Corona-Maßnahmen 7 Tage auf Testergebnis gewartet - eine Ausnahme?

In Ostbayern werden immer mehr Corona-Tests durchgeführt. Das hohe Testaufkommen scheint sich auszuwirken - unter anderem auf die Wartezeiten für Testergebnisse.

Die Geschichte beginnt im Proberaum einer Musikkapelle. Die zweite Oktoberhälfte, der zweite Lockdown ist noch nicht verkündet, die Infektionslage scheint angespannt, aber noch ruhig. Die Musikszene macht zaghafte Schritte Richtung Normalität. Auch eine Vier-Mann-Combo will nicht länger aufs Proben verzichten. Ludwig T. (Name von der Redaktion geändert) und seine Kollegen fühlen sich alle gesund. Keiner hat in letzter Zeit eine Auslandsreise gemacht. Die Zeiten, in denen man nächtelang um die Häuser zog, sind auch schon länger vorbei. Also spielen sie miteinander.

Am Wochenende stellen sich bei allen plötzlich Symptome ein. Ludwig T. fühlt sich gar nicht gut. Kopfschmerzen, die Glieder wie in Zement gegossen. Die Bandkollegen fahren am Montag zur Teststation am Hagen in Straubing. Er selbst ruft beim ärztlichen Bereitschaftsdienst an. Er ist zu geschwächt, um Auto zu fahren. Eine Dreiviertelstunde später klingelt ein Arzt an der Tür: Seuchenschutzanzug, Visier und Mundschutz. Über den Ablauf kann Ludwig T. zunächst nur Gutes berichten. „Die Leute waren allesamt sehr angenehm, auch die vom Gesundheitsamt, mit denen ich telefoniert habe“, sagt er. Telefonieren wird er in den kommenden Tagen viel.

Bis zu 100 Telefonate am Tag

Einige Zeit nach dem Test kontaktiert Ludwig T. das örtliche Gesundheitsamt und fragt nach seinem Ergebnis. Doch er erhält es zunächst nicht „Es gab Tage, an denen habe ich über 100 Mal angerufen“, erzählt er. Ständig seien alle Leitungen besetzt gewesen. Geht nach Stunden ein Mitarbeiter ans Telefon, nimmt er sich allerdings Zeit, gibt Tipps zur häuslichen Quarantäne, zur Organisation. Bei den anderen Bandmitgliedern sind die Testergebnisse in der Zwischenzeit schon da. Alle sind positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden. Damit gilt Ludwig T., unabhängig vom eigenen Test, als Kontaktperson und bekommt einen Quarantäne-Bescheid. Auf das Testergebnis wartet er weiter. Seine Familie, Frau und Kinder, sind alle negativ getestet worden. Damit muss er auch von ihnen räumlich getrennt sein. Er zieht ins Kinderzimmer, das er zum Home-Office umfunktioniert. „Es ist schon hart, man bekommt schon nach kurzer Zeit ein unheimliches Redebedürfnis. Man könnte den ganzen Tag telefonieren“, sagt er.

Flau im Magen wird ihm, als er das Datum auf dem Quarantäne-Bescheid sieht: Ganze drei Wochen soll er ins Kinderzimmer-Exil? Immerhin das lässt sich, wiederum nach mehreren Telefon-Anläufen, klären: Der Sachbearbeiter in der Behörde hatte sich in der Woche vertan.

Nach einer Woche liegt das Testergebnis dann endlich vor. Es ist positiv. Doch große Auswirkungen hat der Bescheid nicht mehr. Die ursprüngliche Quarantäne-Zeit, die durch ein negatives Ergebnis hätte beendet werden können, ist ohnehin fast vorbei.

Fehlende Daten oder kurzfristige Engpässe

Der Fall von Ludwig T. zeigt eine potentielle Problemstelle im aktuellen Vorgehen auf. So wichtig die konsequente Testung für die Kontaktverfolgung ist: Das System kann letztlich nur dann gut greifen, wenn Testergebnisse schnell vorliegen. Ist ein Fall wie dieser mit einer Wartezeit von einer Woche nun normal oder eine Ausnahme? Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) teilt auf Anfrage mit, es habe keine größere Anzahl an Fällen mit längeren Wartezeiten gegeben: „Die durchschnittliche Wartezeit beträgt rund zwei Tage. Daher gehen wir von einer geringen Anzahl aus“, heißt es mit Bezug auf die Monate September und Oktober.

Ein Sprecher des bayerischen Gesundheitsministerium stellt den Sachverhalt ähnlich dar: „Bei den Labor- und Befundlaufzeiten ergibt sich ein uneinheitliches Bild: In der Mehrheit verweisen die Labore auf durchschnittliche Laborlaufzeiten zwischen 24 und 48 Stunden. Vereinzelt kann es allerdings auch zu längeren Zeiten kommen.“ Die Wartezeiten würden sich demnach aus der Beanspruchung der Labore ergeben, die sich täglich ändern. Ein weiterer Faktor ist, dass die Corona-Tests von unterschiedlichen Trägern durchgeführt werden, unter denen es wenig Absprache über verfügbare Laborkapazitäten gibt. Auf die Frage, ob es nicht besser wäre, das Testaufkommen zu sammeln und dann koordiniert auf die Labore zu verteilen, bleibt das Ministerium in seiner Antwort im Vagen: „Wir beobachten die Laborsituation genau und entwickeln unsere Teststrategie fortlaufend weiter, angepasst an die aktuellen Gegebenheiten. Das Bayerische Kabinett wird hierüber auch in der nächsten Sitzung am kommenden Dienstag wieder beraten.“

Auf die Frage, welche Gründe es für die Verzögerungen bei der Auswertung von Corona-Tests gibt, teilt die KVB schriftlich mit: „Am häufigsten haben sich herausgestellt: Fehlende Daten oder kurzfristige Engpässe bei den von der KVB beauftragten privaten Laboren.“ Die begrenzten Laborkapazitäten wurden in den vergangenen Wochen auch offiziell immer wieder thematisiert. Schon Anfang November hatten Labore vor einer Überlastung beim Auswerten von Corona-Tests gewarnt. Die Testkapazität sei bundesweit erstmalig zu 100 Prozent ausgereizt, teilte der Verband der Akkreditierten Labore in der Medizin mit. Dass in großer Zahl Tests gleichsam in die Warteschlange gestellt werden, komme allerdings nicht vor, so die KVB: „Es gibt aktuell keinen signifikanten Rückstau.“

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