Corona-Inzidenz über 1.100 Rottaler Landrat fordert Katastrophenfall

, aktualisiert am 10.11.2021 - 15:35 Uhr
Im Landkreis Rottal-Inn sind die Corona-Zahlen auf Rekordniveau. (Symbolbild) Foto: Andreas Reichelt

Die 7-Tages-Inzidenz im Landkreis Rottal-Inn wird vom Robert-Koch-Institut am Mittwoch mit 1.104,3 angegeben. Ein bundesweiter Negativrekord.

Damit liegt der Landkreis mit großem Abstand an der Spitze der Inzidenzen im Bundesgebiet.

"Die Kontaktermittlung kommt kaum noch hinterher", so Bettina Rapp von der Pressestelle des Landkreises Rottal-Inn am Morgen im Interview. "Deshalb wurde unser internes Dashboard jetzt auch stillgelegt. Dafür haben wir keine Zeit mehr. Wir müssen rund 400 Personen kontaktieren." Dabei können die hohen Infektionen nicht auf ein einzelnes Infektionsgeschehen zurückgeführt werden. "Man kann nicht erkennen, wo es herkommt. Es gibt einfach extrem viele Infektionen im Landkreis. Die Kontakte können wir erst einmal nicht mehr nachverfolgen", so Bettina Rapp weiter.

Landrat Michael Fahmüller hat noch am Vormittag ein Statement zur Lage abgegeben: "Woran dies liegt, vermögen wir derzeit nicht zu sagen, denn Ursachen und Ansteckungsgründe zu ermitteln, ist derzeit nicht mehr machbar - unsere Kontaktermittlung arbeitet täglich bis spät in die Nacht hinein, um wenigsten Betroffene sowie Kontaktpersonen in den vulnerablen Gruppen et cetera zu erreichen – doch selbst das ist bei diesen Werten im Moment nur noch bedingt leistbar." 

Besonders die Lage an den Krankenhäusern schockiert. "Das Personal ist am Ende seiner Leistungsfähigkeit, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind zermürbt, müde und frustriert. Ich habe eine solche Situation noch nie erlebt", so Fahmüller weiter. "Ich habe deshalb heute in einer Besprechung mit meinen Landrats-Kollegen nachdrücklich gefordert, erneut einen landesweiten Katastrophenfall auszurufen, um insbesondere die notwendigen organisatorischen Maßnahmen leichter umsetzen zu können."

Noch am Mittwoch hat Ministerpräsident Markus Söder den bayernweiten Katastrophenfall ausgerufen.

Nun können die Maßnahmen auch im Landkreis Rottal-Inn leichter koordiniert werden. Dabei hatte man gerade vor Ort immer wieder Initiativen gestartet, um die Impfquote zu steigern. 

Lesen Sie dazu auch den Artikel "Corona im Landkreis Rottal-Inn: Landrat Fahmüller kämpft um mehr Impfstoff".

Bereits im April hatte sich im Landkreis eine Entwicklung abgezeichnet, dass immer mehr junge Menschen von Corona betroffen waren. Ein Blick auf die Belegung der Intensivstationen gibt Anlass zu weiterer Besorgnis:

Apell an die Bürger

"Bitte verhalten Sie sich – auch ohne staatlich verordneten Lockdown und Kontaktsperre – vernünftig und gehen Sie keine unnötigen Risiken ein. Falls Sie noch nicht geimpft sind, gehen Sie noch einmal in sich und denken Sie darüber nach, ob Sie sich nicht doch impfen lassen wollen", bittet Michael Fahmüller. "Obgleich es natürlich auch bei uns viele Impfdurchbrüche gibt, also Menschen, die sich trotz Impfung anstecken, so ist die Zahl der Infektionen bei ungeimpften Menschen noch immer deutlich höher als bei geimpften, und insbesondere schwere Verläufe der Krankheit finden sich zu etwa 90 Prozent bei Ungeimpften."

Die Zuverlässigkeit mancher Quellen sei hier ein großes Problem: "Bitte fallen Sie vor allem nicht auf die Falschmeldungen und Lügen bezüglich der Pandemie und der Impfung herein, die verantwortungslose Agitatoren täglich im Internet verbreiten. Die Pandemie hat uns im Griff und wir können uns nur gemeinsam daraus lösen."

Passau im Fokus

Ein ähnliches Bild bei den Inzidenzen, wenngleich auf sehr viel niedrigerem Niveau, zeichnet sich in Stadt und Landkreis Passau ab. Auch hier steigen die Corona-Inzidenzen an.

Ob sich nun der völlig anders gelagerte Impfverlauf auszahlt? Immer wieder wurde vom Passauer "Impfwunder" gesprochen.

Lesen Sie dazu auch den Artikel "Ungleiche Verteilung an Impfstoffen? Passau impft, das Rottal kämpft".

Noch immer ringt der Freistaat um eine sinnvolle Regelung der Corona-Maßnahmen. Doch gerade im Grenzgebiet zeigen die jüngsten Zahlen an, dass diese nicht recht greifen wollen.

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