Bayern Verschärfter Azubimangel trotz weniger Lehrstellen

Blick auf das Logo der Industrie und Handelskammer (IHK). Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa Foto: dpa

München (dpa/lby) - Der Lehrlingsmangel in vielen bayerischen Unternehmen hat sich im zu Ende gehenden Jahr trotz der Corona-Krise verschärft. Pandemiebedingt ist zwar die Zahl der angebotenen Lehrstellen zurückgegangen. Das berichten Industrie- und Handelskammern sowie der Bayerische Handwerkstag übereinstimmend. Doch da die Zahl der Bewerber im Verhältnis noch stärker geschrumpft ist, macht sich der Nachwuchsmangel in vielen Berufen sogar noch mehr bemerkbar als im Vorjahr.

Die Industrie- und Handelskammern stellen ihre eigene detaillierte Azubi-Statistik erst im neuen Jahr auf. Ende November war die Zahl der Ausbildungsplätze im IHK-Bereich um 12,5 Prozent niedriger als im Vorjahr. Für das Handwerk liegen bereits genauere Zahlen vor, Stand Ende November: Demnach wurden 27 206 neue Lehrverträge geschlossen, 7,1 Prozent weniger als 2019. Trotz dieses kräftigen Rückgangs gestaltete sich die Lehrlingssuche für die ausbildenden Betriebe sogar schwieriger: "Wir schätzen, dass in diesem Jahr rund 21 Prozent der angebotenen Lehrstellen nicht besetzt werden konnten", sagt ein Sprecher des Handwerkstags. "Das ist etwa ein Prozentpunkt mehr als 2019."

Die Arbeitsagentur hatte bereits im Herbst gemeldet, dass in Bayern Ende September unter dem Strich mehr Ausbildungsplätze freigeblieben waren als im Vorjahr. In diesem Jahr gab es coronabedingt viele Nachzügler, da die Abschlussprüfungen verspätet stattfanden. Das hat aber an der Situation offenkundig nichts Grundlegendes mehr geändert.

"In den Industrieberufen sind deutlich weniger Stellen unbesetzt geblieben als in den Vorjahren, es kommen aber immer noch 13 unbesetzte Lehrstellen auf jeden unversorgten Bewerber", sagt der BIHK-Ausbildungsfachmann Schöffmann. Tatsächlich entspannt hat sich die Situation demnach bei den Informatikberufen. Zwei Branchen, die nach der Corona-Pandemie nun auch vom Lehrlingsmangel besonders hart getroffen werden, sind Tourismus und Handel. "Die Lage hat sich noch einmal deutlich verschärft. Hier ist die Zahl der unbesetzten Lehrstellen um 19 beziehungsweise 15 Prozent gestiegen", berichtet Schöffmann.

Im Handwerk meldeten Bau- und Ausbaugewerbe sowie der Metallbereich fehlende Azubis, eine besonders große Lücke gibt es nach wie vor bei Bäckern und Metzgern.

Wie es nächstes Jahr aussehen wird, ist ungewiss. "Die Aufholjagd am Ausbildungsstellenmarkt ist aktuell durch den zweiten Lockdown spürbar zum Erliegen gekommen", sagt Schöffmann. "Die Gefahr eines Corona-Jahrgangs ist für 2021 angesichts der steigenden Unsicherheiten deutlich höher zu bewerten." Das hat nicht nur mit der Geschäftslage der Unternehmen zu tun, sondern auch mit der Unsicherheit, ob Abschlussprüfungen verschoben werden oder die Berufsorientierung wieder normal stattfinden kann.

Ebenso unverhofften wie dringend benötigten Zuspruch verzeichnete in diesem Jahr die Pflege: Im ersten Jahr der neuen generalistischen Pflegeausbildung starteten rund 7800 junge Frauen und Männer in die Ausbildung, zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Das hatte die Staatsregierung im Herbst berichtet. In der generalistischen Ausbildung wurden Krankenpflege für Kinder und Erwachsene sowie die Altenpflege zusammengelegt.

 

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