BZgA-Studie In diesem Alter erleben Jugendliche ihr erstes Mal

Das Smartphone spielt im Sex-Leben der Jugendlichen eine gewisse Rolle – auch bei der Aufklärung über Liebe und Sexualität. (Symbolbild) Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Im Rahmen der neuen Befragungswelle zur BZgA-Studie „Jugendsexualität“ liegen erste Ergebnisse vor. Demnach wird die Jugend in Deutschland heute später sexuell aktiv als in den zurückliegenden Jahrzehnten. Verhütet wird beim ersten Mal vor allem mit Kondom, die Pille ist dagegen rückläufig.

Die Annahmen, wonach immer mehr junge Menschen immer früher sexuell aktiv werden, bestätigen sich nicht. Das erklärten die Forscher der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Im Gegenteil: Im Alter zwischen 14 und 16 Jahren gaben deutlich weniger Mädchen und Jungen an, sexuelle Erfahrungen gemacht zu haben als noch vor zehn Jahren. Während sexuelle Aktivitäten bei den unter den 14-Jährigen insgesamt mit durchschnittlich vier Prozent noch die Ausnahme sind, hat im Alter von 17 Jahren mehr als die Hälfte der Jugendlichen Erfahrung mit Sex. Junge Frauen deutscher Herkunft haben im Alter von 17 Jahren im Durchschnitt zu knapp 70 Prozent das „erste Mal“ erlebt. Bei den gleichaltrigen Frauen mit ausländischen Wurzeln sind es 37 Prozent. Unter den 17-jährigen Jungen sind es 64 beziehungsweise 59 Prozent.

Gefragt nach den Gründen, warum sie noch nicht sexuell aktiv sind, geben Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren zu 55 Prozent vor allem, dass sie den oder die Richtige noch nicht gefunden hätten. 41 Prozent fanden, dass sie dafür noch zu jung seien. Mit 48 Prozent halten sich aktuell vor allem deutlich mehr Mädchen für zu jung für das „erste Mal“ als 2014 mit 35 Prozent.

Kondom ist Verhütungsmittel Nummer eins beim „ersten Mal“, Pille rückläufig

Das Kondom ist bei Jugendlichen mit deutlichem Abstand das Verhütungsmittel Nummer eins beim „ersten Mal“. 77 Prozent der 14- bis 17-Jährigen haben es als Verhütungsmittel angegeben. Die Pille wird von 30 Prozent nach wie vor beim ersten Geschlechtsverkehr verwendet, jedoch ist die Nutzung im Vergleich zu vor fünf Jahren rückläufig. 2014 haben noch 45 Prozent die Pille beim „ersten Mal“ verwendet. Als mögliche Ursache für den Rückgang der Pillennutzung kommt in Betracht, dass Mädchen bei der aktuellen Befragung die Gesundheitsverträglichkeit der Pille deutlich schlechter beurteilen als vor fünf Jahren.

Sichere Verhütung: Auch eine Frage der Bildung 86 Prozent der Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren verhüten sicher beim „ersten Mal“. Neun Prozent verhüten gar nicht, weitere vier Prozent mit einer unsicheren Methode. Die Daten der Jugendsexualitätsstudie belegen auch, dass fast jeder fünfte Jugendliche mit niedriger Bildung beim „ersten Mal“ gar nicht oder unsicher verhütet. Mit zunehmender sexueller Erfahrung verbessert sich das Verhütungsverhalten: Beim letzten Geschlechtsverkehr verhüteten fünf Prozent der Jugendlichen gar nicht.

Instanzen der Aufklärung: Eltern, Schule, Internet – Herkunft spielt eine Rolle

Laut den ersten Ergebnissen spielt das Elternhaus spielt bei der Sexualaufklärung eine wichtige Rolle. Eltern sind für ihre Kinder nach wie vor wichtige Vertrauenspersonen und zentrale Beratungsinstanz auch in Fragen rund um Sexualität und Verhütung. Je nach Herkunft sind Eltern aber in einem unterschiedlichen Ausmaß Bezugspersonen für sexuelle Fragen: Aktuell geben 70 Prozent der Mädchen deutscher Herkunft an, dass die Mutter eine wichtige Ansprechperson für sexuelle Fragen ist, bei Mädchen mit Migrationshintergrund sind es dagegen nur 43 Prozent. Bei Jungen verhält es sich ähnlich: 45 Prozent der Jungen ohne Migrationshintergrund geben den Vater beziehungsweise 37 Prozent die Mutter als wichtige Ansprechperson der Sexualaufklärung an. Bei Jungen mit Migrationshintergrund trifft dies auf 27 beziehungsweiser 17 Prozent zu.

Für die sexuelle Bildung ist auch die Schule ein zentraler Ort: Bei beiden Geschlechtern und unabhängig von der kulturellen Herkunft sind Lehrerinnen und Lehrer für Jugendliche wichtige Ansprechpersonen der Sexualaufklärung. Für Jungen mit Migrationshintergrund sind sie – nach dem besten Freund oder der besten Freundin – sogar die wichtigsten Ansprechpersonen. Knapp 70 Prozent der befragten Jugendlichen geben an, dass ihr Wissen vorrangig aus dem Schulunterricht stammt. Größtenteils auch aus dem Internet haben nach eigenen Angaben knapp 56 Prozent der Mädchen und 62 Prozent der Jungen ihr Wissen über Körper, Verhütung und Sexualität.

Zur Studie

Für die BZgA-Repräsentativstudie „Jugendsexualität 9. Welle. Repräsentative Wiederholungsbefragung. Die Perspektive der 14- bis 25-Jährigen.“ wurden im Zeitraum Frühsommer bis Herbst 2019 bundesweit 6.032 Interviews geführt, 3.556 davon mit Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren sowie deren Eltern und 2.476 davon mit jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren, 1.874 davon mit Migrationshintergrund. Mit Migrationshintergrund bezieht sich im Studienkontext auf Jugendliche und junge Erwachsene, die selbst nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen oder bei denen mindestens einer der Elternteile bei Geburt nichtdeutscher Staatsangehöriger war.

Die repräsentative Befragung knüpft an die Vorläuferstudien der BZgA zur Jugendsexualität aus den Jahren 1980 bis 2015 an. Schwerpunktthemen der Befragungen sind Sexualaufklärung in Schule, Internet und Elternhaus, erste sexuelle Erfahrungen sowie Verhütungswissen und Verhütungsverhalten. Ziel der Studie ist es, zuverlässige longitudinale Daten über Einstellung und Verhalten von Jugendlichen und ihren Eltern sowie von jungen Erwachsenen in Deutschland zu Fragen der Sexualität und Kontrazeption zu ermitteln. So können Maßnahmen wissensbasiert gesteuert und neu konzipiert werden.

Weitere Artikel

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading