Bei Campingausflug eingekesselt So erleben Menschen in Australien die Buschfeuer

Dichter Rauch zog über den Campingplatz, als sich die Buschfeuer dem Ort nähern. Foto: Daniel Heathcote

Vernebelte Städte, blutroter Himmel, von Flammen eingeschlossene Orte: Die Bilder von den Buschfeuern, die seit Oktober in Australien toben, gehen um die Welt. Wir haben mit einer Australierin gesprochen, wie sie und ihre Freunde die Brände in Down Under erleben.

„Die Situation mit den Buschfeuern in Australien ist momentan wirklich schlimm“, erzählt Steph Giles. Die 28-Jährige arbeitet als Ärztin in Melbourne im Bundesstaat Victoria. Während die Brände im Bundesstaat New South Wales bereits vor Weihnachten ausbrachen, hat es die Menschen in der Region Victoria erst nach den Feiertagen getroffen, als die Temperaturen auf 43 Grad anstiegen.

In der Zeit, so erzählt Steph Giles, gehen besonders viele Australier campen. Auch der Freund ihrer Schwester, Daniel Heathcote, und seine Freunde seien wie jedes Jahr vor Silvester zum Campen nach Mallacoota im Osten von Victoria aufgebrochen. "Am 30. Dezember erreichten die Buschfeuer den östlichen Teil von Victoria und schnitten Mallacoota von der Außenwelt ab. Es gibt nämlich nur eine Straße, die in die Stadt führt, und diese Straße war wegen der Brände gesperrt." 

Buschfeuer drängen Menschen bis zur Küste zurück

"Normalerweise leben 1.000 Menschen in Mallacoota. Doch über Silvester können es bis zu 10.000 werden, weil so viele Touristen dann zum Campen kommen", sagt Steph Giles. Manche von ihnen hätten die Stadt noch rechtzeitig verlassen, viele seien wegen der Brände erst gar nicht gekommen. 

Für Daniel und seine Freunde war es am 30. Dezember zu spät. Die Flammen schnitten sie und etwa 4.000 andere Menschen an dem Küstenort von der Außenwelt ab. Die Situation am Campingplatz spitzte sich zu. "Sie wurden evakuiert und zu einem Freizeitzentrum in der Nähe oder zum Strand gebracht. Dort hat die Feuerwehr mit ihren Fahrzeugen einen Schutzring um die Menschen gebildet."

Doch die Situation verschärfte sich knapp einen Tag später noch mehr, als das Feuer am Silvestermorgen immer weiter vordrang. Der Himmel sei pechschwarz geworden, dann rot und dann orange. Jeder, der ein Boot hatte, musste aufs Wasser rausfahren, erzählt Daniel seiner Schwägerin später. 

Er selbst und seine Freunde hätten zu diesem Zeitpunkt am Strand geschlafen. "Doch der Rauch wurde so stark, dass sie wieder evakuiert wurden und dann in das Freizeitzentrum kamen, um etwas bessere Luft zu bekommen", sagt die 28-Jährige. Die Temperaturen stiegen auf bis zu 48 Grad an. Überall sei Rauch gewesen sein. Selbst in den Räumen hätten die Menschen Daniel zufolge Atemschutzmasken tragen müssen. 

Mit dem Schiff nach Melbourne zurück

Dann fingen die Außenbezirke der Stadt zu brennen an, bis sich der Wind drehte. Das Freizeitzentrum blieb verschont, die Menschen konnten rechtzeitig fliehen. Der Anblick, der sich ihnen bot, als sie das Zentrum verließen, war schockierend. „Daniel hat gesagt, dass draußen überall verkohlte, schwarze Blätter und Asche lagen. Die Zelte und Matratzen wurden von der Glut zerstört.“ 

An den Straßen entlang brannten immer noch mehrere Buschfeuer. Die Menschen aus Mallacoota mussten noch mehrere Tage vor Ort ausharren, bis die Regierung einige Marineschiffe schickte, um die Touristen zu evakuieren. "Daniel kam am 3. Januar auf ein Schiff und erreichte einen Tag später Melbourne. Seitdem hat er seine Kleidung dreimal gewaschen und sie stinkt immer noch nach Rauch.“

Viele Patienten mit Atembeschwerden

Ein wenig ruhiger ist es in der Hauptstadt des Bundesstaates Victoria selbst. "Melbourne wurde ziemlich vor dem Feuer geschützt, aber die Luft riecht immer noch nach Rauch, auch wenn die Buschfeuer hunderte Kilometer weg sind", so die Ärztin. Doch auch über die Metropole ziehen dicke Rauchschwaden und als es vor ein paar Tagen endlich regnet, riecht auch der nach Rauch. „Wir hatten so viele Patienten, die mit Asthma oder anderen Atemwegserkrankungen zu uns kamen, weil die Luftqualität so schlecht ist.“

Die guten Nachrichten seien, dass die Menschen alle zusammenhalten und versuchen, sich gegenseitig helfen, sagt Steph Giles. Es gebe viele Geschichten über Menschen, die bei den Buschfeuern ihre Häuser verloren haben und trotzdem immer noch versuchen, andere zu unterstützen. Ein Apotheker beispielsweise habe sein Haus verloren, arbeite aber weiter in seiner Apotheke und verteile Medikamente an die Menschen, ohne Geld dafür zu verlangen. Auch einige Feuerwehrleute sind unterwegs und kämpfen gegen die Flammen, obwohl sie selbst ihre Häuser verloren haben. 

Hilfe für die Geschäfte von Mallacoota

Besonders schlimm sei die Situation auch für Kleinstädte wie Mallacoota. „Der Sommer ist für kleine Geschäfte in Kleinstädten die Zeit, in der sie am meisten einnehmen. Es gibt nun einige Facebookseiten und Instagramaccounts, die Werbung für diese Geschäfte machen, damit Leute ihnen etwas abkaufen oder spenden können.“

Auch Steph und ihre Freunde wollen helfen. Sie planen einen Wochenendtrip nach Mallacoota, nicht nur, um Daniels Auto zu holen, sondern auch um die Bevölkerung dort finanziell zu unterstützen. "Auch wenn Daniel Glück hatte und rechtzeitig von dort wegkam, viele Bewohner von Mallacoota haben alles verloren. Deswegen gibt es in den Sozialen Medien eine Bewegung, die die Australier aufruft, in die betroffenen Orte zurückzufahren und die Menschen zu unterstützen, sobald die Gefahr vorbei ist."

Doch bis es soweit ist, können noch viele Wochen vergehen, sagt Steph. Denn die Gefahr auf der Straße von Mallacoota ist auch zwei Wochen nach dem Ausbruch der Buschbrände noch nicht gebannt.

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