Bayernliga Nord Nach Stadler-Rücktritt: So geht es in Vilzing weiter

Gibt - zumindest interimsweise - die Kommandos bei der DJK Vilzing: der bisherige Co-Trainer Erich Vogl. Foto: Fabian Roßmann

Bei der DJK Vilzing stellt sich nach dem Rücktritt von Christian Stadler überraschend die Trainerfrage. Wie es dazu kam und wie es nun weiter geht.

Plötzlich war er der Chef. Am Samstagnachmittag, beim Testspiel im Manfred-Zollner-Stadion gegen den Regionalligisten SV Schalding-Heining, gab Erich Vogl den Ton bei der DJK Vilzing an. Erst am Tag zuvor war öffentlich geworden, dass der bisherige Trainer Christian Stadler von seinem Posten zurückgetreten ist. "Es war schon etwas ungewohnt, aber ich hatte die Unterstützung der Mannschaft, die es mir relativ leicht gemacht hat", sagte Vogl nach der Partie. Er sprach von einer "Situation, die man annehmen und sich beweisen muss, wenn es einem zugetraut wird." Für ihn sei es eine neue Erfahrung gewesen – "aber ich habe mich dann schon wohlgefühlt."

Dass Vogl und nicht Stadler die Kommandos an der Seitenlinie geben würde, kam von außen betrachtet aus heiterem Himmel – war die zwei Jahre andauernde Zusammenarbeit zwischen dem Trainer und der DJK doch eine einzige Erfolgsgeschichte. Standen die Schwarzgelben nach schwachem Saisonstart 2018 sogar hinten drin in der Tabelle, als Stadler übernahm, steht der Club als Tabellenführer der Bayernliga Nord nun mit dem möglichen Aufstieg in die Regionalliga Bayern wömöglich vor einem historischen Erfolg. Umso mehr verwunderte der Schritt Stadlers.

Auch die Verantwortlichen wurden von Stadlers Entschluss überrascht. "Es gab vor der vergangenen Woche in keinster Weise irgendwelche Indizien", sagt der Sportliche Leiter Roland Dachauer im Gespräch mit idowa. Erst am Dienstag äußerte Stadler seine Pläne und vollzog den Schritt schließlich am Donnerstag. Dachauer spricht von einer "überraschenden und kuriosen Situation", weil es eigentlich keine größeren Differenzen gegeben habe. "Es ging um zwei, drei ganz kleine Sachen, die keinen Rücktritt bedingen würden. Es gab von Vereinsseite in keinster Weise einen Gedanken an die Trainerthematik."

Stadler-Rücktritt "schade", aber "ehrlich"

Dass sich Stadler verabschiedet hat, findet Dachauer "richtig schade". Sein Wunsch wäre es gewesen, dass alle, die zur aktuellen Situation beigetragen haben, im Idealfall am Ende der Saison den Aufstieg miteinander feiern könnten. Deshalb wollte der Verein auch gerne die Spieler behalten, die sich eigentlich in diesem Sommer verabschiedet hätten. Vor Stadlers Konsequenz bei seiner Entscheidung habe er aber dennoch viel Respekt, so Dachauer: "Das finde ich gut und ehrlich. Das ist dann auch in Ordnung und muss man auch akzeptieren."

Für Erich Vogl kam der Rücktritt Stadlers nicht völlig unerwartet: "Wir waren stark im Austausch, deshalb war es für mich letztlich nicht so überraschend wie vielleicht für die Öffentlichkeit, es hat sich angedeutet. Ich muss auch absolut den Hut ziehen, weil es mega konsequent und in der Situation für Christian sicher auch nicht leicht war."

