Bestatter im Interview Gemeinsam mit dem geliebten Tier über die "Regenbogenbrücke"

Können Mensch und Tier gemeinsam ins Paradies gehen? Zumindest die sterblichen Überreste können über den Tod hinaus miteinander vereint werden. Foto: Lichtung Tierbestattungen

Die Regenbogenbrücke – für Tierbesitzer nach dem Verlust ihres Lieblings Balsam für die trauernde Seele. Das bildliche Paradies für Tiere. Denn nicht nur für alleinstehende Menschen bricht nach dem Tod ihres Tieres eine Welt zusammen. Für manch einen wäre es daher ein beruhigender Gedanke, über den Tod hinaus mit dem verstorbenen Tier wiedervereint zu sein, und wenn auch nur die sterblichen Überreste von Mensch und Tier. Doch ist das überhaupt möglich? Wir haben uns darüber mit dem 37-jährigen Stefan Gass unterhalten. Er leitet das Unternehmen „Lichtung Tierbestattungen“ in Neuburg am Inn.

Herr Gass, wie lange sind Sie schon als Tierbestatter tätig und wie sind Sie dazu gekommen?

Stefan Gass: Ich arbeite seit 2010 als Humanbestatter. 2015 kam dann erstmals eine Anfrage einer Frau, die für die Beerdigung ihrer Mutter die Urne mit der Asche des verstorbenen Hundes als Sargbeigabe hinzufügen wollte. Damals habe ich dann erstmals konkret zu diesem Thema recherchiert. Und seit 2016 übernehme ich nun auch Tierbestattungen.

Hat Ihrer Ansicht nach in den letzten Jahren in Sachen Tierbestattung ein Wandel stattgefunden?

Gass: Das würde ich schon sagen, ja. Früher war das mehr eine Art Automatismus. Die sterblichen Überreste des Tieres blieben einfach beim Tierarzt und wurden in die Tierverwertung gegeben. Heute gibt es da schon eine größere Wertschätzung.

"Ich glaube auch für Tiere an ein Leben nach dem Tod"

Wie sehen Sie denn ihre Rolle bei der Tierbestattung?

Gass: Ich halte das Band der Liebe zwischen Mensch und Tier über den Tod hinaus aufrecht. Denn ich glaube auch für Tiere an ein Leben nach dem Tod.

Bewegt sich denn die Tierbestattung preislich in einer anderen Kategorie als die Humanbestattung?

Gass: Auf alle Fälle. Preislich haben wir da schon ein sehr großes Herz. Es soll einfach für jeden Tierbesitzer leistbar sein.

Nicht selten beerdigen Tierbesitzer ihre Katzen und Hunde ja einfach auf eigene Faust im eigenen Garten. Ist das rechtlich überhaupt einwandfrei?

Gass: Das kommt immer auch auf die Größe und die Lage des Grundstücks an. Ebenso auf die Vorgaben der jeweiligen Kommune. Es ist aber auf jeden Fall ratsam, sich vorher bei der Gemeinde zu erkundigen.

"Tierurnen per Gesetz nur Sachbeigaben"

Ist es denn erlaubt, sich gemeinsam mit einem Haustier bestatten zu lassen?

Gass: Ja, das ist möglich. Ich habe gerade jetzt wieder den Vorauftrag einer Frau, die nach ihrem Tod die Asche ihrer verstorbenen Katze in einer versiegelten Urne als Sargbeigabe haben möchte. Unabhängig ob Sarg- oder Grabbeigabe ist das deshalb möglich, weil Tierurnen per Gesetz als Sachbeigabe gelten.

Ist das dann auch ein Stück weit ein beruhigender Gedanke für diese Frau gewesen?

Gass: Ja, man hat ihr angemerkt, dass sie dadurch nicht nur die Gewissheit hatte, dass nach ihrem Tod alles geregelt ist, sondern dass es für sie auch beruhigend war, ihr geliebtes Tier dann wieder bei sich zu haben.

Was war denn so die ungewöhnlichste Anfrage, die Sie auf diesem Gebiet bis dato erhalten haben?

Gass: Da fällt mir spontan eine Frau ein, die mal wegen einem Ochsen angefragt hat. Das Tier war ihr sehr ans Herz gewachsen und sie wollte die Asche des Ochsen zu Hause in einer Urne aufbewahren.

Der Verlust des eigenen Haustieres ist ja immer auch mit großem seelischem Schmerz verbunden. Haben Sie anhand Ihrer Erfahrung einen Rat für diese schweren Stunden?

Gass: Das Wichtigste ist meiner Meinung nach, in diesem Gefühl der Trauer erst intensiv drin zu bleiben, den Schmerz zuzulassen. Denn erst durch diesen emotionalen Ausbruch kann die erste Trauerbewältigung geschehen.

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