Bayern Bestechungssystem bei Stahlwerken: Haftstrafen für Manager

Eine Justitia an einem Gerichtsgebäude. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild/dpa

Den Männern waren ihre Geschäftsführer-Einkünfte nicht genug. Mit illegalen Mitteln sollte es noch mehr sein. Einer der Angeklagten gab zu: "Die Gier war größer." Nun muss er die Konsequenzen tragen.

Augsburg (dpa/lby) - Wegen eines millionenschweren Bestechungssystems bei den schwäbischen Lech-Stahlwerken sind am Mittwoch zwei frühere Geschäftsführer zu Gefängnisstrafen verurteilt worden. Das Landgericht Augsburg verurteilte einen 55 Jahre alten ehemaligen Manager, der die Hand aufgehalten hatte, zu vier Jahren und drei Monaten Haft.

Der 46-jährige Subunternehmer, der die Bestechungsgelder gezahlt hatte, um Aufträge zu erhalten, bekam drei Jahre und neun Monate. Ein Steuerberater, der teilweise die Beträge weitergeleitet hatte, erhielt wegen Geldwäsche eine neunmonatige Strafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. (Az. 15 KLs 502 Js 130499/20 (2))

Die in Untersuchungshaft sitzenden beiden Hauptangeklagten hatten in dem Prozess Geständnisse abgelegt. Ausgangspunkt für die Bestechungsgelder waren Aufträge für Reinigungsarbeiten, die das Stahlwerk an Dienstleister zu vergeben hatte.

An dem Korruptionssystem war nach Ansicht der Strafkammer wesentlich ein Geschäftsführer eines Tochterunternehmens der Stahlwerke beteiligt. Der Mann starb aber zwischenzeitlich und konnte nicht mehr belangt werden.

Dieser Geschäftsführer habe das System geschaffen, um sich über Jahre hinweg erheblich zu bereichern, sagte die Vorsitzende Richterin Martina Neuhierl. Der Mann habe dem Ziel, Millionär zu werden, anderes rücksichtslos untergeordnet.

Sein Kollege aus der Stahlwerks-Geschäftsführung stieg ebenfalls in das System ein. Neuhierl zitierte im Urteil eine Aussage des Angeklagten in dem Verfahren: "Die Gier war größer, und zwar größer als die Angst." Er muss nach dem Urteil auch damit rechnen, dass er bis zu eine Million Euro zurückzahlen muss.

Die vom Gericht verhängten Strafen lagen zwischen den Anträgen der Staatsanwaltschaft, die bis zu sechseinhalb Jahre Haft verlangt hatte, und den Forderungen der Verteidiger. Von einigen Vorwürfen aus der Anklage wurde das angeklagte Trio freigesprochen. Gegen das Urteil können alle Seiten Rechtsmittel einlegen.

Die Lech-Stahlwerke in Meitingen (Landkreis Augsburg) produzieren nach eigenen Angaben mit rund 800 Mitarbeitern jährlich etwa 1,1 Millionen Tonnen Stahl, unter anderem für die Autoindustrie. Der Stahl wird durch die Wiederverwertung von Schrottautos gewonnen.

Die Stahlwerke, die zur Gruppe des Unternehmers Max Aicher aus Freilassing in Oberbayern gehören, bezeichnen sich als größtes Recyclingunternehmen Bayerns. Das Unternehmen wollte zu dem laufenden Verfahren keine Stellungnahme abgeben.

© dpa-infocom, dpa:210615-99-05737/4

 

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