Besonders viele Unfälle Bayerische Waldbesitzer in Gefahr

Eine Frau geht mit ihrem Hund durch den verschneiten Wald spazieren. Foto: Angelika Warmuth/dpa Foto: dpa

Bayerische Waldbesitzer leben gefährlich: Mehr als die Hälfte aller schweren Waldunfälle in Deutschland ereignet sich in Bayern, wie die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau in Kassel beklagt.

2019 gab es demnach 5000 meldepflichtige Unfälle, davon ereigneten sich 2700 in Bayern. Am größten ist das Missverhältnis bei den besonders schweren Unfällen mit Todesopfern: Nach den Daten der Sozialversicherung starben in Bayern 25 Menschen bei der Waldarbeit - mehr als in den übrigen 15 Bundesländern zusammen, wo zehn Tote zu beklagen waren.

Für 2020 gibt es noch keine endgültigen Zahlen, doch könnte es bundesweit sogar an die 6000 Waldunfälle gegeben haben, schätzt Friedrich Allinger, der Fachmann der Sozialversicherung für die Landwirtschaft. Auch in Bayern deuten Indizien darauf, dass sich die Zahl der Unfälle noch vermehrt haben dürfte: So meldete die Bergwacht 2020 insgesamt 119 Einsätze wegen Arbeitsunfällen im Forst, 2019 waren es nur 16 gewesen.

Doch warum sticht Bayern hervor? Eine Auffälligkeit: Es verunglücken vergleichsweise wenige Förster oder Waldarbeiter der Bayerischen Staatsforsten. Unverhältnismäßig häufig trifft es laut Sozialversicherung private Waldbesitzer - häufig Bauern oder Erben ehemals bäuerlicher Familien, die ein kleines Stück Wald besitzen. Bayern ist das flächenmäßig größte Bundesland, über ein Drittel der Landesfläche ist bewaldet. Die Zahl der Waldbesitzer in Bayern wird auf 700 0000 geschätzt, deren Parzellen in der Regel klein sind: "Wir haben eine Durchschnittsgröße von zwei Hektar", sagt Allinger.

Einerseits fehlt es nach Einschätzung der Sozialversicherung häufig an Fachkenntnis, wenn die Waldbesitzer mit der Motorsäge ausrücken. Achtzig Prozent der Unfälle ereignen sich demnach beim Baumfällen. "Und wir haben eine schlechte Waldinfrastruktur" - soll heißen, vergleichsweise wenige "Rückegassen" oder breite Forststraßen, die bei Naturschützern unbeliebt sind, aber den sicheren Abtransport des Holzes sehr erleichtern.

Für die steigende Zahl der Unfälle gibt es mehrere Erklärungen: Deutschlands Wälder sind in den vergangenen Jahren von Stürmen, Trockenheit und Borkenkäfern hart getroffen worden, die Waldbesitzer waren von der Beseitigung der Schäden schwer gefordert.

"Seit dem Jahr 2018/19 haben wir nicht nur eine Kalamität, sondern eine Mischung von Kalamitäten", sagt Allinger dazu. Die Bergwacht vermutete einen Zusammenhang mit der Corona-Pandemie: Während des ersten Lockdowns im vergangenen Frühjahr gingen viele Waldbesitzer in die Berge, um sich um ihre Bäume zu kümmern. Der Sozialversicherung wäre es jedenfalls lieber, wenn Waldbesitzer Profis anheuerten, die gefährliche Arbeiten übernehmen könnten.

Das Landwirtschaftsministerium in München ist sich der Gefahren im Wald durchaus bewusst. In Kooperation mit der Sozialversicherung bietet die staatliche Forstverwaltung Schulungen für Waldbesitzer an. So gibt es einen zweitägigen Grundkurs "sichere Waldarbeit". Auch die Landwirtschaftsämter kümmern sich bei Fortbildungen für Waldbesitzer um die Arbeitssicherheit im Wald, sagte ein Sprecher des Ministeriums.

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