Boeing-Flugverbot belastet Tui-Gewinn bricht um fast die Hälfte ein

Tui hat 15 Boeing 737 Max in der Flotte und musste Ersatzflugzeuge mieten. Foto: Ted S. Warren/AP/dpa/dpa

Das Flugverbot für die Flugzeuge des Typs Boeing 737 Max kostet den Reisekonzern Tui Hunderte Millionen Euro. Beim Geschäft mit Kreuzfahrten und Hotels legt Tui zwar zu. Doch die Unsicherheit wegen des Pannenfliegers belastet auch den Blick auf 2020.

Hannover - Der weltgrößte Reisekonzern Tui hat im Geschäftsjahr 2019 deutlich weniger Gewinn gemacht als im Vorjahr.

Belastet vom Flugverbot für den Mittelstreckenjet Boeing 737 Max sackte der Nettogewinn von 727,2 Millionen Euro auf 416,2 Millionen Euro ab - ein Minus von 42,8 Prozent, wie der Konzern mitteilte.

Tui hat 15 Flugzeuge des Typs in der Flotte und musste Ersatzmaschinen mieten. Der um Sondereffekte bereinigte operative Gewinn (bereinigtes Ebita) fiel um knapp 22 Prozent auf 893,3 Millionen Euro. Zudem teilte Tui mit, dass die Aktionäre künftig mit deutlich geringeren Dividenden rechnen müssen.

Tui-Vorstandschef Fritz Joussen sprach trotz der Einbußen von einem erfolgreichen Abschluss. Im kommenden Geschäftsjahr soll der operative Gewinn, gemessen am bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern, wieder steigen: Als Zielkorridor nennt Tui dafür 950 Millionen bis 1,05 Milliarden Euro.

Kosten von 130 Millionen Euro wegen des Boeing-Flugverbots sind laut Tui in dem Ausblick schon berücksichtigt - in der Annahme, dass die 737 Max bis Ende April wieder fliegen darf. Sollte das Flugverbot länger dauern, werden zusätzliche Kosten von 220 bis 270 Millionen Euro erwartet.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr lagen die Aufwendungen für gemietete Ersatzjets mit einem höheren Treibstoffverbrauch bei rund 293 Millionen Euro. Rechnet man die 737-Max-Belastung in beiden Jahren heraus, müsste Tui 2020 also das obere Ende seiner Zielvorgabe erreichen, um überhaupt das diesjährige Niveau in etwa zu halten.

Zudem soll die Digitalisierung des Konzerns vorangetrieben werden. "Der Umbau geht weiter", sagte Joussen. "Die zweite Stufe zum Digitalunternehmen wird das Unternehmen deutlich verändern, stärker als die letzten fünf Jahre vom traditionellen Reiseveranstalter zum hochprofitablen Hotel- und Kreuzfahrtkonzern."

Im Kreuzfahrtsegment steigerte Tui seinen bereinigten operativen Gewinn im vergangenen Geschäftsjahr auf 366 Millionen Euro. Auch das Geschäft mit Hotels und Resorts legte auf 451,5 Millionen Euro zu.

Seinen Aktionären will Tui für 2019 eine Dividende von 54 Cent je Aktie auszahlen - und damit 18 Cent weniger als ein Jahr zuvor. Für die kommenden Jahre ändert das Unternehmen außerdem seine Dividendenpolitik, was voraussichtlich "zu geringeren Ausschüttungen" führt, wie das Management einräumte.

Künftig sollen 30 bis 40 Prozent des um Sondereffekte bereinigten Nettogewinns an die Anteilseigner ausgeschüttet werden. Allerdings zieht Tui eine Untergrenze ein: So soll die Dividende nie unter 35 Cent je Aktie fallen.

Das Fluggeschäft hat 2019 insgesamt gelitten, auch wegen des Handelskriegs zwischen den USA und China. "2019 war ein miserables Jahr", sagte der Chefökonom des Airlineverbandes IATA, Brian Pearce, am Mittwoch in Genf. Weltweit kämen viele Airlines finanziell nur knapp über die Runden. Die Zahl der Passagiere soll 2020 allerdings von 4,5 Milliarden auf 4,7 Milliarden steigen.

Die US-Luftfahrtaufsicht FAA schloss derweil eine Wiederzulassung der 737 Max noch in diesem Jahr aus. "Wir werden bei dem Prozess alle nötigen Schritte befolgen, wie lange auch immer es dauern wird", sagte FAA-Chef Steve Dickson dem US-Sender CNBC.

 

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