Coronavirus Bayern im Krisenmodus: Zuhause statt Café oder Biergarten

Der fast menschenleere Odeonsplatz mit der Feldherrnhalle und der Theatinerkirche in München. Foto: Peter Kneffel/dpa Foto: dpa

Blauer Himmel, T-Shirt-Wetter, Biergartenzeit - doch die Corona-Pandemie macht den Bayern einen Strich durch Tagesausflüge und Gartenpartys. Der Handel klagt über Millionenverluste. Aber die Politik kann den Unternehmern und Bürgern noch kein Exitdatum nennen.

Leergefegte Innenstädte, nur wenige Ausflügler auf Bergen und an Seen: Trotz Frühlingswetter und viel Sonne haben sich die Menschen in Bayern am Samstag in der Corona-Krise zunächst weitgehend an die Ausgangsbeschränkungen gehalten. Vom Süden des Landes, wo sich etwa an Schliersee, Spitzingsee oder Tegernsee sonst Tausende Ausflügler tummeln, berichteten dpa-Korrespondenten von leeren Parkplätzen und nur wenigen Spaziergängern.

Die Polizei war vielerorts mit Streifenwagen auf den Landstraßen unterwegs, um Verstöße gegen die Auflagen zu ahnden. Ein Polizeisprecher aus Schwaben sagte: "Der Bürger hier ist relativ einsichtig."

Das neue Coronavirus Sars-CoV-2 kann die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen. Der Verlauf kann unterschiedlich sein - von symptomlos oder mild bis hin zu sehr schwer, mitunter auch tödlich. In Bayern sind inzwischen 11.862 Menschen positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden. Das teilte das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen am Samstag (Stand 10 Uhr) mit. Demnach sind bislang 85 infizierte Patienten gestorben.

Um die Ausbreitung des neuen Coronavirus einzudämmen, gelten in ganz Bayern seit dem 21. März umfangreiche Ausgangsbeschränkungen. Das Verlassen der Wohnung ist - zunächst befristet bis einschließlich 3. April - nur noch aus triftigen Gründen erlaubt. Dazu zählen etwa der Weg zur Arbeit, notwendige Einkäufe, Arztbesuche, aber ausdrücklich auch "Sport und Bewegung an der frischen Luft" - das aber nur alleine oder mit den Menschen, mit denen man in einer Wohnung zusammenlebt.

Freizeit

Über den Kurznachrichtendienst Twitter erinnerte etwa die Polizei Mittelfranken, dass es derzeit nicht erlaubt sei, sich längere Zeit auf Parkbänken und Decken niederzulassen. In München achteten Beamte darauf, dass Spaziergänge in einem angemessenen Rahmen blieben. "Es ist sicher nicht Sinn und Zweck, unter dem Deckmantel eines Spaziergangs drei Stunden Wandern zu gehen", sagte ein Sprecher. Auch langes Sonnenbaden auf einer Wiese sei verboten.

Handel

Seit dem 18. März sind viele Geschäfte wegen der Corona-Krise geschlossen. Obwohl die Umsätze massiv eingebrochen sind, hat der Handelsverband Bayern für die Maßnahmen der Politik Verständnis. "Wir stehen als Einzelhandelsverband voll und ganz hinter den Entscheidungen", sagte Verbandspräsident Ernst Läuger dem "Münchner Merkur".

Er plädierte für einen Steuererlass, um der Wirtschaft unter die Arme zu greifen. Der Verband rechnet derzeit im bayerischen Einzelhandel - ohne die Lebensmittelgeschäfte - mit Umsatzeinbußen von 185 Millionen Euro pro Tag. Firmen beantragen derzeit in großer Zahl die von der Bundesregierung beschlossenen Milliarden-Hilfen. Über seine Landeshilfen habe der Freistaat bereits gut 115 Millionen Euro an kleine Unternehmer überwiesen, die diese nicht zurückzahlen müssen, berichtete die "Bild" unter Berufung auf eine Umfrage unter den Bundesländern.

Medizin 

Werdende Väter dürfen auch in der Corona-Krise bei der Geburt ihres Kindes im Krankenhaus dabei sein. Darauf hat erneut Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) hingewiesen. Zuvor hatten vereinzelt Kliniken wegen des Ansteckungsrisikos mit dem neuartigen Coronavirus Väter nicht mehr in die Kreißsäle gelassen. Ansonsten bleibt es dabei: Besuche in Krankenhäusern sind derzeit verboten.

Verkehr

Nach der Deutschen Bahn streichen jetzt auch mehrere Privatbahnen Verbindungen in Bayern. Züge würden deswegen von Montag an seltener fahren, teilte die Länderbahn mit. Außerdem würden Haltestellen entfallen. Die Bayerische Oberlandbahn (BOB) gab bekannt, dass Meridian- und BOB-Züge ab April vorerst nur noch im Stundentakt und in den Hauptverkehrszeiten fahren. Zugausfälle gebe es auch auf der Strecke der Bayerischen Regiobahn.

Weitere Artikel

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse: