Coronavirus Karliczek setzt auf Impfstoff-Produktion in großem Stil

"Es wird darauf ankommen, den Impfstoff nun möglichst rasch und in großen Mengen zu produzieren", sagt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek. Foto: Michael Kappeler/dpa/dpa

Darauf wartet die ganze Welt: Ein Corona-Impfstoff könnte kurz vor der Zulassung stehen. Doch Experten dämpfen die Hoffnungen. Eine schnelle Rückkehr ins alte Leben wird es wohl nicht geben.

Nach den vielversprechenden Ergebnissen des Mainzer Unternehmens Biontech bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs setzt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) auf eine Herstellung in großem Stil. "Es wird darauf ankommen, den Impfstoff nun möglichst rasch und in großen Mengen zu produzieren", sagte Karliczek der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Die Nachricht von Biontech und Pfizer sei ein Grund zum Optimismus.

Die Unternehmen hatten am Montag bekannt gegeben, dass ihr Impfstoff einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor Covid-19 biete. Jedoch sind die Studien dazu noch nicht abgeschlossen. Einen Antrag auf Zulassung in den USA kündigten die Unternehmen frühestens für kommende Woche an. Auch in Europa soll eine Zulassung angestrebt werden.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) dringt darauf, dass die EU nun in den nächsten Tagen einen Liefervertrag mit Biontech und Pfizer abschließt. Es gebe bisher einen Vorvertrag, aber keinen Abschluss, kritisierte Spahn am Montagabend im ZDF. Jetzt müsse man zu einem Ergebnis kommen. "Ich könnte es als deutscher Gesundheitsminister jedenfalls schwer erklären, wenn in anderen Regionen der Welt ein in Deutschland produzierter Impfstoff schneller verimpft würde als in Deutschland selbst."

Die EU-Kommission verhandelt bereits seit einiger Zeit mit Biontech/Pfizer über einen Rahmenvertrag zur Lieferung des Impfstoffs an alle EU-Staaten. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schrieb am Montagnachmittag auf Twitter, man werde bald einen Vertrag über bis zu 300 Millionen Impfdosen abschließen.

Lange Übergangsphase

Die Schweizer Virologin Isabella Eckerle sagte am Montagabend in der ARD-Sendung "hart aber fair": "Der Impfstoff wird uns helfen, aus der Pandemie rauszukommen." Es werde aber eine lange Übergangsphase geben, in der die Corona-Schutzmaßnahmen beibehalten werden müssten. "Man darf sich das nicht so vorstellen, dass der Impfstoff kommt und ab morgen können wir wieder in unser altes Leben zurück", sagte Eckerle, die Leiterin des Zentrums für neu auftretende Viruserkrankungen an der Universität Genf ist.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte in der Sendung, man wisse heute noch nicht, ob die, die geimpft seien, sich weiter mit dem Coronavirus infizieren und auch für andere Menschen ansteckend sein könnten. Bis ganz Deutschland bis zu einer "Herdenimmunität" durchgeimpft ist, vergeht nach Lauterbachs Einschätzung mindestens ein Jahr. Erst danach könne man darüber reden, auf Maske und Abstand zu verzichten. Die nächsten Monate würden sehr hart - 2021 werde im Wesentlichen noch ein Jahr der Einschränkungen sein.

Leif-Erik Sander, Leiter der Forschungsgruppe Infektionsimmunologie und Impfstoffforschung an der Berliner Charité, erinnerte daran, zu möglichen Nebenwirkungen des Impfstoffes lasse sich noch nicht all zu viel sagen. Zwar hätten sich nach Angaben der Unternehmen keine sicherheitsrelevanten Nebenwirkungen gezeigt. Sander verweist aber darauf, "dass der Beobachtungszeitraum für relevante Impfnebenwirkungen noch zu kurz ist".

Unklar sei auch, ob der Impfstoff in verschiedenen Gruppen - insbesondere Risikogruppen wie älteren Menschen - gleichermaßen effizient wirkt, sagte Sander. Ebenso fehlten Angaben dazu, wie sehr die Impfung vor schweren Verläufen von Covid-19 schütze. "Zudem muss sich zeigen, wie lange der Impfschutz anhält." Sollte sich die hohe Wirksamkeit von mehr als 90 Prozent bestätigen, "wäre dies eine unerwartet hohe Impfeffizienz", so Sander.

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