Corona-Krise Wie sich die JVA Straubing gegen das Virus wappnet

Auch die JVA Straubing wappnet sich gegen den Coronavirus. (Archivbild) Foto: Weigel/dpa

Als "Bayerns sicherster Knast" wurde die JVA Straubing einst von der "Bild"-Zeitung bezeichnet. Doch wie sicher ist die Justizvollzugsanstalt in Zeiten der Corona-Pandemie? Anstaltsleiter Hans Jürgen Amannsberger schildert, wie sich die JVA gegen das Virus wappnet. 

Als Sicherheitsanstalt sind die Hygienestandards in der JVA generell hoch. Es gibt auch einen eigenen Pandemieplan, insofern wurde die JVA nicht unvorbereitet getroffen. "Dennoch gilt es zurzeit, von Tag zu Tag zu planen, um die jeweils neuen Erkenntnisse der medizinischen Fachleute umzusetzen", berichtet Hans Jürgen Amannsberger im Gespräch mit idowa. Schon früh wurde in der Anstalt angeordnet, dass sich jede Person, die die JVA betreten möchte, vor dem Eintritt die Hände desinfizieren muss. "Geschieht das nicht, wird der Zutritt grundsätzlich verweigert", so der Anstaltsleiter. Ausnahmen gibt es nicht. 

Besuche vorerst eingestellt

Auch bei Besuchen ist die JVA strenger geworden. Begonnen wurde zunächst mit verstärkten Kontrollen, reduzierten Besuchszeiten und Trennvorrichtungen. Mittlerweile hat die JVA Straubing Besuche auf Anweisung des Justizministeriums komplett eingestellt. Die Maßnahme gilt vorerst bis zum 19. April, davon ausgenommen sind Besuche von Rechtsanwälten. "Die Maßnahme dient dem Schutz der Gefangenen vor einer möglichen Ansteckung", heißt es in der Begründung des Ministeriums. Im Gegenzug dürften die Gefangenen öfter telefonieren und würden bei Bedarf auch finanziell unterstützt. Auch in Straubing soll es laut Amannsberger Ausgleichsmaßnahmen geben. 

Was es dagegen nicht gibt: Eine Trennung von alteingesessenen Häftlingen und Neuzugängen. "Unsere Neuzugänge kommen in den allermeisten Fällen aus anderen Justizvollzugsanstalten, so dass eine generelle Trennung von anderen Gefangenen prinzipiell nicht indiziert ist, da eine Infizierung dort bereits bekannt geworden wäre", erklärt Amannsberger. Gleichwohl wird natürlich auch unter den Häftlingen auf "coronatypische" Symptome geachtet. Um einer Einschleppung des Coronavirus von vornherein entgegenzuwirken, hat das Justizministerium außerdem beschlossen, dass Personen, die eine Freiheitsstrafe von weniger als sechs Monaten verbüßen müssen, ihre Haft erst zu einem späteren Zeitpunkt antreten. Das gilt auch für Ersatzfreiheitsstrafen und Jugendarrest. 

Quarantäne direkt im Haftraum

Sollte innerhalb der JVA-Mauern doch ein Verdachtsfall auftreten, würde der entsprechende Gefangene direkt in seinem Haftraum in Quarantäne genommen. Kontakt mit ihm würde dann nur noch mit speziellen Schutzausrüstungen erfolgen. In der JVA Straubing gibt es dafür mehrere Ärzte und Krankenpfleger, darunter auch einen Hygienebeauftragten. Sollte wegen einer Infektion tatsächlich eine intensivmedizinische Behandlung notwendig werden, sieht das Justizministerium vor, diese in einer klinischen Einrichtung außerhalb des Justizvollzugs durchzuführen. Bislang wurde im bayerischen Justizvollzug allerdings kein einziger Fall einer Corona-Infektion bekannt – weder bei Gefangenen noch Bediensteten. 

Amannsberger hofft, dass das auch in Zukunft so bleibt. "Dafür ist nun Umsicht erforderlich, aber keinerlei panische Reaktion." Die Stimmung innerhalb der Straubinger Belegschaft würde er auch in diesen herausfordernden Tagen als "konzentriert, fokussiert und pflichtbewusst" beschreiben. "Wir sind uns bewusst, dass wir in diesen Zeiten eine besondere Verantwortung für die Gefangenen, das Personal und die Gesellschaft haben", so der Anstaltsleiter. 

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