Berufsportrait Wenn Körper und Geist gefordert sind

Ellen (links) und Lisa versuchen bei einer Patientin mit Hilfe verschiedener Übungen die Beine wieder zu mobilisieren. Foto: Eva Rothmeier

Treppen steigen, laufen, alleine essen – unseren Körper benutzen wir ganz selbstverständlich. Erst wenn ein Unfall, eine Krankheit oder Schmerzen ihn außer Gefecht setzen, wird klar, wie wichtig jedes einzelne Gelenk und jeder Muskel ist. Lisa Kumpfbeck (21) und Ellen Hendrick (22) besuchen die Berufsfachschule für Physiotherapie am Donau-Isar-Klinikum Deggendorf und sorgen mit ihrer Arbeit dafür, dass unser Bewegungsapparat funktionsfähig bleibt.

„Wir behandeln bereits kleine Babys mit körperlichen Fehlstellungen, mobilisieren Patienten nach einer Hüftoperation oder machen Jung und Alt nach einem Sportunfall wieder fit“, beschreiben Lisa und Ellen nur einige ihrer Aufgaben. Wesentlich mehr also, als nur ein bisschen massieren, kneten und dehnen, was ja in vielen Köpfen herumgeistert, wenn man über Physiotherapeuten spricht. Die zwei jungen Frauen sind bereits im dritten Ausbildungsjahr und schließen die Berufsfachschule im Herbst als staatlich anerkannte Physiotherapeutinnen ab. Und beide sind absolut glücklich mit ihrer Wahl. „Wenn man zum Beispiel sieht, dass ein Patient, der halbseitig gelähmt ist, plötzlich wieder seine Finger bewegen kann, dann freut man sich einfach und weiß, dass man das Richtige macht“, erzählt Ellen. Die 22-jährige Deggendorferin ist über die Mutter einer Freundin, die selbst Physiotherapeutin ist, auf den Beruf aufmerksam geworden, und hat sich nach dem Abitur und einem Praktikum im Klinikum für diesen Weg entschieden.

Die schulische Ausbildung für Physiotherapeuten ist staatlich geregelt und erfolgt an einer Berufsfachschule (BFS), an der man sich direkt bewerben muss. In Deggendorf werden geeignete Bewerber zu einem Vorstellungstag eingeladen, der aus einem praktischen Sporttest, einem Wissenstest und einem persönlichen Gespräch besteht. „Wir mussten zum Beispiel Fragen aus den Bereichen Allgemeinwissen oder räumliches Denken beantworten, aber auch Aufgaben zum medizinischen Verständnis waren dabei“, erinnert sich Ellen. Und beim Sporttest standen zum Beispiel Step-Aerobic und Seilspringen auf dem Programm.

Keine Angst vor Berührung

„Unsere Schule bietet jedes Jahr 32 Plätze, auf die sich meist zwischen 180 und 200 Interessierte bewerben“, sagt Schulleiterin Melanie Handlos. Nach einem Probehalbjahr entscheidet dann die Lehrerkonferenz aufgrund der Leistungen jedes einzelnen Schülers über die endgültige Aufnahme an der BFS für Physiotherapie. „Wir haben in Deggendorf das Glück, dass die Berufsfachschule schulgeldfrei ist, bei vielen privaten Schulen ist das nicht so“, erklärt Lisa. Die 21-Jährige aus Landau an der Isar ist selbst sportbegeistert und liebt es, so eng mit Menschen zusammenzuarbeiten und ihnen bei ihrer Rehabilitation zu helfen. „Wer sich für den Beruf des Physiotherapeuten entscheidet, darf keine Angst vor Berührung haben und sollte sowohl mental als auch körperlich sehr fit sein“, sagt sie. Denn die Arbeit sei zum einen körperlich anstrengend, und auch das benötigte Wissen sei immens. So ist es zum Beispiel wichtig, den kompletten Aufbau und die Funktionen des menschlichen Körpers zu kennen, zu wissen, wie man Krankheiten feststellt oder auch Erste Hilfe leistet.

Im ersten Ausbildungsjahr haben Lisa und Ellen deshalb fast ausschließlich Theorie- und Praxisunterricht in der Schule erhalten, um gut auf den Klinikalltag vorbereitet zu sein. „Praktisch geübt haben wir erst nur an Klassenkameraden, bevor wir Ende des ersten Jahres erstmals wirklich mit Patienten arbeiten durften“, erinnern sich die beiden. Diese reagieren übrigens durchwegs positiv auf die Schüler. „Wir stellen uns vor und sagen, dass wir noch in der Ausbildung sind. Und wir sprechen jeden unserer Schritte mit unseren Lehrern ab“, erklären sie.

Ab dem zweiten Ausbildungsjahr unterteilt sich die Unterrichtszeit dann in Praktika an den Vormittagen und Theorie in der Schule am Nachmittag. Jetzt, im dritten Ausbildungsjahr, haben Lisa und Ellen noch einmal mehr Patientenkontakt. „Abwechselnd sind wir hier in den Fachbereichen Orthopädie, Chirurgie, Gynäkologie, Pädiatrie, Amputation und Neurologie eingesetzt“, sagt Lisa. Der Schultag beginnt meist um 8 Uhr mit der Besprechung der einzelnen Patienten und Krankheitsfälle im Klinikum und endet zwischen 16 und 18 Uhr mit dem Theorieunterricht an der Schule.

Endlich wieder Treppensteigen

Lisa möchte nach ihrer Ausbildung gerne im Bereich Orthopädie oder Unfallchirurgie arbeiten. „Mir macht es total Spaß, Patienten dabei zu helfen, wieder in ihren Alltag zurückzufinden. Wenn zum Beispiel jemand, der ein neues Knie erhalten hat, durch meine Hilfe plötzlich wieder Treppensteigen kann, dann ist das ein tolles Gefühl“, beschreibt sie. Ellen hingegen möchte sich künftig auf den Bereich Neurologische Rehabilitation spezialisieren. „Hier arbeitet man unter anderem mit Schlaganfall-Patienten oder Menschen mit Schädel-Hirn-Verletzungen zusammen. Da kann man mit Physiotherapie unglaublich viel erreichen“, erklärt die Deggendorferin.

Bis es soweit ist, müssen die beiden aber erst noch ihre Prüfungen im September bewältigen. Die Chancen auf einen Job sind dann gut. „Aktuell herrscht in Deutschland ein Fachkräftemangel, wir sollten also mit unserer Ausbildung schon eine gute Anstellung bekommen“, sagen sie.

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