Corona-Krise Bundesliga zurück auf dem Trainingsplatz

Der FC Bayern und Trainer Hansi Flick haben mit dem Training in Kleingruppen begonnen. Foto: Matthias Balk/dpa/dpa

Viele Amateurkicker blicken sehnsüchtig zu den Bundesliga-Cubs, bei denen das Training in Kleinstgruppen wieder erlaubt ist. Werder fürchtete zunächst noch am Montag einen Wettbewerbsnachteil.

Frankfurt/Main - Die Bundesliga-Clubs sind weitgehend zurück auf dem Trainingsplatz - in Kleinstgruppen unter strengsten behördlichen Auflagen.

Einige Vereine beklagen jedoch das unterschiedliche Vorgehen der Ämter in der Corona-Krise bei den Ausnahmegenehmigungen für Berufssportler. Eine einheitliche Regelung des Bundesinnenministerium gibt es nicht. Mit Argusaugen beobachten hochklassige Amateurteams das Treiben bei den fast 500 Profis im Oberhaus. Der DFB warnt eindringlich davor, es ihnen nachzumachen.

"Es ist schon besser, als allein daheim zu trainieren. Doch es hat mit Normalität nichts zu tun", beschrieb Maximilian Arnold vom VfL Wolfsburg stellvertretend für viele seiner Kollegen den ungewohnten Übungsbetrieb. "Jede Gruppe hat eine separate Kabine. Wir haben separate Duschen und einen festen Physiotherapeuten", sagte der Mittelfeldspieler im "Welt"-Interview. Im Kraftraum habe jeder seine eigene Matte und müsse Handschuhe tragen. "Nach jeder Übung müssen wir alles, was wir angefasst haben, desinfizieren."

Üblich sind landauf-landab meist Spieler-Duos, die zusammen trainieren, - nicht aber in Nordrhein-Westfalen: Der 1. FC Köln schwitzt sogar in Gruppen mit bis zu acht Profis, der FC Schalke 04 mit bis zu sieben, Borussia Mönchengladbach mit bis zu fünf. Alle Vereine betonen ausdrücklich, dass sämtliche Vorgaben der Behörden eingehalten werden. Dazu zählt weiterhin auch ein gewisser Mindestabstand zueinander.

Auch Tabellenführer FC Bayern München - mit dem zuletzt verletzten Torjäger Robert Lewandowski - und seine Verfolger Borussia Dortmund und RB Leipzig dürfen wieder fußballspezifischer üben, während der Spielbetrieb bis mindestens 30. April ruht. "Es war schon ein sehr ungewohntes Gefühl, heute in Kleingruppen ein Training abzuhalten. Aber es war auch schön, die Jungs mal wieder live zu sehen", sagte Bayern-Kapitän Manuel Neuer. Das Homeoffice unter präzisen Vorgaben haben viele satt. "Ich weiß nicht, wie oft ich vor Anstrengung fast vom Rad gekippt bin", erzählte Eintracht Frankfurts Erik Durm.

Werder Bremen befürchtete noch am Montag zunächst einen Wettbewerbsnachteil, bekam dann am Nachmittag aber vom Ordnungsamt der Stadt Bremen doch noch eine entsprechende Genehmigung - allerdings unter strengen Auflagen. Statt der von Werder beantragten zehn Spieler dürfen jeder Kleingruppe auf dem Trainingsplatz nur maximal vier Profis angehören. Die Trainingseinheiten dürfen ausschließlich unter freiem Himmel stattfinden, die Spieler müssen danach zu Hause duschen und vor allem vor jeder Einheit von den Mannschaftsärzten "einem präventiven Eingangsscreening" unterzogen werden, wie es in einer Mitteilung der Senats-Pressestelle heißt.

Trainer Florian Kohfeldt hatte vor der Genehmigung noch gesagt: "Wir hoffen hierbei keinen Wettbewerbsnachteil zu erleiden, sondern würden eine bundesweit einheitliche Lösung begrüßen." Auch Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) hatte auf eine bundesweit einheitliche Regelung gehofft - die wird es aber zunächst nicht geben. Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD), auch Vorsitzender der Innenministerkonferenz, werde in dieser Frage keine Empfehlung aussprechen, sagte eine Sprecherin seines Ministeriums.

Jonas Boldt, Sportvorstand des Hamburger SV, sieht in den unterschiedlich Startvoraussetzungen "momentan noch keine entscheidende Wettbewerbsverzerrung. Wir wissen ja nicht, wann überhaupt gespielt wird." So hatte Stadt- und Zweitligarivale FC St. Pauli - sehr zum Unwillen der Behörden - schon zu Beginn der vergangenen Woche Trainingseinheiten absolviert.

In Hessen beklagte sich Kickers Offenbach bitterlich, dass Eintracht Frankfurt auf der anderen Seite des Mains bereits seit vergangenem Freitag wieder trainiert. Dem Regionalligisten ist dies nach einem Verbot des örtlichen Ordnungsamts untersagt. "Ich finde es unglaublich, dass innerhalb eines Bundeslandes unterschiedliche Regelungen möglich sind", sagte Geschäftsführer Thomas Sobotzik.

Derweil stehen die Profis des SV Wehen Wiesbaden wieder auf dem Platz, die des Zweitliga-Rivalen SV Darmstadt 98 warten auf eine Anweisung der hessischen Landesregierung, "die das allgemein regelt". Das Innenministerium spricht grundsätzlich von einer Abgrenzung des Profisports "als bezahlte Vollzeittätigkeit von Berufssportlern in Kapitalgesellschaften bzw. über den Wirtschaftsbetrieb von Vereinen".

Mit seinen Amateurclubs hatte sich der Deutsche Fußball-Bund vergangene Woche auf eine weitere Aussetzung des Trainings- und Spielbetriebs verständigt. Am Montag mahnte der DFB, dieser Anordnung "im Sinne der Bekämpfung des Coronavirus' streng Folge zu leisten". Für die Spielklassen unterhalb der Regionalliga seien die Verfügungen der zuständigen Gesundheitsbehörden entscheidend, "an ihnen wird sich streng orientiert".

 

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