Bundesliga Zurück auf dem Trainingsplatz: "Mit Normalität nichts zu tun"

Marcel Sobottka vom Fortuna Düsseldorf im Training. Foto: Fortuna Düsseldorf/dpa

Viele Amateurkicker blicken sehnsüchtig zu den Bundesliga-Cubs, bei denen das Training in Kleinstgruppen wieder erlaubt ist. Allerdings noch nicht überall: Werder fürchtet bereits einen Wettbewerbsnachteil.

Die Bundesliga-Clubs sind weitgehend zurück auf dem Trainingsplatz - in Kleinstgruppen unter strengsten behördlichen Auflagen. Einige Vereine beklagen jedoch das unterschiedliche Vorgehen der Ämter in der Corona-Krise bei den Ausnahmegenehmigungen für Berufssportler. Eine einheitliche Regelung des Bundesinnenministerium gibt es nicht. Mit Argusaugen beobachten hochklassige Amateurteams das Treiben bei den fast 500 Profis im Oberhaus. Der DFB warnt eindringlich davor, es ihnen nachzumachen.

"Es ist schon besser, als allein daheim zu trainieren. Doch es hat mit Normalität nichts zu tun", beschrieb Maximilian Arnold vom VfL Wolfsburg stellvertretend für viele seiner Kollegen den ungewohnten Übungsbetrieb. "Jede Gruppe hat eine separate Kabine. Wir haben separate Duschen und einen festen Physiotherapeuten", sagte der Mittelfeldspieler im "Welt"-Interview. Im Kraftraum habe jeder seine eigene Matte und müsse Handschuhe tragen. "Nach jeder Übung müssen wir alles, was wir angefasst haben, desinfizieren."

Verschiedene Gruppengröße

Üblich sind landauf-landab meist Spieler-Duos, die zusammen trainieren, - nicht aber in Nordrhein-Westfalen: Der 1. FC Köln schwitzt sogar in Gruppen mit bis zu acht Profis, der FC Schalke 04 mit bis zu sieben, Borussia Mönchengladbach mit bis zu fünf. Alle Vereine betonen ausdrücklich, dass sämtliche Vorgaben der Behörden eingehalten werden. Dazu zählt weiterhin auch ein gewisser Mindestabstand zueinander.

Auch Tabellenführer FC Bayern München - mit dem zuletzt verletzten Torjäger Robert Lewandowski - und seine Verfolger Borussia Dortmund und RB Leipzig dürfen wieder fußballspezifischer üben, während der Spielbetrieb bis mindestens 30. April ruht. "Es war schon ein sehr ungewohntes Gefühl, heute in Kleingruppen ein Training abzuhalten. Aber es war auch schön, die Jungs mal wieder live zu sehen", sagte Bayern-Kapitän Manuel Neuer. Das Home Office unter präzisen Vorgaben haben viele satt. "Ich weiß nicht, wie oft ich vor Anstrengung fast vom Rad gekippt bin", erzählte Eintracht Frankfurts Erik Durm.

Bremen zuhause

Die Akteure von Werder Bremen müssen sich jedoch weiter zuhause fit halten - der Club fürchtet deshalb Nachteile gegenüber der Konkurrenz. "Wir werden weiterhin die Vorgaben der Behörden in allen Bereichen vollumfänglich umsetzen, befinden uns aber weiterhin in dem Spannungsfeld, dass Mitkonkurrenten an anderen Standorten bereits seit längerem im Gruppentraining arbeiten", sagte Trainer Florian Kohfeldt. "Wir hoffen hierbei keinen Wettbewerbsnachteil zu erleiden, sondern würden eine bundesweit einheitliche Lösung begrüßen."

Werder hat beim Bremer Senat einen Antrag gestellt, vom Montag an wieder in Kleingruppen trainieren zu dürfen. Über diesen Antrag wurde noch nicht entschieden, weil Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) in dieser Frage auf eine bundesweit einheitliche Regelung setzt.

Jonas Boldt, Sportvorstand des Hamburger SV, sieht in den unterschiedlich Startvoraussetzungen "momentan noch keine entscheidende Wettbewerbsverzerrung. Wir wissen ja nicht, wann überhaupt gespielt wird." So hatte Stadt- und Zweitligarivale FC St. Pauli - sehr zum Unwillen der Behörden - schon zu Beginn der vergangenen Woche Trainingseinheiten absolviert.

Unterschiedliche Regelung innerhalb eines Bundeslandes

In Hessen beklagte sich Kickers Offenbach bitterlich, dass Eintracht Frankfurt auf der anderen Seite des Mains bereits seit vergangenen Freitag wieder trainiert. Dem Regionalligisten ist dies nach einem Verbot des örtlichen Ordnungsamts untersagt. "Ich finde es unglaublich, dass innerhalb eines Bundeslandes unterschiedliche Regelungen möglich sind", sagte Geschäftsführer Thomas Sobotzik.

Derweil stehen die Profis des SV Wehen Wiesbaden wieder auf dem Platz, die des Zweitliga-Rivalen SV Darmstadt 98 warten auf eine Anweisung der hessischen Landesregierung, "die das allgemein regelt". Das Innenministerium spricht grundsätzlich von einer Abgrenzung des Profisports "als bezahlte Vollzeittätigkeit von Berufssportlern in Kapitalgesellschaften bzw. über den Wirtschaftsbetrieb von Vereinen".

Mit seinen Amateurclubs hatte sich der Deutsche Fußball-Bund vergangene Woche auf eine weitere Aussetzung des Trainings- und Spielbetriebs verständigt. Am Montag mahnte der DFB, dieser Anordnung "im Sinne der Bekämpfung des Coronavirus' streng Folge zu leisten". Für die Spielklassen unterhalb der Regionalliga seien die Verfügungen der zuständigen Gesundheitsbehörden entscheiden, "an ihnen wird sich streng orientiert".

 

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