Coronavirus Geld zurück bei Reisen in Risikogebiete?

Die Reise war schon längst gebucht, aber das Ziel liegt jetzt in einem Gebiet, das vom Coronavirus betroffen ist. Welche Rücktritts- und Rückgaberechte haben Reisende in diesem Fall?

In Deutschland hält sich die Angst vor dem Coronavirus im Moment noch in Grenzen. Laut einer aktuellen Statista-Umfrage haben 58 Prozent der Befragten wenig Angst vor einer Ansteckung und nur bei drei Prozent ist die Angst sehr groß.

Die Deutschen lassen sich vom Virus auch mehrheitlich den Urlaub nicht verderben. Das Reiseunternehmen TUI bemerkt zum Beispiel,, dass Buchungen aktuell nur "leicht beim Thema Asien" zurückgehen, wie der Pressesprecher Bernd Hoffmann auf Nachfrage erläutert. Über TUI hätten allerdings aktuell auch nur wenige Menschen Italien- oder Chinaurlaube gebucht. Es sei im Moment noch zu früh, um etwas über grundsätzliche Änderungen bei den Buchungszahlen zu sagen, so Hoffmann.

Die Reiseanbieter FTI und vtours bemerken, dass mehr Kunden gezielt nach der aktuellen Lage an den Reisezielen fragen. "Eine erhöhte Stornierungsanfrage sehen wir aktuell nicht", sagt aber Birgit Reuter, Pressesprecherin bei vtours. An den Buchungen änderte sich bei beiden Reiseanbietern bisher nichts. Laut Reuter und Cristina Krenzer von vtours stehen die Unternehmen in Kontakt mit dem Auswärtigen Amt und ihren Partnern in den Zielgebieten. So könnten sie schnell auf Veränderungen reagieren.

Doch welche Regeln gelten, wenn jemand eine Reise in ein Risikogebiet stornieren will? Laut Angaben der Rechtsschutzversicherung ARAG kommt es dabei jeweils auf die konkret gebuchte Leistung an. 

Pauschalreisen

Pauschalreisen in die vom Corona-Virus betroffenen Regionen Italiens sind laut Angaben der Rechtschutzversicherung oftmals ohne Probleme kostenlos zu stornieren. Als Grund gelten dann "unvermeidbare außergewöhnliche Umstände”. Anders sieht es aus, wenn die Reise in eine andere Region Italiens gehen soll. Mit einer kostenlosen Stornierung wird es dann schwierig. Wer seinen Urlaub individuell gebucht hat, muss mit den jeweiligen Vertragspartnern wie Hotel oder Autovermieter einzeln verhandeln.

Zugreisen

Die Deutschen Bahn erstattet das Geld für Fahrkarten nur zurück, wenn der Zug in einer Stadt wegen des Virus nicht hält. Wenn er hält, gibt es laut Versicherung kein Recht darauf, die Fahrt kostenlos zu stornieren. Anders macht es die Österreichische Bundesbahn (ÖBB): Sie bot an, Personentickets von und nach Italien bis Mittwoch, 26. Februar, kostenfrei zu stornieren. Im Normalfall ist das bei der ÖBB nur vor dem ersten Geltungstag möglich und auch nur, wenn der Fahrgast kein PDF-Ticket ausgedruckt hat. Ähnlich kulant reagieren italienische Bahnunternehmen, wenn der Grund für die Stornierung das Coronavirus ist. Passagiere der Deutschen Bahn können sich zumindest bei Verspätungen den Fahrpreis teilweise zurückerstatten lassen. Ab einer Verspätung von mehr als einer Stunde zahlt die Deutsche Bahn 25 Prozent zurück, bei mehr als zwei Stunden sogar bei 50 Prozent. Verpasst ein Passagier wegen der Verspätung alle öffentlichen Verkehrsmittel zu seinem Reiseziel, trägt die Deutsche Bahn bis zu 50 Euro der Taxi- und bis 80 Euro der Übernachtungskosten.

Flugreisen

Auch bei Flugreisen hängt es vom Anbieter ab, ob Kunden ihre Tickets kostenfrei stornieren dürfen. Die Lufthansa bietet nach eigenen Angaben kostenfreie Umbuchungen bis einschließlich 2. März für Flüge nach Bologna, Mailand, Turin, Venedig und Verona an. Die Ausbreitung des Virus wirkt sich aber bisher noch nicht auf den Flugplan aus.

Eintrittskarten

Um zu verhindern, dass sich das Virus weiter ausbreitet, wurden in Italien zahlreiche Sportveranstaltungen abgesagt oder finden vor leeren Rängen statt. Ein Beispiel dafür ist das Spiel AC Mailand gegen Genua am kommenden Sonntag. Der AC erstattet das Geld für die Eintrittskarten zurück. Auch das Europa-League-Spiel des Inter Mailand gegen Ludogorez Rasgrad im Mailänder San-Siro-Stadion am 27. Februar findet ohne Publikum statt. Wer dafür Tickets gekauft hat, soll das Geld ebenfalls von den jeweiligen Anbietern erstattet bekommen. Aber auch bei Touristen beliebte Sehenswürdigkeiten wie der Mailänder Dom sind derzeit geschlossen. Ob bereits gekaufte Tickets erstattet werden, sollten Reisende mit der jeweiligen Vorverkaufsstelle klären. Unter Umständen gilt das Ticket auch später, wenn die Sehenswürdigkeit wieder geöffnet hat.

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