"Bier geht vor Kultur" Kulturschaffende kritisieren Corona-Regeln im Theater

Im Straubinger Theater Am Hagen dürfen aktuell nur 80 der 321 Plätze belegt werden – zusätzlich gilt 2G+. In ganz Bayern fühlen sich Kulturschaffende im Vergleich mit der Gastronomie unfair behandelt. (Archivbild)
Im Straubinger Theater Am Hagen dürfen aktuell nur 80 der 321 Plätze belegt werden – zusätzlich gilt 2G+. In ganz Bayern fühlen sich Kulturschaffende im Vergleich mit der Gastronomie unfair behandelt. (Archivbild) Foto: Stadt Straubing

Im Theater sind die Corona-Regeln streng, beim Kneipenbesuch danach geht es deutlich lockerer zu. Für die Kulturbranche ein unhaltbarer Zustand. Die bayerische Staatsregierung wird deshalb heftig kritisiert.

Der Verband Freie Darstellende Künste in Bayern (VfdKB) sieht die Kultur bei den Corona-Beschränkungen stark benachteiligt, vor allem gegenüber der Gastronomie. "Wir können das nur noch so bewerten, dass die Aussage 'Bayern ist ein Kulturstaat' ein leere Hülse ist: Bier geht vor Kultur", sagte Daniela Aue vom Vorstand des Verbands der Deutschen Presse-Agentur in München.

Aue kritisierte einen Beschluss des bayerischen Kabinetts, wonach in Lokalen weiter die 2G-Regel (geimpft oder genesen) gelten soll. Bei Kulturveranstaltungen dagegen müssen sich Geimpfte und Genesene zusätzlich testen lassen, zudem dürfen nur 25 Prozent der Plätze besetzt werden.

Diese Ungleichbehandlung hält Aue für nicht nachvollziehbar. "Wir haben gute und funktionierende Hygienekonzepte, die Theaterhäuser haben effektive Lüftungskonzepte. Gerade letztere sind in der Gastronomie so sicherlich nicht vorhanden und dort sitzen die Gäste häufig dicht auf dicht", kritisierte sie. Dies sei ein "fatales Zeichen mit fatalen Folgen": Man sende das Signal aus, dass das Ansteckungsrisiko bei Kulturveranstaltungen groß sei, diese würden in der Folge gemieden. Existenzen von Kulturschaffenden würden dadurch gefährdet.

"Offenbar ist die Kultur dieser Staatsregierung ziemlich egal"

Ähnlich äußerte sich der SPD-Fraktionsvorsitzende Florian von Brunn (SPD). "Die übermäßig harten, unfairen und nicht nachvollziehbaren Einschränkungen für die Kultur sind existenzgefährdend", sagte er. "Im Gegensatz zur Gastro hat der Kulturbetrieb auch kein zusätzliches Geschenk wie die Mehrwertsteuersenkung bekommen. Offenbar ist die Kultur dieser Staatsregierung ziemlich egal."

Auch Andreas Schessl, Geschäftsführer des Konzertveranstalters Münchenmusik, drängt darauf, bei Veranstaltungen wie Theater oder Konzerten wieder mehr Zuschauer zuzulassen. Deshalb hat er auch Klage beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof eingelegt, um sich gegen die Beschränkung auf 25 Prozent der Zuschauerkapazität zu wehren. Es sei unverständlich, warum von der Kultur wieder ein Sonderopfer erzwungen werde. Beim Restaurantbesuch vor oder nach einer Vorstellung könnten alle an einem Tisch sitzen, im Theater seien dagegen Abstand und Masken Pflicht. "Da setzen wir uns für eine Gleichbehandlung ein und fordern das auch von der Staatsregierung."

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