Boom bei illegalem Welpenhandel Wieder Welpen sichergestellt: Passauer Tierfund kein Einzelfall

So wurden die 5 Welpen in einem Lieferwagen aus Serbien transportiert. Foto: GPI Passau

Immer wieder werden an den Außengrenzen Bayerns illegale Welpentransporte gestoppt. Die Tiere sind oft in schlechtem Gesundheitszustand und werden von skrupellosen Händlern über das Internet angeboten. Auf der A3 bei Passau wurden am Donnerstag wieder fünf Labradorwelpen sichergestellt.

Es ist eine traurige Geschichte: Oft todkranke Tiere werden viel zu jung nach Deutschland gekarrt und dort verkauft. Ihre Papiere sind - sofern überhaupt vorhanden - meist gefälscht. 

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Am Donnerstagvormittag haben Passauer Grenzpolizisten an einer Rastanlage der A3 erneut einen Kleintransporter mit serbischem Kennzeichen angehalten und kontrolliert. Am Steuer des Fahrzeugs saß ein 50-jähriger Mann, der in Richtung Deggendorf unterwegs war.

Bei der Kontrolle entdeckten die Beamten unter dem Fahrer- und Beifahrersitz fünf Labradorwelpen. Die Tiere waren nur etwa acht Wochen alt. 

Außerdem konnte der Mann keine ausreichenden Bescheinigungen vorlegen. Zur Herkunft der Hunde machte der Mann widersprüchliche Angaben. Nach Rücksprache mit dem zuständigen Veterinäramt wurden die Welpen sichergestellt und in ein Tierheim gebracht.

Gegen den 50-jährigen wurde Anzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz erstattet. Er wurde nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wieder entlassen.

Ein Fall von vielen

„Die ersten Zahlen für 2021 zeigen deutlich, dass der illegale Tierhandel in diesem Jahr einen traurigen Rekord brechen wird. Der Blick auf die vielen erkrankten und verstorbenen Tiere lässt schon jetzt erahnen, wie viel Tierleid infolge des kriminellen Handels noch entstehen wird. Noch etliche Tiere werden dieses Jahr ihr Leben verlieren“, sagt Dr. Romy Zeller, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund e. V. „Der vermeintlich unkomplizierte Online-Kauf ist gepflastert mit Profitgier, Tierleid und nicht selten dem Tod.“ 

Der Deutsche Tierschutzbund beschreibt in seiner im Mai veröffentlichten Auswertung zum illegalen Heimtierhandel die Situation der Welpen sehr detailliert: "Unter den vor allem aus Rumänien, Bulgarien, Polen und Ungarn stammenden Tieren befanden sich viele in einem sehr schlechten Allgemeinzustand, sie waren oft unterernährt und dehydriert, litten an Durchfall und Fieber. Bei mehr als einem Viertel der Welpen, die an Durchfall litten, konnte die häufig tödlich verlaufende Viruserkrankung Parvovirose festgestellt werden. In einem Viertel der rund 100 Fälle, in denen Angaben zum Überleben der Welpen gemacht wurden, starb mindestens eines oder sogar mehrere der Tiere – trotz aller Bemühungen der Tierheime und Tierärzte, ihr Leben zu retten."

Mit der Aktion "Mein Schicksal - Deine Wahl" möchte der Deutsche Tierschutzbund besonders im Wahljahr auf die verschiedenen Aspekte der Thematik aufmerksam machen. 

Situation vor Ort

Werden Welpen bei Kontrollen gefunden und sichergestellt, müssen sie meist in Tierheime gebracht werden. Diese kommen oft an Ihre Grenzen. 

"Das Passauer Tierheim ist unterfinanziert", sagt Toni Schuberl, Landtagsabgeordneter der Grünen, im Interview. "Es bräuchte mehr Mittel von der Stadt Passau." Ein großes Problem sei dabei auch, dass die Tiere Eigentum der mutmaßlichen Welpenhändler bleiben. "Tierquäler sollen die Tiere nicht zurückbekommen", fordert Toni Schuberl daher.

Dem Problem liege auch das Kaufverhalten mancher Verbraucher zugrunde. "Wenn ich das Tier im Internet kaufe und dabei nicht weiß, wo es genau herkommt, dann unterstütze ich vielleicht indirekt diese illegalen Welpenhänder", sagt Toni Schuberl weiter. "Lieber ins Tierheim gehen und ein Tier vor Ort retten", lautet daher sein Apell.

Dort versucht man auch, verantwortungsvoll bei der Vergabe der Lebewesen vorzugehen. Ein Umstand, der nicht immer auf Verständnis stößt. 

Lesen Sie dazu auch den Artikel "Drohungen und Anfeindungen in Tierheimen"

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