Brauchtum aus dem Buch von Josef Roider "Sitzerter" Ball in tanzfreien Zeit

Nest für den Osterhasen im Wingei (1955) Foto: Roider

Öffentliche Lustbarkeiten und Tanzvergnügungen verbieten sich nach dem christlichen Glaubensverständnis, das früher das Leben in den Dörfern stark prägte, in der Fastenzeit. Diese galt als sogenannte "geschlossene Zeit". Nicht anders war es im "Wingei", wie es Josef Roider aus Cham in seinem Buch über "Musik, Tanz und Bräuche am Beispiel der Sommerauer Musikanten" beschreibt. Außer öffentlichen Tanzveranstaltungen waren in dieser Zeit seitens der Kirche auch feierliche Hochzeiten mit Brautsegen, Einholung der Brautleute, geräuschvollem Festgelage etc. untersagt. Wenngleich ein Tanzverbot nicht explizit im katholischen Kirchenrecht verankert ist, so ist es jedoch seit jeher kirchliche Gepflogenheit und die örtlichen Pfarrer achteten in aller Regel streng darauf, dass dies eingehalten wurde.

Für die jungen Leute bot sich daher nach den langen Wochen der Fastenzeit erst am Ostermontag, an dem meistens abends ein Kranzl stattfand, wieder die erste Gelegenheit zum Tanzen, auf die sie sich schon freuten. Ersatzweise veranstalteten die Wirte, vor allem jene, die keinen Tanzsaal hatten und deshalb keinen Hausball im Fasching halten konnten, in der umsatzarmen Fastenzeit häufig einen Wurstball. Hierbei handelt es sich, wie der Ausdruck vermuten lässt, um eine Feier in der Gaststube, zu der der Wirt seine Stammgäste und Geschäftspartner, die Honoratioren und die gesamte Bevölkerung einlud und der meist von Samstag bis Montag dauerte. Dabei gab es Würste - daher kommt vermutlich auch der Name Wurstball, später auch andere Gerichte. Es war ein "sitzerter" Ball, wie die Leute sagten. Zur Unterhaltung der Gäste spielte manchmal eine kleine Streichmusikbesetzung, eine Kleinstbesetzung von zwei oder drei Musikanten oder teilweise auch nur ein Alleinunterhalter. Allmählich weichten im "Wingei" ebenfalls die einstmals so strengen religiös geprägten Sitten auf und im Laufe der 1970er Jahre wurden schließlich die tanzfreien Zeiten immer weniger beachtet.

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