Champions League Nagelsmann gegen Tuchel: Showdown der Detail-Verrückten

Steht mit RB Leipzig im Champions-League-Halbfinale: Julian Nagelsmann. Foto: imago

Julian Nagelsmann steht mit RB Leipzig vor dem ganz großen Coup. Gegen Paris Saint-Germain will der Trainer-Shootingstar ins Finale der Königsklasse. Im Weg steht sein Entdecker und Förderer Thomas Tuchel. Zwei Taktik-Besessene wollen sich gegenseitig ausstechen.

Julian Nagelsmann gegen Thomas Tuchel! Der Glamourfaktor der Superstars Neymar und Kylian Mbappé mag noch so groß sein, der Halbfinal-Showdown in der Champions League von RB Leipzig gegen Paris Saint-Germain wird überstrahlt vom Duell der deutschen Trainer an der Seitenlinie im Estádio da Luz. Talent gegen Förderer. Ex-Spieler gegen Ex-Coach. Ein großer Taktik-Fanatiker gegen einen noch größeren Taktik-Fanatiker. Und dann auch noch die gemeinsame Vergangenheit in der bayerisch-schwäbischen Provinz.

Natürlich versuchen Nagelsmann wie Tuchel, vor dem letzten Schritt zum Finale der Königsklasse in Lissabon ihre Mannschaften und nicht sich selbst in den Mittelpunkt zu rücken. Aber auch Leipzigs Mittelfeldstratege Marcel Sabitzer erklärte das Duell schon zum Aufeinandertreffen der Detail-Verrückten. Die Parallelen des Aufstiegs unter die Top vier des Fußball-Kontinents können auch die Erfolgstrainer nicht ignorieren.

"Spiele gegen ihn sind immer interessant, weil er auch eine gute Idee vom Fußball hat. Ich hoffe, dass ich auch eine ordentliche Idee finden werde", sagte RB-Coach Nagelsmann vor der Partie am Dienstagabend (21.00 Uhr Sky und DAZN). Nach José Mourinho mit Tottenham und Diego Simeone mit Atlético Madrid könnte er in Tuchel schon den nächsten besonderen Trainer-Charakter ausstechen.

Favorit Tuchel

Tuchel ist der Favorit. Tuchel steht unter größerem Druck. In seinem zweiten Jahr kann er die Vorgabe der Geldgeber aus Katar erfüllen und PSG endlich zum ersten Champions-League-Sieg führen. Nagelsmann kommt wie so oft in der gemeinsamen Trainer-Historie aus dem Windschatten. Gelingt ihm mit den Sachsen die Krönung bei der "Missão Final", wäre er mit 33 Jahren als Nachfolger von Liverpools Jürgen Klopp schon auf dem Trainer-Thron. Das RB-Projekt wäre mit ihm im Eiltempo an der Spitze des europäischen Fußballs angekommen.

Das war vor fast 13 Jahren nicht absehbar. Wie die Tuchel-Biografen Daniel Meuren und Tobias Schächter in ihrem Buch schreiben, schickte damals der Trainer des fünftklassigen FC Augsburg II, Thomas Tuchel, seinen 20 Jahre alten Spieler, Julian Nagelsmann, ausgestattet mit Handkamera, Bleistift und Notizblock zur Gegnerbeobachtung nach Gersthofen. Aufgeregt sei er gewesen, berichtete Nagelsmann. Aber: "Ich war ganz frei, er sagte nur, es sei wichtig, einen Überblick über den Gegner zu bekommen."

Tuchel erkannte offenbar das große Talent. "Nachdem ich ein paar Mal die Gegner gescoutet hatte, sagte Thomas zu mir, ich solle doch Trainer werden, wenn ich nicht mehr spielen könne", erzählte Nagelsmann den Biografen. Auch hier gibt es die Parallele: Tuchels Karriere war schon mit 24 Jahren wegen eines Knorpelschadens vorbei. Nagelsmann musste den Traum wegen eines kaputten Knies in eben jenen Augsburger Tagen beenden. "Die Beziehung, die Julian mit Thomas Tuchel durch ihre Zusammenarbeit hat, die sie hatten, ist etwas Besonderes", erzählte Leipzigs Sportdirektor Markus Krösche.

Verhältnis zwischen Nagelsmann und Tuchel: "Noch nie extrem innig"

Nagelsmann selbst wirkte da schon fast ein bisschen distanziert. "Das Verhältnis ist, seitdem er bei PSG ist, normal. Wir haben noch nie ein extrem inniges Verhältnis gehabt", sagte er. Hin und wieder gäbe es mal eine SMS. "Es ist nicht so, dass wir stetigen Austausch haben. Das wünschen sich die Medien so ein bisschen, aber das gibt es in der realen Fußball-Welt nicht", sagte Nagelsmann. Schnittpunkte gab es auf jeden Fall in der Bundesliga. Dreimal spielten sie gegeneinander zwischen Februar 2016 und Mai 2017. Nagelsmann konnte mit 1899 Hoffenheim gegen Borussia Dortmund und Tuchel nie gewinnen.

Für Ralf Rangnick, der Tuchel einst in Ulm trainierte und bis vor wenigen Wochen im RB-Orbit als internationaler Koordinator noch Nagelsmann begleitete, sind die Voraussetzungen vor der Partie in Lissabon total verschieden. "Man kann beide Trainer und ihre aktuelle Arbeit nicht vergleichen, weil die Anforderungsprofile bei den Clubs völlige andere sind", sagte er der "Mitteldeutschen Zeitung".

Klar, dass Rangnick als Ex-Trainer und langjähriger Projekt-Stratege sich mit Leipzig noch verbunden fühlt. "Ich freue mich sehr für die Mannschaft", sagt er. "Das Champions-League-Turnier gehört ja noch zur alten Saison, und somit fiebere ich natürlich von Leipzig aus mit und sehe mich für diese Spiele noch als Teil des Teams."

 

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