Dänemark Sturmerprobte Dörfer und ein Elfenschloss

Das beschauliche Svendborg ist Fyns zweitgrößte Stadt und Yachthafen sowie Fährhafen zu kleinen südlichen Inseln. Foto: Manfred Lädtke
Das beschauliche Svendborg ist Fyns zweitgrößte Stadt und Yachthafen sowie Fährhafen zu kleinen südlichen Inseln. Foto: Manfred Lädtke

Mit einer Fläche von fast 3.500 Quadratkilometern sei die "Märcheninsel" Fyn (Fünen) die drittgrößte Insel Dänemarks, erzählt Tourismuschefin Sandra und schiebt vor dem beschaulich am Svendborgfjord gelegenen Seehotel die Fahrräder in Position.

Als der bange Blick auf die am Fitnesslevel gemessen gar nicht so "märchenhaft" verlaufende Route durch eine zuweilen recht hügelige Landschaft fällt, beruhigt Sandra: "Ikke noget problem." Das sei kein Problem. Mal sehen.

Eingezwängt zwischen Seeland und Jützland in der dänischen "Südsee" liegt ein Fleckchen Erde im Wasser, das sein Adjektiv "märchenhaft" nicht allein seinem Dichter Hans Christian Andersen verdankt. Fyn ist eine Insel, die sich Besuchern wie ein Bilderbuch aus alten Zeiten öffnet: Meterhohe Fliederhecken recken sich vor schmucken Schlössern und reetgedeckten Bauernhäusern in den blauen Himmel. Rapsfelder, wogendes Korn, üppige Gärten und saftige Weiden wechseln sich am Rande sturmerprobter Dörfer mit schattigen Buchenwäldern ab. Dazwischen blitzen immer wieder das silberne Meer und kleine blaue Seen.

Vorbei an Badehütten, Weingütern und Schafen

Zumindest wenig geübten Radlern zwicken selbst ohne Gegenwind nach sieben Kilometern "auf und ab" die Oberschenkel. Da hilft auch keine Zwölf-Gang-Schaltung, und das putzige Weingut an der Landstraße in Skaarup kommt gerade richtig. Durchpusten, und im Garten geräuchertes Wildfleisch, Brot, Hühnerpastete und einen kühlen Wein genießen. Aber nicht zu viel - schließlich ist man mit dem Rad unterwegs und auch die dänische Polizei soll einen guten Riecher haben.

Für den kommenden Tag verspricht Sandra "plattes Land". Vom Hafen in Svendborg setzt die Fähre hinüber auf die 70 Minuten entfernte Insel Ærø (Ahorninsel). Das beliebte Ausflugsziel ist nur 30 Kilometer lang und nirgendwo breiter als acht Kilometer. Auf der Landzuge Eriks Hale zieht eine Kette grellbunter Badehütten vorbei. Waren Stadtplanern die einst "wild" gebauten Holzhäuschen lange ein Dorn im Auge, haben Touristiker zeitig erkannt, dass die von Abriss bedrohten Strandbuden als Symbol dänischer Freizeitkultur taugen.

Sandra hatte recht. Das Radeln auf dem leicht welligen Eiland Ærø ist ein genussvolles Dahinrollen durch eine stille, entrückte Welt an der Ostsee. Seeschwalben und Kormorane kreisen im warmen Westwind über glasklaren Gewässern und hinter Schilf versteckten feinsandigen Ministränden. Reiseführer Allan strampelt wieder an die Spitze der Gruppe und winkt "geradeaus weiter" - radelt aber auch schon bald allein auf weiter Flur. Am See hat sich die Gruppe zu einem Bauernpärchen gesellt, das soeben heftig protestierende Schafe in einen Kahn hievt und ans andere Ufer transportiert. Ein Stück weiter im Schatten eines Baumes bereiten Fischer auf einem Holztisch ihren Fang für den Verkauf vor. Der Radguide mahnt zum Aufbruch und deutet auf ein Ortsschild: Ærøskøbing. Diesem märchenhaften ehemaligen Seefahrerdörfchen, das einer gepflegten Puppenstube gleicht, könne auf der Insel kein anderes Dorf das Wasser reichen. Pastellfarbene gedruckte Fachwerkhäuschen aus dem 17./18. Jahrhundert erzählen Geschichten vom Meer. Hinter den oft windschiefen Fassaden und Fenstern aus mundgeblasenem Glas würde man eher die sieben Zwerge als den Klabautermann vermuten. Letztendlich sitzen auf den Fensterbrettchen aber nur Porzellanhündchen. Blickte ein Hundepärchen auf die kopfsteingepflasterte Gasse, signalisierte die Bewohnerin früher "Mann auf See - die Luft ist rein". Zeigten die Hunde ihr Hinterteil lautete die Botschaft "Mann ist im Haus - tauch' unter." Seemannsgarn, Märchen, Legende? Allan grinst süffisant und lässt die Radler in einem schattigen Innenhof an schweren Tischen mit Köstlichkeiten wie Fenchelsalami, Lammfilet und kühlem mit Liebe gezapften Bier Platz nehmen. Auf dem nahem Meer kündigt sich mit einem schrillen Sirenenschrei die Fähre zurück nach Svendborg an.

 

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