Bayerns Badeseen im Fokus Corona gefährdet Sicherheit im Wasser

Der idyllische Rottauensee. Foto: Andreas Reichelt

Im Sommer gibt es kaum etwas Schöneres, als mit der Familie an den Badesee zu fahren. Die Kinder spielen, während die Eltern sich in die Sonne legen. Was die Wunschvorstellung eines Wochenendausflugs zu sein scheint, kann lebensgefährlich werden. Denn immer weniger Kinder können schwimmen. Wie gefährlich sind heimische Badeseen und was können Eltern zur Sicherheit ihrer Kinder tun?

Jährlich ertrinken in Bayern rund 90 Menschen. Der Freistaat hat damit die meisten Ertrinkungsunfälle Deutschlands. Gleichzeitig konnte im vergangenen Jahr coronabedingt kaum Schwimmunterricht gegeben werden, was laut DLRG, Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft Landesverband Bayern e.V., zu einem Jahrgang von 100.000 Nichtschwimmern führen könnte. 

"Wir haben als Wasserwacht Bayern wirklich viel versucht, um das aufzufangen", erklärt Hans Nothaft, Vorsitzender der Organisation im Bezirk Niederbayern/Oberpfalz. Bereits 2019 habe man mit der Aktion "Bayern schwimmt" begonnen. Doch 2020 fiel Schwimmunterricht in Präsenz nahezu gänzlich weg.

Die Wasserwacht Bayern produzierte daraufhin Lehrvideos, mithilfe derer Eltern ihren Kindern das Schwimmen beibringen können. Elf solche Kurzfilme stehen auf Youtube zur Verfügung. Für 2021 sei solch virtueller Unterricht auch mit dem Schwerpunkt Badeseen und Flüsse geplant.

Vorsicht am Badesee

"Freiwässer bergen von Haus aus Gefahren, verglichen mit Badeanstalten und dem Freibad", erklärt Hans Nothaft weiter. Trübes Wasser, unklare Wassertiefe und die Möglichkeit von Untiefen seien eben Risikofaktoren, die es in den gefliesten 90-Zentimeter-Becken bayerischer Bäder nicht gebe. Außerdem seien dort auch Bademeister und Rettungsschwimmer vor Ort, die schnell Hilfe leisten können.

Dennoch sind gerade die vielen Seen in Bayern von besonderem Erholungswert. Ein wichtiger Faktor für die Menschen im Freistaat. Wolfgang Beißmann, Bürgermeister der Stadt Pfarrkirchen, kommt beim Gedanken an den nahen Rottauensee regelrecht ins Schwärmen. Neben dem Erlebnis der Natur als ökologischem Lebensraum, sei vor allem die Freizeitqualität wichtig. "Der Rottauensee ist ein wundervoller Platz für Jogging, Walking, oder sich einfach in die Wiese zu legen und vieles mehr", erzählt er. "Es gibt angelegte Grillplätze und gut aufgekieste Einstiegsstellen zum Baden."

Doch auch hier hat man immer häufiger mit Vandalismus zu tun. Eigentlich müsse man sich kostenlos bei der Stadt anmelden, wenn man einen Grillplatz verwenden möchte. "Manchmal wird er allerdings von Unvernünftigen ohne Anmeldung benutzt, die ihn dann vermüllen. Es wurden schon einmal Möbel als Brennstoff benutzt, Flaschen werden in den See geworfen", erklärt Beißmann weiter. Als Vorsitzender des Zweckverbands Erholungsgebiet Pfarrkirchen – Postmünster beklagt er auch die damit verbundenen Kosten. Jüngst habe man an einem einzigen Wochenende Schäden in Höhe von 3.000 Euro zu beseitigen gehabt. "Dieses Verhalten schädigt nicht nur den Zweckverband, sondern die Allgemeinheit", so sein Fazit.

Vandalismus als Gefahr

Wenn nach einer Party am See Flaschen und Müll beseitigt werden müssen, birgt dies ein besonderes Risiko. "Weil wir mit Sicherheit davon ausgehen können, dass die Scherben, beziehungsweise der Unrat, auch im See liegen und dann der Badegast unvermittelt in eine Scherbe treten kann. Was natürlich dazu führt, dass er sich auch schwer verletzt", so Hans Nothaft weiter.

An vielen bayerischen Seen, auch am Postmünsterer Rottauensee, absolviert die Wasserwacht daher Wachdienst sowie Streifen- und Patrouillenfahrten. Ob Bienenstich, Verletzungen durch Muscheln oder durch Scherben, die Helfer sind schnell zur Stelle. "Ein Boot ist ständig im Wasser, dadurch kann die Distanz zum anderen Seeufer schnell bewältigt werden", so der Wasserwachtler weiter.

Zwei Sicherheitsfaktoren

"Schwimmen ist unendlich wichtig. Nicht nur ist es eine schöne sportliche Betätigung, sondern Schwimmen ist auch Sicherheit. Daher ist es besonders wichtig, dass es wieder in den Schulunterricht aufgenommen wird", sagt Wolfgang Beißmann, der selbst Familienvater ist. Diese Überzeugung teilt er mit Hans Nothaft, der noch um einen weiteren Faktor ergänzt: "Die Eltern dürfen die Aufsichtspflicht nicht verletzen!"

Auch Hans Nothaft ist selbst Vater. "Insbesondere wenn die Eltern dann schnell aufs Handy schauen: das Kind geht dann schnell zum Wasser. Und dann ist es fort." Das Wasser habe eine magische Anziehungskraft auf Kinder. Dies gelte für Bäder genauso, wie für Badeseen. Ein Kind das nicht schwimmen kann, kann sich nicht selbst helfen. "Es geht einfach unter!", so Nothaft.

Den untergegangenen Sprößling zu finden bezeichnet er als Suche nach einer Stecknadel im Heuhaufen. "Großes Wasser, kleines Kind!" Als wichtigste Vorsorgemaßnahme sei rechtzeitiger Schwimmunterricht zu sehen. Je nach Lage sei dieser für 2021 auch wieder geplant. Gerade hier sieht auch Bürgermeister Wolfgang Beißmann Bedarf: "Insgesamt sollte gerade das Schwimmen noch mehr von staatlicher Seite gefördert werden." Doch das hängt zu einem erheblichen Anteil vom Verlauf der Corona-Pandemie ab.

Die Maßnahmen klingen logisch und einfach, sind jedoch nicht immer selbstverständlich: Nach einem Besuch am Badesee den Müll wieder mitnehmen. Gut auf die Kinder oder andere Nichtschwimmer aufpassen. Und dem eigenen Nachwuchs möglichst früh das Schwimmen beibringen. Dies sind die wichtigsten Sicherheitsmaßnahmen für Familien. Und wenn man das Thema Vandalismus miteinbezieht, ist es entscheidend, jederzeit mit der Rücksichtslosigkeit anderer zu rechnen.

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