Buch-Tipp In "The Grace Year" trifft Katniss auf Offred

"The Grace Year" von Kim Liggett hat 416 Seiten, ist im Oettinger-Verlag erschienen und ab 14 Jahren empfohlen. Foto: Oettinger-Verlag

Mit "The Grace Year" erzählt Kim Liggett eine feministische Geschichte über die Unterdrückung von Frauen. Ein Muss für Fans von "Die Tribute von Panem".

Düstere Verschwörungen, patriarchale Zukunftsvisionen und mutige Frauenfiguren - das bieten erfolgreiche Romane wie Margaret Atwoods "The Handmaid's Tale" oder Suzanne Collins "Die Tribute von Panem". Auch "The Grace Year: Ihr Widerstand ist die Liebe" von Kim Liggett verfolgt den Werdegang einer jungen Frau, die die herrschenden Gesellschaftsstrukturen verändern möchte. Wer ein mitreißendes Abenteuer mit Tiefgründigkeit sucht, sollte unbedingt einen Blick reinwerfen.

Darum geht's: Junge Frauen besäßen eine bitterböse Magie, mit der sie die Männer in den Wahnsinn treiben, heißt es. Aus Angst vor ihren unheilvollen Kräften werden heranwachsende Mädchen aus Garner County deshalb für ein Jahr in die Wildnis verbannt. Wenn sie nach Hause zurückkehren, seien sie von ihrer Magie befreit. Doch nicht alle kommen zurück, und die, die es tun, sprechen nie wieder über dieses Jahr. Im Anschluss werden sie direkt mit Männern verheiratet, an die ihre Väter sie versprochen haben.

Auch Tierney muss ihr bisheriges Leben hinter sich lassen. Ihre Chancen auf eine Heirat stehen allerdings nicht gut. Denn anders als die restlichen Mädchen ihres Alters hat sie sich gar nicht erst darum bemüht, irgendjemandem zu gefallen. Sie möchte ihre Seele und ihren Körper an keinen Mann verlieren und hofft auf ein Leben als Arbeiterfrau draußen auf den Feldern. In ihren Träumen ist sie Teil einer Rebellion. Aber zuvor muss auch sie in die Wildnis - und überleben. Schafft sie das nicht, würden ihre jüngeren Schwestern verbannt werden.

Doch erst, als ihr Jahr in der Wildnis beginnt, merkt sie, wie fest verankert unterdrückende Geschlechterbilder bereits bei den jungen Mädchen sind. Und so sind nicht die bedrohlichen Wilderer Tierneys größte Gefahr, sondern die Mädchen selbst.

In aller Kürze: Eine fesselnde und nervenaufreibende Mischung aus "Die Tribute von Panem", "The Handmaid's Tale" und "Herr der Fliegen".

Fazit: Die Geschichte um Tierney lässt einem den Atem stocken. Dafür sorgt auch der bildliche Schreibstil von Kim Liggett. Faszinierend ist die gelungene Gratwanderung zwischen Fiktion und Realität. Während das Setting definitiv fiktiv ist, erscheinen uns die Geschehnisse nicht allzu fremd: Die Mädchen kennen ein Leben ohne Unterdrückung ihres Geschlechts nicht und können sich auch nicht erklären, woher diese Benachteiligung kommt. Auch in unserer Realität sind viele soziale Probleme fest in der Gesellschaft verankert und gehen so weit zurück, dass ihr Ursprung oft kaum mehr greifbar ist.

Doch statt in der Vergangenheit zu graben, will Tierney die Gegenwart beeinflussen, um so die Zukunft aller Frauen zu verändern. Und obwohl ihr immer wieder Steine in den Weg gelegt werden, bleibt Tierneys Hoffnung auf ein selbstbestimmtes Leben bis zur letzten Seite bestehen. Genau aus diesem Grund wirkt die Protagonistin nicht nur unheimlich nahbar, sondern motiviert dazu, immer wieder aufzustehen - und das nicht nur im Sinne des Feminismus, sondern auch für all unsere Träume und Visionen.

 
 
 

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