Stadler begründete seinen Schritt mit der abhanden gekommenen Ruhe rund um die Mannschaft. Er habe die Sportliche Leitung gebeten, wieder Ruhe einkehren zu lassen. "Dass wir unzufrieden waren, steht außer Frage", sagt Dachauer mit Blick auf die bisherige Vorbereitung. "Es ist aber auch unsere Aufgabe schlechthin, dass wir, wenn wir gewisse Dinge sehen, den Finger heben. So haben wir immer gearbeitet. Es gibt bei uns eine ganz klare Kompetenzverteilung und die ist in keinster Weise überschritten worden." Die Sportliche Leitung habe zweieinhalb Mal, wie es Dachauer ausdrückt, außerplanmäßig zur Mannschaft gesprochen. "Das steht uns als Verantwortliche auch absolut zu", so der Sportliche Leiter. Vor allem zwei Punkte habe man – übereinstimmend mit Stadler – als Gründe für die schwächeren Leistungen ausgemacht: die Formschwäche einiger Leistungsträger sowie die weniger gewordene taktische Disziplin.

Kapitän Schwander bestätigt "kleine Unruhe"

Die unruhige Stimmung rund um die Mannschaft hat auch Christoph Schwander wahrgenommen. "Wie es Christian gesagt hat, herrschte seit dem ersten Vorbereitungsspiel eine kleine Unruhe", sagt der Kapitän. Die Mannschaft habe stets versucht, das auszublenden. Da die Verantwortlichen, unter anderem mit dem Stadionausbau, die Planungen für einen möglichen Regionalliga-Aufstieg vorangetrieben haben, sei auch Druck dagewesen. "Es ist natürlich auch das Ziel der Mannschaft, dass wir aufsteigen. Nichtsdestotrotz versuchen wir, den Druck so weit es geht fernzuhalten und befreit aufzuspielen", so Schwander. Ob er die Beweggründe Stadlers für den Rücktritt nachvollziehen könne, beantwortet der Kapitän kurz und knapp: "Ja."

Schwander wünscht sich, dass bei der Bewertung der Leistungen auch die Spieler-Seite gesehen wird: "Das ständige Auf und Ab ist nicht leicht. Wenn mehrmals angekündigt wird, dass es wieder losgeht, man den Körper hochfährt, und dann doch nicht gespielt wird – das schlaucht. Aber wir brauchen auch nicht darum herum reden, dass die Leistungen der letzten Wochen nicht gut waren. Da müssen wir uns als Mannschaft den Schuh alleine anziehen, da hat kein Trainerteam eine Schuld." Das sieht auch Dachauer so: "Das waren reine Spieler-Themen."

Wie geht es weiter? Lösung mit Vogl "definitiv denkbar"

Nun stellt sich in Vilzing die Frage nach der Zukunft. Vorerst hat der bisherige Co-Trainer Erich Vogl übernommen. Für Montagabend ist eine interne Sitzung von Sportlicher Leitung und Abteilungsleitung anberaumt, bei der die Situation betrachtet werden soll. Dem will Dachauer nicht vorgreifen, äußert aber durchaus, dass auch Erich Vogl in der Rolle als Chef bis zum Saisonende für ihn "definitiv denkbar" wäre.

Vogl selbst hat sich darüber nach eigener Aussage noch keine Gedanken gemacht – "dafür war letzte Woche zu viel zu tun." Er will sich nun erst einmal auf die Arbeit mit der Mannschaft konzentrieren. "Wir sind gut beraten, einfach zu arbeiten und uns auf das Training zu konzentrieren und nicht so viel über das Drumherum zu reden", sagt Vogl. "Wir haben aber auch Ziele und können uns als Verein nicht verstecken. Ich will die Mannschaft stärken, wir wollen mutig spielen. Wir wollen das Selbstverständnis, den letzten Mut, die letzte Konsequenz und die Spielfreude in den nächsten Wochen wieder reinbringen."

Sollte die Trainerlösung letztlich längerfristig auf Vogl hinauslaufen – die Unterstützung aus der Mannschaft hätte er sicher, wie Christoph Schwander, der selbst noch mit Vogl zusammengespielt hat, betont: "Da hätte ich überhaupt keine Bedenken. Erich hat das Fachwissen, ist charakterlich ein super Typ und wird von der Mannschaft voll akzeptiert."

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading