Beziehungen in Corona-Zeiten Plötzlich zu viel Nähe: Zerstört Corona das Liebesleben?

Die Corona-Krise hat bei etlichen Paaren eine Beziehungs-Krise ausgelöst (Symbolbild). Foto: imago images / Shotshop

Corona hat Auswirkungen auf alle Lebensbereiche, auch und gerade auf die Liebe. Wie Paare mit der Situation bisher umgegangen sind, das beleuchtet eine aktuelle Studie. Die Ergebnisse zeigen, dass die Reaktionen sehr unterschiedlich ausfallen können.

Das gewohnte Leben änderte sich mit Beginn der Corona-Pandemie schlagartig. Kinder mussten aufgrund der geschlossenen Kitas, Kindergärten und Schulen zu Hause betreut werden, der Arbeitsplatz verlagerte sich in die eigenen vier Wände und die gesellschaftlichen Verpflichtungen fielen weg. Etliche Paare und Familien sahen sich mehr als sonst und teils auch mehr als ihnen lieb war, wie die Auswertung der Studie der Online-Partnervermittlung Parship zeigt. 15 Prozent der 1.000 Befragten kämpften mit mehr Beziehungsproblemen als vor der Pandemie. Sechs Prozent der Paare nahmen sich eine Auszeit. Neun Prozent sahen sogar keinen anderen Ausweg als eine Trennung.

Ungleichgewicht und fehlende Distanz

Die Ursachen sind vielseitig. "Bei manchen Paaren wirkt die Corona-Krise wie ein Brennglas auf schon länger bestehende Probleme in der Partnerschaft", sagt Paartherapeut Franz Schuier aus Regensburg. In der Corona-Krise wurde das Ungleichgewicht sicht- und spürbar. Als Beispiel führt er an, dass in etlichen Familien in der Region und darüber hinaus der Mann noch immer mehr verdient und seiner Homeoffice-Tätigkeit in der Folge der Vorrang gegnüber der Teilzeit-Homeoffice-Tätigkeit der Frau gegeben wird. Gleichzeitig ist die Frau aber vielfach diejenige, die in weiten Teilen die Betreuung der Kinder übernimmt. Eine ungleiche Verteilung der Aufgabenlast kann Stress, auch Beziehungsstress, nach sich ziehen. Auch der fehlende Freiraum zerrte an den Nerven, wie Paartherapeutin Maria Hölzl aus Straubing bestätigt. "Zu viel Nähe, zu wenig Distanz innerhalb der Familie führte zu Spannungen. Kinder durften nicht mehr zu ihren Großeltern und waren zu sehr auf die Eltern fixiert."

Entschleunigung und mehr Sex

An der Corona-Krise ist nicht alles schlecht, wie die Studie zeigt. Ein Drittel der Deutschen weiß den Partner nun mehr zu schätzen und geht gestärkt aus der Krise. Dieser Teil der Befragten ist überzeugt, dass ihre Partnerschaft intensiver und besser geworden ist. "Die Ausgangsbeschränkung wirkte auf die Paare verbindend, weil sie sich häufiger sahen und der Druck, gesellschaftlichen Verpflichtungen nachzukommen, entfiel", erklärt Schuier. Dass die Entschleunigung gut getan hat, das bestätigen auch Maria Hölzls Klienten. "Durch den fehlenden Freizeitstress fanden Paare mehr Zeit, sich über Probleme zu unterhalten und etwas gemeinsam zu verändern." Mehr Zweisamkeit führte auch zu mehr Sex. Rund ein Fünftel der Befragten gab an, in den vergangenen Wochen öfters in der Kiste gelandet zu sein. Vor allem bei den Jüngeren und nicht zusammenlebenden Partnern ging es im Bett öfters zur Sache, als noch vor der Krise.

Übrigens: Auch für die Paare, die kurz vor dem Aus stehen, gibt es noch Hoffnung: Laut Studie wären immerhin vier Prozent bereit, es noch einmal zu versuchen. Corona gemeinsam überwinden – für diese Paare wäre das dann sprichwörtlich.

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