Die Corona-Zahlen in Österreich klettern deutlich. Noch hat das keine Auswirkungen auf die Intensivstationen. Die Lage dort entscheidet darüber, ob Ungeimpfte einen Lockdown befürchten müssen.

Wien - Die Drohung mit einem Lockdown für Ungeimpfte soll in Österreich die Bereitschaft für eine schützende Injektion steigern.

Ab 600 von Covid-Patienten belegten Intensivbetten darf diese Gruppe nach dem neuen Stufenplan der Regierung nicht mehr ohne triftigen Grund auf die Straße. Ab 500 belegten Intensivbetten ist ihr der Besuch von Lokalen, von Kultur- und Sportveranstaltungen sowie die Nutzung von Hotels untersagt. Es gebe noch zu viele "Zögerer und Zauderer", sagte Kanzler Alexander Schallenberg mit Blick auf die Impf-Skeptiker.

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Die Genesenen sind den Geimpften bis zu sechs Monate nach der Erkrankung gleichgestellt. Die Schwelle von 600 wurde in der Pandemie nach Angaben der Zeitung "Kurier" bisher zweimal erreicht.

Mehr als 3600 Neuinfektionen in 24 Stunden

Unterdessen setzt sich der Trend zu deutlich steigenden Corona-Zahlen fort. Binnen 24 Stunden wurden 3624 Neuinfektionen gezählt, wie das Innen- und Gesundheitsministerium am Sonntag berichteten. Das sind 60 Prozent mehr als eine Woche zuvor. Die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner kletterte auf 255. Zugleich blieb die Lage in den Krankenhäusern stabil. Auf den Intensivstationen liegen rund 220 Menschen, das entspricht dem Niveau vor einer Woche. Die Quote der vollständig geimpften Menschen liegt bei 62 Prozent und damit leicht unter dem deutschen Wert.

"Wir sind drauf und dran, in eine Pandemie der ungeschützten Ungeimpften hineinzustolpern", sagte Schallenberg. Einen Lockdown für Geimpfte oder Genesene schloss Schallenberg aus. Er hoffe auf eine Signalwirkung dieser Pläne. Die rechte FPÖ kritisierte das Vorhaben scharf. Die liberalen Neos meinten, die Regierung habe zu lange daran festgehalten, dass Corona-Tests kostenlos verfügbar seien.

Der Stufenplan hat fünf Schwellen. "Wir sind derzeit bei Stufe eins, wir schauen damit sehr weit in die Zukunft", sagte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein. 600 Betten entsprechen etwa 30 Prozent Auslastung der Intensiv-Kapazitäten. Er hoffe, dass schon die vom 1. November an geltende 3G-Regel am Arbeitsplatz dazu führe, dass die Durchimpfungsrate steige, sagte Mückstein der "Kronen Zeitung" (Sonntag). Viele Beschäftigte müssen in Kürze nachweisen, ob sie geimpft, regelmäßig getestet oder von Covid-19 genesen sind.

Die im Frühsommer noch große Dynamik bei den Impfungen hatte sich in den letzten Wochen extrem abgeschwächt. An einzelnen Tagen wurden nur noch ein paar Tausend Dosen Corona-Impfstoffe gespritzt. Die rechte FPÖ schürt die Impfskepsis erheblich. Bei der jüngsten Landtagswahl in Oberösterreich erreichte die neue Impfkritikerpartei MFG (Menschen, Freiheit, Grundrechte) auf Anhieb sechs Prozent und zog in den Landtag ein.

© dpa-infocom, dpa:211022-99-702327/5

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