Es ist der große Boom, auf den viele gerade auch in Bayern hoffen. Nachdem der Streit um das iranische Atomprogramm beigelegt ist, könnten die strengen Wirtschaftssanktionen gegen das Land demnächst aufgehoben werden. Besonders für die bayerische Wirtschaft soll es ein gutes Geschäft werden. Sie hat sich deshalb schon in Stellung gebracht und ist seit gestern offiziell mit einer eigenen Repräsentanz in der islamischen Republik vertreten. „Es besteht die große Chance, zu den einst engen Handelsbeziehungen zwischen Bayern und dem Iran zurückzukehren“, sagte Alfred Gaffal, Präsident der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw), bei der feierlichen Eröffnung in Teheran.

Das Büro in der iranischen Hauptstadt soll bayerischen Firmen bei der Markterschließung helfen, Kontakte zu potenziellen Partnern und Kunden vermitteln sowie den Zugang zu politischen Entscheidern ermöglichen. „Die Repräsentanz der vbw im Iran ist eine wichtige Anlaufstelle für bayerische Unternehmen, damit sie vom Fortschritt des Landes profitieren können“, betonte Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) zum Auftakt ihrer viertägigen Iran-Reise. Zugleich hat die bayerische Wirtschaft mit ihrer Niederlassung in Teheran einen Brückenkopf für iranische Firmen geschaffen, die im Freistaat Fuß fassen möchten. „Wir wollen Türöffner sein – sowohl für bayerische als auch für iranische Firmen“, erklärte vbw-Präsident Gaffal. Die wirtschaftlichen Potenziale seien für beide Seiten enorm.

Mit im Boot ist auch das Bildungswerk der bayerischen Wirtschaft (bbw). „Es wird sein gesamtes Portfolio künftig im Iran anbieten“, sagte bbw-Vorstandschef Günther Goth. Dazu zählen Managementtrainings und Facharbeiterausbildungen.

Wegen des Handelsembargos gegen den Iran sind die bayerischen Exporte in den vergangenen Jahren stark eingebrochen. Das soll sich in Zukunft ändern. Denn nach Jahren der Abschottung hat der Golfstaat einen gewaltigen Modernisierungsbedarf. Und die bayerische Wirtschaft hat die großen Potenziale für sich entdeckt, die der iranische Markt mit seinen rund 80 Millionen Menschen bietet. Entsprechend groß ist auch die Delegation, die von Ministerin Aigner angeführt wird. 100 Vertreter aus Wirtschaft und Unternehmen sind dabei. Sie alle haben Iran-Ambitionen – und können auf die Hilfe von Aigner setzen. Die Wirtschaftsministerin will bei ihren Gesprächen mit hochrangigen Politikern den Firmen eine Brücke in den Iran bauen.