Dafür musste ein Rehkitz sterben Wenn Müll im Wald zur Todesfalle wird

Ein Bild, dass einen nachdenklich stimmen sollte. Es zeigt den Vorderlauf eines Rehkitzes. Um das Bein herum eine rostige alte Dose, die jemand sorglos auf den Waldboden geworfen hatte. Für das Jungtier besiegelte dieses kleine Stück Blech das Todesurteil. Foto: Kevin Raupach

Angesichts ganzer Inseln aus Müllbergen, die durch die Ozeane dieser Welt treiben, entsteht bei einigen Menschen eine gewisse Ohnmacht. Was kann der Einzelne da schon tun? Ganz einfach: Jeder kann seinen Beitrag für eine bessere Umwelt leisten. Und zwar fernab jeglicher „Fridays for future“-Demonstrationen. Denn Umweltschutz fängt im Kleinen an. Jeden Tag, an jedem Ort. Was bereits eine einzige am Waldboden weggeworfene Dose anrichten kann, zeigt dieser Fall aus dem Taunus in Hessen.

Dort drehte der 25-jährige Kevin Raupach am vergangenen Sonntagmorgen mit seinem Hund eine Runde. Nicht einfach zum Zeitvertreib. Raupach ist hauptberuflich Soldat und nebenbei als Jäger tätig. Seit 2017 macht er das nun schon. Doch was er am Sonntag gegen 6.15 Uhr im Wald sah, machte den jungen Mann fassungslos und traurig zugleich. „Wir waren gerade auf dem Rückweg zur Jagdhütte, als ich in der Ferne ein humpelndes Rehkitz sah“, berichtet Raupach gegenüber idowa. Als er das Jungtier mit dem Fernglas beobachtete, erkannte er sofort den Grund. „Es hatte eine Verklumpung am Vorderlauf. Mein erster Gedanke war, dass das vielleicht beim Mähen passiert ist“, erinnert sich der 25-Jährige.

Doch weit gefehlt. Die unsäglichen Schmerzen des Tieres wurden nicht etwa durch einen Mähdrescher, sondern durch eine alte rostige Getränkedose verursacht. Vor langer Zeit sorglos im Wald weggeworfen, besiegelte das Stück Blech das Todesurteil für ein noch so junges Tier. Raupachs Einschätzung: „Das Kitz muss im Alter von ein paar Wochen in die Dose hineingetreten sein, sonst hätte der Fuß da nicht durchgepasst.“ Der Anfang des Siechtums für das Rehkitz. Es wuchs weiter und je mehr es wuchs, desto mehr wurde der Vorderlauf von der Blechdose eingeschnitten.

„Es muss relativ lange damit rumgelaufen sein“, vermutet Kevin Raupach. Kaum vorstellbar, welche Schmerzen das Tier bei jeder Bewegung gehabt haben muss. Und da es bereits sehr geschwächt war und von einem Muttertier auch nach einer ganzen Weile weit und breit nichts zu sehen war, blieb Raupach keine andere Wahl. Schweren Herzens musste er das Rehkitz durch einen Schuss von seinem Leid erlösen. Dass diese Entscheidung tatsächlich alternativlos war, unterstreicht der Jäger noch einmal: „Der Vorderlauf des Kitzes war bereits von Maden angefressen. Rehwild hat von Natur aus einen großen Fluchtinstinkt. Mit diesem Bein wäre das Tier schlichtweg nicht mehr überlebensfähig gewesen.“

Nach diesem Vorfall trifft der 25-Jährige einen Entschluss. Er möchte es nicht einfach kommentarlos dabei belassen. Nein, er möchte wachrütteln. Deshalb postet er die Bilder des Rehkitzes auf Facebook und schickt das Jungtier nach dessen Tod auf eine letzte Reise um die Welt. Raupach: „Ich war halt echt schockiert. Ich wollte den Menschen da draußen zeigen, dass es eben nicht nur Jahre dauert, bis ihr Müll in der Natur verrottet, sondern dass es unter Umständen auch den Tod eines Tieres bedeuten kann.“

Und offenbar tat Raupach gut daran. Innerhalb weniger Tage wird sein Facebook-Beitrag knapp 4.000 Mal geteilt. Tendenz weiter steigend. „Ich bin über Facebook echt positiv überrascht“, sagt der 25-Jährige. Doch auch er weiß freilich, dass allein die Worte der Menschen in einem sozialen Netzwerk die Welt nicht verändern – es sind die alltäglichen Taten. Und die können schon damit beginnen, eine Dose dort zu entsorgen, wo sie hingehört: im Abfalleimer.

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