Berufsportrait Vieles ist anders als bei einem normalen Studium

Auch sonst läuft im Pflegestudium manches etwas anders als bei normalen Studenten. Vorlesungen und Unterricht an der Berufsfachschule sind zum Teil in Blöcken gestaltet. Dabei gibt es Wochen, in denen Jessica auch noch im Krankenhaus arbeitet. Vieles von dem, was man an der Berufsfachschule lernt, wird Jessica dafür an der Uni angerechnet. Auch sonst kommt ihr die enge Verzahnung von Praxis und Schule zugute. „In den Vorlesungen sprechen wir immer wieder über Situationen, die wir selbst schon erlebt haben“, erzählt Jessica. Auch die meisten Professoren verfügen über Erfahrungen aus der Praxis. Und schließlich gibt es noch Kommilitonen, die ihre Ausbildung schon eine Weile hinter sich haben und das Studium nun draufsatteln. Auch sie haben natürlich einen reichen Erfahrungsschatz.

Von dem Studiengang erfuhr Jessica von der Rektorin der Berufsfachschule in Vilsbiburg. Wäre ein Medizinstudium nicht die logische Konsequenz für eine Abiturientin gewesen, die gerne anderen Menschen beim Gesundwerden helfen will? „Das kam für mich nie in Frage“, sagt die 22-Jährige. Dahinter scheint besagter Idealismus zu stecken, von dem schon die Rede war. „Medizin kann ohne Pflegekräfte nicht bestehen“, ist sie überzeugt. Ärzte können operieren, erklärt sie. Aber wie die weitere Genesung verläuft, was zu Hause und bei der Rehabilitation der Patienten passiert, das findet die Studentin ebenfalls entscheidend.

Anders als man zunächst denken könnte, liegt der Berufseinstieg für studierte Pflegekräfte nicht etwa in der Stationsleitung. Auch die Krankenhausmitarbeiter, die sämtliche Pflegedienste im Haus koordinieren, haben etwas anderes studiert, erklärt Jessicas Chefin Ulrike Anzinger. Sie ist die Pflegedienstleiterin am Kreiskrankenhaus in Landshut. Vielmehr gehe es darum, dass Mitarbeiter wie Jessica neue Impulse auf der Station geben können, sagt sie. Sie bringen die neuesten Erkenntnisse aus der Forschung mit und können von Studien berichten, wie etwa dem Einsatz von Eiswürfeln nach einer Chemotherapie. Studierte Pflegekräfte können laut Ulrike Anzinger also wichtige Berater für die Kollegen auf der Station sein. Sie geben zudem pflegenden Angehörigen Tipps und leiten sie an und bilden somit eine Schnittstelle zwischen Einrichtungen und Laien. Anzinger nennt das „Optimierung von Pflegeprozessen“. Das Ziel: Die Menschen werden schneller gesund oder können besser mit ihrer Krankheit leben.

Wenn Jessica mit ihrem Studium fertig ist, ist ihr ein Arbeitsplatz so gut wie sicher. Pflegekräfte, noch dazu mit diesem Wissen, sind gefragt wie nie. Die 22-Jährige aus Gangkofen kann aber auch noch ein Masterstudium draufsetzen und ihr Wissen vergrößern. Karriere ist Jessica dabei nicht wichtig. Ihr geht es um das Persönliche. Das oft beschriebene kleine Lächeln, der Händedruck als sofortiges Feedback für ihre Arbeit – das ist es, was sie glücklich macht. Auch das Schichtsystem hat sie von der Berufswahl nicht abgehalten. Es hat ihrer Ansicht nach zu Unrecht ein schlechtes Image. Überhaupt müsse sich das schlechte Image von Pflegeberufen verändern, meint sie. Viele hoffen nun, dass der Studiengang Pflege Dual das schafft. Und wieder mehr junge Menschen für den Beruf begeistert.

 
 

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