Bundesliga Bayern-Stresstest für Nagelsmann - Gegen Gladbach "ready"

Julian Nagelsmann wartet noch auf seinen ersten Sieg als Bayern-Coach. Foto: Sven Hoppe/dpa/dpa

2:3 gegen Köln, 2:2 gegen Ajax, 0:2 gegen Gladbach, 0:3 gegen Neapel: Julian Nagelsmann hat in den Testspielen nichts zu lachen. Sorgen vor einem Saison-Fehlstart hat der neue Bayern-Coach dennoch nicht.

München - Julian Nagelsmann stand schon wieder geschlagen in der Münchner Fußball-Arena und kämpfte innerlich mit dem Makel als Weiter-sieglos-Trainer des FC Bayern.

Vier Testspiele, kein Sieg, aber gleich drei Niederlagen - das nagte trotz der begründbaren und auch erwarteten Ruckel-Vorbereitung an dem ehrgeizigen 34-Jährigen. Nagelsmann war beim TV-Interview nach dem 0:3 (0:0) gegen den SSC Neapel dennoch in der Lage, die Contenance zu wahren. "Was soll ich jetzt nach einem Vorbereitungsspiel hier einen Zampano machen? Es wird alles gut werden", sagte er. In der Pressekonferenz wenig später konterte er auch die unvermeidliche Frage nach einem möglichen Fehlstart im DFB-Pokal gegen den Fünftligisten Bremer SV und dem Bundesliga-Eröffnungsspiel ebenfalls auswärts bei Borussia Mönchengladbach ohne jeden Anflug von Nervosität oder gar Hektik.

Nagelsmann bleibt gelassen

"Die Sorgen habe ich jetzt nicht, wenn ich die erste Halbzeit sehe", sagte er mit Verweis auf die ersten 45 Minuten, als gegen Neapel erstmals wieder die meisten EM-Teilnehmer wie Robert Lewandowski, Leon Goretzka oder Leroy Sané auf dem Platz gestanden hatten.

"Das war gut. Wir hatten 70 Prozent Ballbesitz, das war ordentlich", sagte Nagelsmann. Was fehlte, waren Tore bei Chancen von Lewandowski, Jamal Musiala und einem Pfostenschuss von Serge Gnabry.

Der Nationalspieler war wie Nagelsmann bemüht, die Bayern-Fans zu beruhigen. "Mehr Spiele, mehr Rhythmus, dann wird das schon wieder", sagte Gnabry: "Wir werden gegen Gladbach, denke ich, ready sein."

Flick-Nachfolger

Bereit sein, wenn es um Punkte, Siege und Trophäen geht, das ist der Auftrag an Nagelsmann als Nachfolger von Sieben-Titel-Vorgänger Hansi Flick. Seine Arbeit geht eigentlich jetzt erst richtig los. "Ich bin froh, dass die Nationalspieler wieder zurück sind und auch 45 Minuten gesammelt haben, das war wichtig. Jetzt kommen am Montag nochmal drei wertvolle Spieler zurück", sagte Nagelsmann mit Blick auf die letzten Urlaubsrückkehrer Manuel Neuer, Thomas Müller und Joshua Kimmich.

2:3 gegen den 1. FC Köln, 2:2 gegen Ajax Amsterdam, 0:2 gegen Gladbach, 0:3 gegen Neapel - klar, "das fühlt sich nicht gut an", gestand Nagelsmann. Auch wenn die Ergebnisse erklär- und entschuldbar sind, kommt es zum Saisonstart gleich zum Stresstest für Nagelsmann.

Er muss ab sofort liefern. Neapels Tore von Victor Osimhen (69./71. Minute) und Zinedine Machach (86.) fielen, als der Münchner Coach längst alle Stars ausgewechselt hatte. "Die Gegentore sind ärgerlich, aber die kannst du nicht so werten, weil da Spieler auf dem Platz standen, die weniger spielen werden", betonte Nagelsmann.

Auch Kahn nicht nervös

"Dass es keine einfache Vorbereitung wird, wussten wir", sagte auch Oliver Kahn nachsichtig. Der neue Vorstandsboss wird ebenfalls (noch) nicht nervös. Und trotz des schmalen Kaders und einiger verletzter Akteure, zu denen gegen Neapel Flügelstürmer Kingsley Coman mit einer Beckenprellung hinzukam, verneinte Kahn größeren Handlungsbedarf auf dem Transfermarkt. "Ich denke, wir sind sehr gut aufgestellt in allen Mannschaftsteilen", sagte er. Der vorhandene Kader sei "exzellent".

Die knappe Zeit bis zum Ligastart "muss reichen", weiß Nagelsmann. Er muss in seiner Anfangszeit allein auf das aufbauen, was unter Flick gut funktionierte: "Neue Inhalte sind erstmal sekundär."

Gewinner der Vorbereitung ist Tanguy Nianzou. Der 19 Jahre alte Franzose konnte sich angesichts der Abgänge von David Alaba und Jérôme Boateng sowie der Ausfälle von Lucas Hernández (Knie-OP) und Niklas Süle (Rückenbeschwerden) erstmal den Platz im Abwehrzentrum neben Millionen-Zugang Dayot Upamecano sichern. "Tanguy hat eine sehr gute Entwicklung gemacht", bestätigte Nagelsmann. Er habe "keine Bedenken", den jungen Verteidiger auch im Ernstfall zu bringen.

© dpa-infocom, dpa:210801-99-651245/2

 

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