Arzt gehört nach wie vor zu den am meisten angesehenen Berufen. Ärzte können anderen Menschen helfen, sie gar heilen - und können dabei selbst Erfüllung finden. Extrem gute Bezahlung, wie oft verbreitet wird, gibt es in der Regel aber nicht. Und: Ärzte gehören auch zu den am meisten belasteten Menschen. Das fängt mit dem Studium an und geht im Beruf weiter. Was muss man also mitbringen, um Arzt zu werden? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden, welche Menschen sind für den Beruf geeignet? Und wie wird man überhaupt Arzt? Freistunde hat nachgefragt.

Das klingt erstmal nicht nach Traumberuf: Als Arzt muss man belastbar sein, physisch und psychisch, man muss viel lernen können und bereit sein, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und viel arbeiten können.

Der Beruf ist kein Zuckerschlecken

Das Studium ist schwer, und später sind Nacht- oder Wochenenddienste oft stressig. Trotzdem: "Es ist ein super Beruf!", sagt Prof. Dr. Axel Holstege, Ärztlicher Direktor des Klinikums Landshut. Denn Ärzte können heilen, helfen und haben mit Menschen zu tun.

Ein gewisses Durchhaltevermögen sollte man schon haben. Wer denkt, er könne sich im Studium auf Patienten stürzen und sich ans Heilen machen, wird enttäuscht. Die ersten beiden Studienjahre sind sehr verschult. Für viele ist das die größte Hürde, sagt Prof. Holstege. Auch für Herbert Gruber war dieser Anfang schwer. Er ist ein sogenannter PJler am Klinikum Landshut, das heißt, er absolviert gerade mit dem Praktischen Jahr in einer Klinik sein letztes Studienjahr. "Das Vorklinische Studium ist hart. Es ist sehr verschult, man muss viel lernen", sagt er. Für ihn war es vielleicht ein wenig härter als für andere, denn er war aus dem Lernen schon wieder eine Weile draußen. Gruber hat eine Ausbildung zum Krankenpfleger absolviert und in diesem Beruf zwei Jahre gearbeitet, bevor er mit dem Medizinstudium angefangen hat. Sein Vorwissen hat ihm andererseits im Studium geholfen.

Der erste Studienabschnitt hat mit dem, was man sich unter dem Arztberuf vorstellt, also wenig zu tun. Wer diese Hürde aber nimmt, hat sich ein umfassendes - und unbedingt notwendiges - Basiswissen angeeignet und kommt dem erträumten Berufsziel schon um einiges näher.

Breitgefächertes Studium

Im Medizinstudium werden alle Fächer gelehrt wie Chirurgie, Innere Medizin, Dermatologie, Gynäkologie, Kinderheilkunde und Orthopädie. "Das breite Lernen ist sehr sinnvoll", sagt Holstege, "denn viele Krankheiten beschäftigen mehrere Disziplinen." Diabetes zum Beispiel ist ein Fall für die Innere Medizin; aber auch Augenärzte können die Krankheit anhand einer Untersuchung feststellen. Außerdem soll der Student sich nicht sofort festlegen müssen. Während des Studiums hat er die Gelegenheit, alle Fächer kennenzulernen und sich dann erst zu entscheiden. Manches ergibt sich freilich durch die eigenen Voraussetzungen: Wer zwei linke Hände hat, sollte nicht unbedingt Chirurg werden. Während des Klinikpraktikums und im Praktischen Jahr, das sich der weitgehend theoretischen Ausbildung anschließt, kann man sich die praktische Arbeit in verschiedenen Disziplinen ansehen - und dann entscheiden.

Das PJ ist also nicht nur ein Lehrjahr in Sachen praktischer Arbeit am Patienten, sondern auch ein Orientierungsjahr, in welche Richtung es gehen soll, sagt Herbert Gruber. Der 33-Jährige ist von seinem PJ angetan. "Ich ersetze hier natürlich keinen Arzt. Aber das ist auch gut, denn so kann ich in Ruhe Sachen lernen." Gruber darf manche Behandlung unter Aufsicht machen, etwa eine Bauchhöhle punktieren.

Außerdem lernt er viele Stationen kennen: Neben Innerer Chirurgie und Anästhesie hat er die Kardiologie, Onkologie und Gastroenterologie kennengelernt. Er ist eine Woche beim Notarzt mitgefahren und war in der Notaufnahme, auf der Intensivstation und im Labor. "Diese Stationen waren wichtig", sagt er. Auch, um einen Patienten über längere Zeit und verschiedene Behandlungsstationen zu sehen.

Wie behandelt man beispielsweise einen frischen Herzinfarkt und wie geht es dem Patienten etwas später? Eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Arztberuf ist Einfühlungsvermögen. Im Studium lernt man Fragetechniken, um eine Diagnose zu erstellen. Ein Arzt muss sich aber auch in den Patienten hineinversetzen können und ausgleichend wirken. Schließlich haben viele Menschen beim Arzt Angst vor einer Krankheit. Jeder nimmt eine Diagnose anders auf. Sie jeweils passend zu übermitteln, ist ebenfalls Aufgabe des Arztes. Er muss erkennen können, wie er am besten mit dem jeweiligen Patienten umgeht. Das kann man nicht lernen.

Wer nicht gern mit Menschen zu tun hat, sollte sich das Studium ohnehin gründlich überlegen, rät Holstege. Man sollte auch in der Lage sein, seinen Beruf nicht mit nach Hause zu nehmen. Der Ärztliche Direktor nennt als Beispiel den Arzt auf der Kinderkrebsstation: Wenn der nicht abschalten kann, wird er im Beruf nicht glücklich werden. Der Arztberuf, da sind sich Holstege als erfahrener Mediziner und Gruber als angehender Arzt einig, ist wunderbar und erfüllend. Die Belastung durch Stress und viel Verantwortung nehmen sie dafür gern in Kauf.