Das Pokerface beherrscht Paul Ziemiak ziemlich gut und so kann man sich oft nicht sicher sein, ob er wirklich meint, was er da gerade von sich gibt. "Wir freuen uns auf einen heißen Wahlkampfsommer, das ist ja bekanntlich für alle Generalsekretärinnen und Generalsekretäre die schönste Zeit", sagt der CDU-Generalsekretär, als er die Bundestagswahlkampfkampagne seiner Partei vorstellt.

Wer viel Arbeit schön findet, der kann diesem Satz zustimmen. Wohl noch nie in der Nachkriegsgeschichte standen die Christdemokraten und mit ihnen alle anderen Parteien vor einem so herausfordernden Wahlkampf. Die Corona-Pandemie versperrt den Weg in die großen Arenen, die direkte Kontaktaufnahme mit den Wählern ist erschwert. Eine rein digitale Lösung funktioniert nicht, weil damit einige Wählerschichten außen vor bleiben. Generalsekretäre wie Ziemiak müssen jetzt den Spagat zwischen analog und digital hinbekommen.

Die Generalsekretäre sind bis zum 26. September bei den großen Parteien die Wahlkampfchefs. Ziemiak kann auf einen Etat in Höhe von rund 20 Millionen Euro zurückgreifen. Im Vergleich zur letzten Bundestagswahl ist das Budget unverändert. Die SPD hingegen hat den Rotstift angesetzt und ihren Wahlkampfetat um zehn Millionen auf 15 Millionen Euro eingedampft. Die Grünen nehmen rund zehn Millionen Euro in die Hand, um Spitzenkandidatin Annalena Baerbock ins Kanzleramt zu hieven.