Nun weiß der geneigte Wagnerianer endlich, warum der Fliegende Holländer so sehr auf weibliche Treue versessen ist. Dmitri Tcherniakov erzählt zur Ouvertüre von Wagners gleichnamiger romantischer Oper eine frei erfundene Vorgeschichte: Die Mutter des ruhelosen Seemanns hatte ein außereheliches Verhältnis mit Daland. Sie wurde von der Gesellschaft der Kleinstadt verstoßen und erhängte sich vor den Augen ihres Sohnes.

In der Neuinszenierung zur Eröffnung der diesjährigen Bayreuther Festspiele kehrt der Holländer in seine Heimat zurück, um blutige und feurige Rache zu nehmen. Das sieht, vor allem im Showdown zwischen Müll und brennenden Häusern, ungefähr so aus, als hätten Calixto Bieito oder Quentin Tarantino nach der Generalprobe beschlossen, der Kollege Tcherniakov möge sich als Buhmann stellvertretend die obligatorischen Missfallensbekundungen abholen.