mit dem richtigen Trainingspensum kann David Erfolge feiern. „Der Titel bei der Europameisterschaft in Slowenien war bisher mein Highlight. Im August werde ich versuchen, ihn zu verteidigen“, sagt er. Zuletzt hat er sein Können auch in Straubing unter Beweis gestellt. Dort gab es unter anderem ein offenes Einzel, in dem alle 34 Teilnehmer sämtlicher Altersklassen mitspielten. David belegte einen überraschenden dritten Platz und besiegte dabei auch gestandene, erwachsene Bundesliga-Profis.

Kleiner Mann mit Kiste

Gegen deutlich ältere und größere Gegner zu spielen, ist für David vollkommen normal. Da er nur 1,44 Meter misst, seine Darts im Idealfall aber auf einer Höhe von etwa 1,80 im Board stecken bleiben, braucht er immer eine Bierkiste als Tritthilfe. Die wird ihm inzwischen bei den einzelnen Turnieren extra zur Verfügung gestellt. „Die anderen lachen immer, wenn ich mit meiner Kiste ankomme“, erzählt David. Am Ende aber zählt, wer zuletzt lacht – und das ist immer öfter der mit der Kiste.

Auch wenn sich Name und Talent langsam herumsprechen, kennt David noch nicht jeder in der Dartszene. „Einmal habe ich mich vor einem Turnier eingeworfen, als ein älterer Junge kam und sagte, dass ich weggehen soll, weil er jetzt spielen muss. Mein Vater hat das mitbekommen und ihm gesagt, dass ich sein nächster Gegner bin. Ich habe ihn dann 2:0 besiegt und nachher wollten er und seine ganze Familie ein Foto mit mir machen.“

 

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